Einfach nur ein Münchner Student, der im Waisenhaus aufgewachsen ist, lange gestottert hat, das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht hat, Theologe oder Psychologe werden will, aber vor allem auch Schriftsteller werden will und jetzt den Kontakt für schwule Prosa in einem bayerischen Kleinverlag klargemacht hat. Autobiografisch gefärbte schwule Kurzprosa gab es seinerzeit in Deutschland, und erst recht in Bayern, noch nicht gar so viele. Als Dokument ist das dünne Buch unbezahlbar. Dass der nachmalige Psychotherapeut Angstmann das Zeug zum wahren Prosaschriftsteller gar nicht hatte, merkt man auch schon. Wie die Textsorten sich unterscheiden, unterscheiden sich auch die Niveaus der Texte stark voneinander. Mir imponierten vor allem Angstmanns Ehrlichkeit, Direktheit und Angstlosigkeit. Er schreibt über Sex im Englischen Garten und über Flirts mit ganz normalen türkischen Männern auf niederbayerischen Bahnhöfen. Wer kennt denn noch was aus dem schwulen Deutschland jener Jahre, das so deutlich war und nicht ewig diese angeberische Kunstscheiße von Leuten wie Hubert Fichte?