Der britische Anthropologe Tim Ingold ist einer der originellsten zeitgenössischen Denker. Leidenschaftlich und glasklar legt er mit diesem schlanken Band das Manifest einer Anthropologie vor, die von der Frage geleitet Wie sollen wir leben? Angesichts einer Welt auf Messers Schneide geht diese Frage jeden an. Nach Ingolds Überzeugung reicht es nicht länger, Wissen anzuhäufen, denn bloßes Wissen fixiert und stellt das Denken in Konzepten und Modellen ruhig. Woran es mangelt, ist Weisheit. Weise sein heißt für Ingold, sich in die Welt zu wagen und sich dem auszusetzen, was dort vor sich geht, aufmerksam zu sein, den Mantel der Allwissenheit abzulegen, den anderen ernst zu nehmen, ja, bei ihm in die Lehre zu gehen. Die Anthropologie verschafft der Weisheit und Erfahrung von Menschen überall auf der Welt Geltung. Eine neue Anthropologie, wie Ingold sie propagiert, sollte dabei nicht länger Studien über die Menschen verfen, sondern mit ihnen studieren, welche Formen von Menschsein möglich sind. Auch, weil wir es uns nicht mehr leisten können, in unserer globalen Notlage auf ihre Weisheit zu verzichten.
Tim Ingold (born 1948) is a British social anthropologist, currently Chair of Social Anthropology at the University of Aberdeen. He was educated at Leighton Park School and Cambridge University. He is a fellow of the British Academy and of the Royal Society of Edinburgh. His bibliography includes The Perception of the Environment: Essays in Livelihood, Dwelling and Skill, Routledge, 2000, which is a collection of essays, some of which had been published earlier.