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GEO Epoche Nr. 46 - Die Macht der Habsburger

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170 pages, Paperback

First published December 1, 2010

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Michael Schaper

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Profile Image for Tristram Shandy.
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July 9, 2017
Eher personenbezogen – aber das liegt wohl am Thema

Geschichte wird von großen Männern – und manchmal auch Frauen – gemacht. Diese doch schon seit Jahrzehnten überholte Annahme scheint bei der Anlage des GEO-Epoche-Magazins Nr.46 über „Die Macht der Habsburger“ Pate gestanden zu haben, was sich schon im Bildessay ankündigt, in dem unter dem Titel „Die Köpfe einer Dynastie“ eine Reihe hervorstechender Vertreter – einschließlich einer Vertreterin – des Hauses Habsburg vorgestellt wird.

Mit Rudolf I. beginnt die Historie des Hauses Habsburg, das Europas Geschicke jahrhundertelang nicht unwesentlich mitbestimmte, und Martin Paetsch zeigt in seinem Artikel über den kleinen südwestdeutschen Grafen, der schließlich, durch die Machtverhältnisse im Heiligen Römischen Reich und durch seine eigene Skrupellosigkeit begünstigt, zum König aufstieg, daß die Ursprünge der Macht dieses Herrscherhauses für Machiavelli einen lohneswerten Forschungsgegenstand abgegeben hätten. In diesem Essay wird zwischen den Zeilen außerdem deutlich, daß der Strukturgeschichte für das Verstehen historischer Entwicklungslinien eine bedeutende Rolle zukommt.

Natürlich darf auch ein Artikel über Karl V. nicht fehlen, den Herrscher, der durch die umsichtige Heiratspolitik seiner Dynastie an die Spitze verschiedener Staaten Europas, einschließlich Spaniens und seines Kolonialreiches, gelangte. Reymer Klüver skizziert in seinem Beitrag, wie Karl nicht zuletzt ob seines Unwillens, moderne gesellschaftliche Entwicklungen wie die Reformation anzuerkennen und sie zum Faktor seiner Politik zu machen, als Herrscher scheiterte – eben auch ein Beweis, daß Geschichte nicht in erster Linie von „großen Männern“ geschrieben wird.

Interessant ist auch der von Markus Wolff verfaßte Kurzessay über den „Fluch des Hauses Habsburg“, die Kehrseite der machtpolitische, nicht aber biologische Aspekte berücksichtigenden Heiratspolitik der Habsburger.

Olaf Mischers und Bertram Weiss’ Beitrag über Maria Theresia konzentriert sich vor allem auf den Machtkampf der Habsburgerin mit ihrem Gegner in Berlin, dem bei der Verfolgung seiner außenpolitischen Interessen der Zufall zur Hilfe kommt, indem er einen Friedrich wohlgesinnten Zaren an die Macht gelangen läßt. Recht eindringlich wird in diesem Artikel gezeigt, wie sich auch eine Maria Theresia Handlungsfreiheit durch umsichtige Heiratspolitik und kluge Diplomatie erarbeiten mußte. Ihr Nachfolger, Joseph II. mit seiner autokratischen Aufklärung nach dem Motto „Alles für das Volk, nichts durch das Volk“, findet hier ebenfalls Erwähnung, doch hätte ich es gerade in Anbetracht der Bedeutung Josephs für eine relative Modernisierung Österreichs wünschenswert gefunden, hätte man die Politik dieses Monarchen mit ihren Folgen genauer beleuchtet; hierfür hätte man etwa den Artikel über Kaiserin Elisabeth weglassen können.

Neben gekrönten Häuptern rücken allerdings auch ungekrönte in das Zentrum einzelner Artikel. So gibt es beispielsweise einen Aufsatz Jörg-Uwe Albigs über das Musikgenie Mozart, der seinen Charakter aus dem Verhältnis zu seinem ehrgeizigen und selbstsüchtigen Vater zu erklären sucht. Auch Habsburgs Ringen gegen den Modernisierer Napoleon wird thematisiert, und zwar zum einen in einem Artikel über Andreas Hofer, in dem Walter Saller die reaktionäre Beschränktheit des Tirolers veranschaulicht, zum anderen in einem Beitrag über den Machtpolitiker Metternich, dessen Restaurationspolitik Europa einige Jahrzehnte immerhin den außenpolitischen Frieden sichert. Sehr beeindruckend fand ich Jonathan Stocks Essay „Wien. Ein Schauspiel in sechs Akten“, in dem der Verfasser anhand sechs kunstvoll geschriebener Vignetten über Kaiser Franz Joseph, Freud, Klimt, Felix Salten, Hitler und Mahler ein faszinierendes Bild der Kultur und Unkultur Wiens im Jahre 1908 entwirft.

Weitere kürzere Artikel behandeln u.a. Don Carlos, Kaiser Maximilian von Mexiko, längere Artikel sind u.a. dem osmanischen Versuch, Wien zu erobern, der Regierungszeit Franz Josephs und schließlich der Rolle Österreichs im Ersten Weltkrieg gewidmet.

Insgesamt hätte ich mir trotz all der Faszination, die von einzelnen Herrscherfiguren ausgehen mag, hier und da einen ruhigeren Blick auf die Strukturen gewünscht – wie GEO dies etwa in seinem einleitenden Aufsatz über die Französische Revolution tat. An einer Stelle stieß ich mich zudem an einer etwas einseitigen Darstellung: Wenn Joachim Telgenbüscher in seinem Aufsatz über Franz Joseph die Anhänger der kleindeutschen Lösung als Menschen darstellt, die Österreich als einen „’Mischlingsstaat’“ diffamieren und die fordern, man müsse Slawen und Magyaren aus dem Deutschen Reich vertreiben, dann verkennt er, daß diese Denkweise sicher nur für einen Teil der Kleindeutschen repräsentativ war, denn eine andere Argumentation für die kleindeutsche Lösung war auch die, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das man für Deutsche forderte, auch Slawen und Magyaren zuzugestehen.

Dieses Heft halte ich insgesamt zwar noch für gelungen, doch sehe ich gewisse Mängel, die für mich zwei Sterne Abzug rechtfertigen.
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