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Paperback
Published March 31, 2005
P 200 m. P ist ein Initial des Universums. 200 Meter ist seine irdische Intonation: Der Blinker klickert. Jeder weiß, was jetzt kommt: Ein paar Bänke mit Tischen, Beton oder wetterbeständiges Holz, Mülltonnen, meist übervoll, neu angepflanzte Hainbuchen, die nicht wachsen können, weil alle dran pinkeln. Die eingehen an der Grausamkeit der Verliebten gegenüber der Zeit. Jenny + Markus forever, I love you anonym, Kevin + Babsi in einem aufgerissenen Herz, oder kürzer Fuck you, gesäumt von Peace-Zeichen und narbigen AC/DC und SOS, Akronyme der Angst vor der Abwesenheit. In den struppigen Zweigen Coladosen und Chipstüten, zerknüllte Servietten und auch schon mal ein blutiger Tampon, der geschundene Stamm ragt aus einer Hand voll Häckselholz und der halbverdauten Pizza von vor drei Tagen. Linker Haltestreifen für LKWs, rechts für PKWs, und auf dem letzten freien Parkplatz picknicken Holländer. Wenn du Glück hast, ein Klohäuschen, abgeschlossen, wenn Pech, weil defekt, meist nur ein Maschendrahtzaun, irgendwo niedergetreten, ein Trampelpfad führt in eine Kiefer-Monokultur, gleich verarbeitet zu Tempotaschentüchern. Ich mag diesen Geruch aus Scheiße und Pisse und feuchtem Nadelgehölz und dem Schweiß hastiger Geilheit, ein wenig vermischt mit dem Muff des Sitzpolsterüberzugs, hinter einen Holzhaufen blase ich den Typen aus dem Passat, er schmeckt nach 500 Kilometern, zweimal Raststätte und morgens nicht geduscht. Ich mag es, wenn ich nicht weiß, woher sie kommen, nicht weiß, wohin sie fahren, nur wie lange sie schon unterwegs sind, und wenn sie mich ficken, weiß ich auch, wie lange noch. Ich mag es, ihre verhetzten Körper zu ertasten, Neuland zu erobern, Gefahrenzonen. Gebirge, Wälder, Wüsten. Ich mag diese angespannten Muskeln auf dem Sprung, die unbeholfenen Bewegungen des Beckens und die fahrigen, manchmal eheberingten Hände, das kämpferische Reißen an meinem Gürtel und den Moment des Einhalts, wenn er endlich aufspringt. Ich mag sie, diese irritierte Souveränität mit ihrer leicht verschwitzten Haut, auf der Brust und zwischen den Beinen auf dem Damm, vorgestern rasiert, ein paar Stoppeln um Brustwarzen und Anus, seither im Stress und keine Zeit für den Körper, er kämpft im eng geschnürten Zeitkorsett mit der Konferenz um drei, der Verabredung zum Essen um sechs, dem Fitnesstraining um neun und dem vorzeitigen Orgasmus.