Nach wie vor besteht unser Leben auch aus lästigen Aufgaben. Wir alle müssen in der Winterkälte auf den Bus warten, den Abwasch machen, den Müll hinaustragen, möglicherweise einen langen Arbeitsweg mit dem Auto zurücklegen. Für David Sim liegt die Lösung direkt um die Mit einfachen, kostengünstigen Mitteln und einem Fokus auf den menschlichen Maßstab könnte das Leben in der Stadt einfacher, angenehmer, sanfter aussehen. Sim zeigt, dass dafür das Gleichgewicht zwischen Dichte und Vielfalt der entscheidende Faktor ist und die in unserem städtischen Umfeld bereits vorhandenen Potenziale genutzt werden sollten. Das Quartiere, die Leichtigkeit und Komfort versprechen und sich an unsere sich ständig ändernden Bedürfnisse anpassen. Langsamer, kleinteiliger, David Sim erzählt vom guten Leben in städtischen Nachbarschaften.
Als Übersicht von Ideen und Ansätzen für Laien und Studierende interessant oder für Praktiker in Gegenden der Welt, in denen das Konzept der "europäischen Stadt" nicht bekannt ist. Für Fachpublikum beinhaltet das Buch wenig Neues, dafür aber schöne Beispiele mit anschaulichen Grafiken.
Leider bleibt Sim dabei sehr oberflächlich und unkritisch in seinen Überlegungen. Als einzige geeignete Typologie wird die mittelhohe Blockrandbebauung beschrieben und näher betrachtet. Dabei wird ausgeblendet, dass in der Regel weder neue, noch insbesondere bestehende Städte nur aus einer Typologie bestehen. Es wäre also durchaus lohnenswert gewesen, zu betrachten, wie auch die anderen Typologien im Sinne seiner "sanften Stadt" qualifiziert werden könnten. Dabei kommen die anderen Typologien durchaus in einzelnen Beispielen vor, etwa als Doppelhaus in der Stadterweiterung Bo01 oder Vauban, Freiburg i.Br., bei dem es sich um eine Zeilenhaussiedlung handelt, hier aber ebenfalls dem Blockrandypus zugeschrieben wird. Absurd wird es, wenn eine kritische Darstellung des Pariser Hauses um 1850, die die soziale und gesellschaftliche Segregation unter einem Dach anprangert, umgedeutet wird. Statt zu erkennen, dass der Blockrand eben nicht automatisch zu einer "sanften Stadt" mit freundlichen, nachbarschaftlichen Kontakten führt, wird betont, dass es ja in erster Linie wichtig sei, dass alle an der selben Adresse wohnten.
Solche Widersprüche und Inkonsistenzen finden sich immer wieder im Buch. Was am Ende bleibt ist eine positive, bisweilen leicht überschwängliche Verteidigung der Qualitäten der "europäischen Stadt", die in ihrer Leichtigkeit und ansprechenden optischen Präsentation dazu motivieren kann, diese Stärken zu verteidigen, die sich aber wenig mit den praktischen Herausforderungen im Bestand und der Umsetzung beschäftigt, sondern sie einfach ausblendet.