Der zweite Teil der Chronik der Unsterblichen. Während das erste Buch "Am Abgrund" noch soweit ganz gut war (weder wirklich gut noch schlecht aber mit Potential, dass die nächsten Teile spannend werden), werde ich mit diesem Teil nicht warm.
Hätte ich das Buch zu seinem Erscheinen im Jahre 2000 gelesen, dann hätte ich es sicher sehr geliebt. Als Kind und Jugendlicher habe ich alles verschlungen, was den Namen Fantasy trug und dann die Abwandlung des klassischen Vampir-Mythos wahrscheinlich ziemlich clever gefunden.
In der heutigen Zeit wirkt das Buch für mich aber leider an ein paar Stellen schlecht gealtert. Allein schon die Tatsache, dass der angeblich so böse Sklavenhändler Abu Dun die einzig sympathische Figur im ganzen Buch darstellt, sagt uns, dass wir ein Problem haben. - Ach ne, Andrej hat da ja an der einen Stelle mal ganz schlimme Gewissensbisse, dass Abu Dun ihm sympathisch wird - was dann auch das letzte Mal ist, dass das Thema in diesem Buch angeschnitten wird.
Ein weiteres Problem, dass meiner Meinung nach generell eine Krankheit vieler Fantasy- und historischer Romane ist: Die Charaktere sprechen und handeln wie heutige Menschen, haben in Bezug auf ihr eigenes Leben moderne Vorstellungen, gleichzeitig werden andere Völker aber als Heiden und Barbaren bezeichnet, "jeder weiß wie grausam die Muselmanen sind", etc. - das soll wahrscheinlich für Authentizität sorgen, wirkt aber etwas befremdlich.
Naja wenigstens wurde nicht auch noch die "Weib schweig still"-Keule ausgepackt - obwohl Maria (die einzige Frauenrolle in dieser Geschichte) nicht wirklich viel zu tun hat außer von Andrej ganz toll gefunden zu werden und ein paar Mal ganz erschrocken zu sein, dass ihr Bruder Domenicus so böse Dinge getan hat. Ach und vom Bösen entführt wird Sie auch noch (In einer späteren Szene wird angedeutet, dass sie belästigt oder sogar vergewaltigt wurde. Andrej findet Sie fast nackt und weinend im Bett des Bösen. Es ist vage genug gehalten, dass Jüngere nicht verstehen werden worum es geht aber trotzdem schwer anders zu deuten. Für mehr als ein "jetzt will ich ihn erst recht töten" von Andrej scheint die Szene aber auch nicht da zu sein - es kann natürlich sein, dass in weiteren Büchern näher darauf eingegangen wird.)
Ich will dieses Buch nicht komplett schlecht reden, wer Fantasy liebt wird in ihm bestimmt seine Unterhaltung finden. Einige Aspekte der Geschichte, wie die Unsterblichkeit, die Seelenverschmelzung, etc. haben durchaus Potential, müssten meiner Meinung nach in weiteren Büchern aber ausgebaut werden.
Fazit: Würde der Reihe irgendwann vielleicht noch mit dem 3. Buch eine Chance geben. Fürs Erste ist sie aber nicht fesselnd genug, dass ich weiterlesen möchte.