Nun ja, Provokationen sind in der Literatur nicht neu, von daher hat Charlotte Roche damit keine neuen Wege beschritten. Warum um dieses Buch nun so ein Spektakel gemacht wurde, kann ich in keiner Weise nachvollziehen.
Gottseidank habe ich dieses Buch zum Lesen geliehen bekommen – ich hätte mich geärgert, für so einen Schmarren knapp 15 Euronen hingeblättert zu haben.
Wir leben, denke ich, in einer aufgeklärten Zeit, bei dem das Thema Sex einem von Werbeplakaten, aus Magazinen und Fernsehspots entgegen protzt, so dass es zu den Normalitäten des Lebens zählt. Sex sells… Brauchen wir wirklich noch Aufklärung, was Themen wie Analsex, außergewöhnliche Sexpraktiken oder Intimrasur und -hygiene betrifft?
Die Protagonistin des Buches, Helen Memel – gerade 18 Jahre jung und an Sexerfahrungen reicher als manch 70-Jährige, liegt wegen einer missglückten Arschrasur mit einer Analfissur an ihrem mit Hämorrhoiden geplagten Hintern im Krankenhaus und beginnt nun den geneigten Leser mit ausschweifenden Ekelkuriosa zu attackieren, die Ihresgleichen suchen. Sie hasst Frauen, die ihren natürlichen Körpergeruch mit Edelparfüms übertünchen, benutzt selbst nur ihr Smegma, um sich ‘männergeilmachenden’ Wohlgeruch hinter die Ohren zu zaubern. Intimhygiene ist ein Fremdwort. Es sollte reichen, wenn „frau“ sich unten alle paar Tage mal säubert, um den Geruch, der Männer den Verstand rauben soll, nicht wegzuwaschen.
Ich las auf literaturcafe.de zu diesem Roman: (Zitat): ‘Charlotte Roche schreibt witzig und schlau wider alle Tabus, gegen die Konventionen des perfekten Frauenkörpers der Hochglanzmagazine. Und darum ist »Feuchtgebiete«ein Buch, für das man auf dem sauberen Buchmarkt dankbar sein kann.’
Den perfekten Frauenkörper der Hochglanzmagazine und dessen herbeiersehnten Niedergang macht Charlotte Roche dann in ihrem Buch auch zum Thema und wie Frau wieder zu sich selbst finden soll… eben wieder ganz Frau ist. Nun denn, liebe Damenwelt, sei dankbar für ein Buch, dass euch endlich mal ‘witzig und schlau’ klar macht,
dass ihr…….
… das Rasieren lästiger Körperbehaarung wieder denen überlasst, für die es ursprünglich erfunden wurde… den Männern. Heute ist ‘frau’ wieder up to date, wenn sie unter den Achseln, an den Beinen und im Intimbereich einem Gorilla ähnelt und man(n) sich durch dschungelartigen Bewuchs kreatiner Hornfäden kämpfen muss, um an das Ziel seiner Träume zu gelangen. Hat ja was Animalisches… und was ist schöner als animalischer Sex… wenn man(n) das Gefühl bekommt, mit einem Neandertalerweibchen zu poppen. Haben die sich doch schon immer gewünscht. Back to Basic…
… Boss woman, Chanel oder Kenzo mal schnell vergesst. Einmal Finger in die mindestens fünf Tage ungewaschene Muschi tauchen und ab hinters Ohr mit dem Smegma… soll Wunder bewirken und kostet nix. Zum Vergleich: Boss woman = 53,95 €
… OBs nicht braucht. Klopapier zur Nudel gerollt und reingestopft ist billiger und gleichzeitig könnt ihr somit der amerikanischen Wirtschaft ein Schnippchen schlagen. Wie – erklärt euch das Buch.
… natürlich nicht vergesst, die selbstgebauten Klopapierbomben nach Gebrauch da zu entsorgen, wo es nötig ist, die Menschen aufmerksam zu machen, dass übertriebene Hygiene krank macht und nur der Kontakt mit Keimen und Bakterien abhärtet. Also raus mit dem voll gesogenem Teil und ab damit aufs Treppengelände oder sonstwohin… euch wird schon was einfallen – seid kreativ.
… auf öffentlichen Toiletten bitte einmal mit der (natürlich tagelang ungewaschenen) Muschi über die gesamte Toilettenbrille wischt. Immer schön kreisen. Hat auch den Vorteil, dass diese Prozedur die Beckenbodenmuskulatur trainiert, mit der man, wenn es nach dem Buch ginge, Nüsse knacken sollte. Teilt eure Keime und Bakterien mit anderen, seid nicht so selbstsüchtig.
… zur Körperausscheidungsrecyclerin mutiert – Exkrementophilie oder Mukophagie sind angesagt. Eiterpickel,Popel, Smegma, Mitesser, Blutkrusten usw… bitte nicht entsorgen sondern oral recyceln. Soll auf Männer auch unglaublich erotisierend wirken, bei einem stilvollen Dinner einer Dame gegenüber zu sitzen, die anstatt des Entrées genussvoll ihre Nasenausscheidungen verschlingt… nach dem Motto: ‘Der Schluck aus der Nase ist die Auster des kleinen Mannes’ (A. Schopenhauer).
… angetrocknetes Sperma bitte nicht entfernt. Im verkrusteten Zustand eignet es sich hervorragend als „Sex-andenken-kaubonbon“ abends vor der Glotze.
… wenn ihr Hämorrhoiden habt, diese kunstvoll als Liebestester einsetzen könnt. Einfach von eurem Geliebten bereits nach der ersten oder zweiten Sexnacht verlangen, euch in Hündchenstellung von hinten oral zu befriedigen, so dass seine Nase bei diesem Akt direkt im Blumenkohl am Popo verschwindet. Vorzugsweise sollte es sich hierbei natürlich um außen liegende Hämorrhoiden handeln… das verstärkt den Effekt.
… nette Spielchen spielt, die verbünden: Man begebe sich mit der besten Freundin auf Toilette… zupfelt kunstvoll den (natürlich selbstgebauten) Tampon heraus und vollzieht mit der Freundin quasi eine Menstruationsblutsbrüderschaft. Sie nimmt deinen Tampon, du ihren. Hat auch den Vorteil, dass es nicht schmerzhaft ist gegenüber der alternativen Blutsbrüderschaft. Einziges Manko: Du musst menstruieren, wenn sie auch menstruiert. Aber das sollten beste Freundinnen schon hinbekommen.
USW…
Fazit: Dieses Buch trägt keine Botschaft und auch die Handlung kommt zu kurz. Ich bin mir sicher, dass dieses Buch keinen Verleger gefunden hätte, wäre die Autorin nicht die bekannte Charlotte Roche. Dass dieser Schmöker in den Medien fast als Ratgeber für Frauen angepriesen wurde, nicht dem Hochglanzimage zu folgen, sondern wieder ganz Frau zu sein und zu dem zu stehen, was man ist und tagaus tagein so produziert, finde ich schon beinahe peinlich. Hier wurde einfach nur versucht, mit wirklich dümmlichen Provokationen und Versuchen, beim Leser Würgereflexe durch Ekelprosa auszulösen, Geld zumachen. Und der Versuch ist geglückt. Werbung ist heutzutage bekanntlich alles. Derart Provokantes ist aber nicht neu, und von daher verstehe ich den Rummel um ein Buch nicht, das keinerlei Nachricht an mich rübergebracht hat, keine spannende Geschichte erzählt. Bereits ab 1782 schrieb ein Donatien Alphonse François, Marquis de Sade Bücher, die einem die Nackenhaare sträuben ließen…Frau Roche hat die Provokation und den prosaischen Ekel also nicht erfunden.