Die Geschichte von Yma und Len geht weiter! Nach ihrer Flucht ist Yma untergetaucht und lebt unter falscher Identität. Doch das Regime duldet keine Systemgegner. Sie werden sie jagen. Und was Yma droht, wenn ihre Häscher sie entdecken, ist schlimmer als der Tod.
Meinung: Ich bin so froh, dass die Autorin einen zweiten Band geschrieben hat, denn das Ende von Band 1 fand ich einfach viel zu offen und dementsprechend absolut unbefriedigend. Viele Leser haben sich eine finale Fortsetzung gewünscht und ich finde es großartig von der Autorin, dass sie diesen Wunsch erfüllt hat, obwohl der Verlag dies abgelehnt hat.
Der Schreibstil der Autorin ist wieder total angenehm und lässt sich sehr flüssig lesen. Es geht sofort packend und spannend weiter, schon auf den ersten Seiten hat mich Jana Voosen wieder vollends fesseln können.
Die dystopische Welt, die hier geschaffen wurde, finde ich weiterhin gleichermaßen faszinierend wie auch grausam. Eine Welt, in welcher der Stärkere gewinnt und die schwächsten zum Sterben einfach liegen gelassen wird. Es gibt kein Sozialsystem und vor allem keine medizinische Versorgung. Als Mensch mit einer unheilbaren Krankheit bist du Abschaum und wirst verachtet. In dieser Welt kannst du schon an einer leichten Infektion sterben, denn es gibt auch keine Medikamente. Von niemanden brauchst du auch nur ein wenig Hilfe erwarten, denn Helfen und Mitgefühl zeigen ist strengstens verboten. Schon im ersten Teil wird einen das Ausmaß dieser Grausamkeit schon deutlich gezeigt, doch auch der zweite macht uns dieses schnell klar und setzt stellenweise noch eine Schippe drauf. Es war beim Lesen hier und da wieder echt hart, denn dadurch das ich mehrere Krankheiten habe und auch auf ein Medikament angewiesen bin, weiß ich, dass ich in dieser Welt höchstwahrscheinlich schon tot wär.
Yma und Len haben Mitgefühl, sie können das Leid der unzähligen Menschen nicht einfach ignorieren. Obwohl die beiden eigentlich zur Elite gehören, macht der Drang, den Menschen zu helfen, sie zu Staatsfeinden.
Die Geschichte ist von Anfang bis zum Ende spannend und eine emotionale Achterbahnfahrt. Immer wieder gab es überraschende Wendungen und immer wieder hat es die Autorin geschafft, mich zu schockieren. Das Ende fand ich hier sehr gut gelungen und lässt mich als Leser zufrieden zurück. Von mir gibt es auf jeden Fall eine große Leseempfehlung. 💖
Ich finde es sehr schön, dass Jana Voosen Band 2 selbst veröffentlicht hat, um uns Lesern die Möglichkeit zu geben, mit der Geschichte abzuschließen. Denn Band 1 endete mit einem so bösen Cliffhanger, der mich als Ende der Geschichte nicht glücklich gemacht hätte. Obwohl ich Cliffhanger sehr liebe.
Nundenn, ich war sehr schnell wieder drin in der Story, weil das Setting recht einfach gehalten wird. Es gibt kein unnötiges Geschwafel zu Dingen, die nicht relevant sind. Ymas und Lens Zeit im Gefängnis fand ich sehr spannend und hätte diese Zeit gerne noch etwas ausführlicher miterlebt.
Die Zeit nach dem Gefängnis war für alle Beteiligten zunächst schwierig, weil Yma und Len nicht ganz sie selbst waren. Milde ausgedrückt. Auch das fand ich sehr spannend, weil ich mir nicht ausmalen konnte, wie die Autorin Yma und Len aus dieser Misere befreien könnte. Sie hat es geschafft! Sie fand das eine Schlupfloch hinaus aus der ausweglosen Situation. Chapeau!
Das Ende wurde mir leider ein wenig schnell abgehandelt. Insgesamt hätten 200 Seiten mehr der Geschichte vermutlich keinen Abbruch getan. Ich möchte nicht spoilern, deshalb an dieser Stelle nur: Das Ende ist rund und realitätsnah und man hätte sich vermutlich in Anbetracht der Umstände kein besseres Ende wünschen können. Und trotzdem ließ es mich ein wenig unzufrieden zurück. Ich hatte das Gefühl, dass zu viele offene Baustellen einfach liegen gelassen wurden.
Achtund, es folgen Spoiler: Yma und Len fliehen aus Vahvin. Yay! Gut für sie! Sie sind mutig, sie sind jung, sie setzen alles aufs Spiel und sie schaffen es. Das freut mich natürlich. Aber was ist mit den anderen Insassen des Gefängnisses? Was ist mit Ymas Dad und seiner Freundin Isi? Die beiden sind doch offensichtlich in der Lage, Mitleid zu empfinden. Hätte man die Geschichte nicht zumindest noch ein wenig ausdehnen können, um zu zeigen wie Yma und Len mit ihnen zusammenarbeiten, um das System zu stürzen? Spoiler Ende.
Ich denke, die offenen Fragen schreien geradezu nach einem Band 3! Vielleicht, irgendwann?