Wie zu erwarten war, hat José Manuel Prieto eigentlich gar kein ernsthaftes Interesse daran, die kubanische Revolution seinem Taxifahrer zu erklären. Eigentlich will er auf diesen 200 Seiten seine von kleinbürgerlicher Kleingeistigkeit nur so triefende Kotze möglichst gleichmäßig verschmieren.
Prieto stellt sich zu Beginn die Frage, warum es eigentlich immer ausgerechnet Taxifahrer – zumeist Menschen mit Migrationshintergrund aus der Dritten Welt – sind, die ihm gegenüber mit einem so romantisierten Kuba-Bild auffällig werden. Was er sich natürlich nicht fragt, ist, warum der schlechtbezahlteste der lebensgefährlichsten Jobs in den USA in erster Linie von Migranten ausgeführt wird.
Jedenfalls fühlt sich Prieto vom Optimismus über den kubanischen Revolutionsprozess seitens seiner geschundenen Taxifahrer, von der Begeisterung also über den Versuch der Errichtung eine Gesellschaft von Würde und Gleichheit, persönlich so beleidigt, dass er jetzt mal was klarstellen will. Er ist ja immerhin selbst Kubaner, es ist also logischerweise davon auszugehen, dass er als Betroffener jegliche Erkenntnis automatisch mitverbucht hat.
Diese Klarstellung nimmt aber keineswegs die Form einer historisch-politischen Analyse des hier behandelten Gegenstandes an, sondern mündet im Übernehmen und Multiplizieren des Pathos, welche die Taxifahrer ihm ungewollterweise entgegenschleudern, auf ein so unaushaltbares Niveau, dass der Autor hier im pseudointellektuellen Weltschmerz nur so ertrinkt. Als vernünftiger Mensch kann man beim Lesen von Prietos Abfall nur Hass und Verachtung entwickeln. José Manuel Prieto ist ein so abgehobenes Arschloch, es ist kaum zu ertragen.
Prieto betrachtet die kubanische Revolution als Ereignis psychischer Ursachen. Was Fidel und Che gemacht haben, entspringe also nicht deren objektiven, in klarem Spanisch geäußerten Interessen, wurzle nicht in materiellen Bedingungen der kubanischen Gesellschaft, sondern sei eigentlich nur die Konsequenz irgendwelcher mentaler Knackse ihrer Führungsfiguren.
Im ersten Viertel des Buches trauert er auf hässlichst-melancholische Weise der fiktiven Vorstellung nach, was das Resultat der kubanischen Anti-Prostitutionspolitik gewesen wäre, wäre sie denn erfolgreich gewesen – nämlich eine Insel ohne Prostituierte. Ja, ohne Mist: Die Scheißkommunisten wollen uns allen Ernstes die Huren (oder bei Prieto: „Freudenmädchen“) wegnehmen.
Im weiteren Verlauf unterstellt Prieto, dass US-amerikanische Agenten, die in Kuba gemordet, gebrandschatzt, vergewaltigt und marodiert haben, eigentlich gar keine Mörder, Brandschätzer, Vergewaltiger und Marodeure waren, sondern von den Führern der kubanischen Revolution auf gemeinste und unfreundlichste Weise in den Medien zu solchen verunglimpft worden seien.
Was Prieto der kubanischen Revolution aber am Ende wirklich übel nimmt: Sie hat die Arbeiter an die Macht gebracht. Über ein ganzes Kapitel lang kotzt sich Prieto über den Niedergang sozialer Etikette, das Ausbreiten lumpenproletarischer Vulgarität auf der ganzen Insel, das Verschwinden gutbürgerlicher Sitte und Ordnung aus. „So weit geht es, daß viel von dem, was man heute als echt »kubanisch« ansieht, nichts als plump, halbseiden und vulgär ist, eben die ordinärste Variante des Kubanischen nach dem Vorbild des Lumpenproletariats, das sich auf allen Ebenen durchgesetzt hat.“ Kurz zuvor heißt es von ihm: „In alle Schichten hat sie (die Vulgarität; Anmerkung von mir) sich ausgebreitet, vielleicht als eine Art Relikt aus der Zeit, in der dies Lumpenproletariat noch die Lanzenspitze war, der Sturmbock, der die Villen des Bürgertums niederriß.“
Prieto hat selbst in einer dieser Villen gewohnt - in einer die nach der Revolution aber stehen bleiben durfte und die ihre Bewohner behalten durften. Prieto hätte, wäre die kubanische Revolution nie passiert, stets abgeschirmt von den unteren Klassen leben können. Er hätte die ihm anscheinend so wichtige Möglichkeit behalten, sich Kubaner nennen zu können und sich dabei gleichzeitig von dem ihm so verhassten Gesocks der Unterschicht abheben zu können. Die Revolution aber hat Schluss gemacht mit dem Bürgertum. Prieto kann nach außen nicht mehr glaubhaft vermitteln, dass er mit diesen, ihm so verhassten Leuten, nichts zu tun hat, weil er selbst Kubaner ist. Die Kommunisten haben ihm die Fähigkeit zur sozialen Abhebung und Distinktion genommen. Und es wird an dieser Stelle im Buch deutlich: Das ist sein Hauptproblem.
Prieto hat einige Jahre Anfang der 1990er in Russland gelebt. Den konterrevolutionärem Umsturz dort und die damit einhergehende Massenverelendung und kollektive Zwangsprostituierung von Kindern gehen aber natürlich nicht auf das Konto der neuen Ordnung, nein, der Sozialismus muss sich von Prieto auch die Verbrechen vorwerfen lassen, die längst nach seiner Abschaffung so stattgefunden haben. Inklusive übrigens seines persönlichen Elends, in dass er sich Mitte der 1990er Jahre selbst wiedergefunden hat, nachdem er 1994 in Russland auf ein pyramidenförmiges Finanzprodukt hereingefallen ist und in Folge dessen nicht wenig Geld verloren hat.