Flucht in die virtuelle Welt Unzertrennlich sind sie, die Zwillingsschwestern Anne und Marie – bis ein Junge dazwischenfunkt und sie beide hintergeht. Anne bekämpft ihre Enttäuschung, indem sie sich stellvertretend für ihn an allen Männern rächen will. Dazu benutzt sie ausgerechnet Lirim, in den Marie sich gerade unsterblich verliebt hat. Marie flüchtet in ihrer Trauer in die Welt des Second Life, wo sie ein virtuelles Leben als Bartänzerin beginnt. Erst als jemand bei Facebook gefälschte Nacktfotos von Anne reinstellt, kehrt Marie in die reale Welt zurück …
Kurzbeschreibung: Unzertrennlich sind sie, die Zwillingsschwestern Anne und Marie - bis zwei Jungen in ihr Leben treten und damit eine Spirale der Täuschungen und Konflikte beginnt. Marie flüchtet in ihrem Liebeskummer in die Welt des Second Life, wo sie ein neues virtuelles Leben aufbaut und sich sicher glaubt vor weiteren Enttäuschungen. Erst als jemand bei Facebook gefälschte Nacktfotos von Anne einstellt, kehrt Marie in die reale Welt zurück...
Zur Autorin: Carolin Philipps wurde 1954 in Meppen geboren. Sie hat Geschichte und Anglistik in Hannover und Bonn studiert und hat zwei erwachsene Söhne. Im Zentrum ihrer Geschichten stehen aktuelle Themen und Menschen, die anders sind als die Norm.
Ein Werbeslogan. Mehr nicht. Maries Enttäuschung wächst. Aber sie tut so, als wäre sie begeistert. Etwas lustlos liest sie die nächsten Slogans, bis sie auf die Worte stößt: Ändere dein Aussehen! Ändere dich! Sei anders! Befreie dich! Das ist es, denkt Marie. (Seite 86)
Rezension: Anne und Marie sind 15-jährige Zwillingsschwestern und könnten charakterlich nicht unterschiedlicher sein. Anne ist aufgeschlossen, findet schnell neue Freunde und ist beliebt. Marie ist eher introvertiert, ruhig und nachdenklich. Als Anne von ihrem Freund Kai auf eine schreckliche Art und Weise vor allen Freunden vorgeführt wird, bricht für sie eine Welt zusammen und sie schwört Rache an allen Jungs: Sie will zukünftig nur noch mit ihnen spielen und sie dann wie eine heiße Kartoffel fallen lassen!
Ihr Opfer wird ausgerechnet Lirim, in den sich ihre Schwester Marie verliebt hat. Dieser will fortan nichts mehr mit Marie zu tun haben und Marie versteht die Welt nicht mehr. Sie flüchtet sich nun ihrerseits in das "Second Life", in ein virtuelles Leben im Internet, das sie über den Verlust und ihren Liebeskummer hinwegtrösten soll. Doch dann erscheinen bei "Facebook" gefälschte Nacktfotos von Anne und Marie, geschockt durch diesen Vorfall, kehrt dem "Second Life" den Rücken zu...
"Second Face" ist ein Jugendbuch, das durch sein aktuelles Thema besticht: Mobbing und generelles Verhalten im Internet. Der Roman vermag von Anfang an zu fesseln, vor allem zum Zeitpunkt, als Marie ins "Second Life" eingeführt wird und sich dort nach und nach eine zweite, virtuelle Identität aufbaut. Und gerade das macht die Spannung des Buches aus: Denn im "Second Life" kann man sich verlieren, es wird sehr real wie das richtige Leben geschildert und es macht gleichzeitig Angst, dass man darüber sein wirkliches Leben außer Acht lassen könnte.
Ich selbst habe mit "Second Life" keinerlei Erfahrungen, doch durch die Schilderungen in diesem Buch hört sich das Ganze schon recht bedenklich an. Vor allem für Jugendliche, die zwar unter 18 Jahren dort keinen Zugang haben dürfen, sich aber im vorliegenden Beispiel mit Leichtigkeit darüber hinwegsetzen, könnte dies leicht in einer Vermischung aus Realität und Fiktion enden.
Die eigentliche Botschaft des Romans ist klar ausgearbeitet: Das Internet bietet Gefahren, man sollte nicht zu sorglos mit den eigenen Daten umgehen und darauf achten, was man wo für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Carolin Philipps hat dies in "Second Face" anschaulich und nachvollziehbar für Jugendliche ab 14 Jahren, von denen ja heutzutage sehr viele bei sozialen Netzwerken angemeldet sind, geschildert.
Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist schlicht gehalten, passt aber perfekt zur Handlung. Auf dunklem Untergrund sieht man eine Computer-Maus, deren Kabel den Buchtitel "Second Face" und ein Gesicht formt.
Fazit: "Second Face" weist in einer für jugendliche Leser geeigneten Geschichte anschaulich und nachvollziehbar auf die Gefahren im Internet hin und was passieren kann, wenn man allzu sorglos damit umgeht.
Obwohl Anne und Marie eineiige Zwillinge sind und nur von Leuten unterschieden werden können, die sie länger kennen, sind die beiden Mädchen völlig unterschiedlich. Während Anne meistens durch ihr loses Mundwerk und übertriebenen Aktionen auffällt, verhält sich Marie eher verschlossen und lässt nur wenige Menschen an sich heran.
Ihr Leben in Hamburg ist chaotisch. Während Anne von Kai hintergangen wird, verzieht sich Marie mit Liebeskummer hinter ihrem Laptop. Auch ein Umzug auf die Insel Ummanz bringt keine Ruhe in ihr Leben. Während Anne noch flippiger wird und damit beginnt, die Männer um sich herum zu hintergehen, verliebt sich Marie in Lirim. Doch bevor es zur Beziehung kommt, werden die beiden durch Anne getrennt.
Für Marie bricht eine Welt zusammen und auch der Kontakt zu ihrer Schwester wird weniger. Erst durch ihren Mitschüler Tom blüht sie wieder auf und entdeckt im Internet das Rollenspiel „Second Life“, bei dem sich Marie eine völlig neue Identität ausdenkt und immer mehr Zeit am Laptop verbringt. Immer mehr verliert das Mädchen vor lauter Sehnsucht und Liebeskummer den Bezug zur Realität, doch als Anne sie braucht, ist sie für sie da…
Carolin Philipps neuester Roman „Second Face“ hat mich sehr gut unterhalten. Obwohl ich zunächst dachte, dass sich in dieser Geschichte (fast) alles ums Internet dreht, wurde ich positiv überrascht. Denn diese Geschichte umfasst deutlich mehr als nur das Thema Internet. Hier kommen Pferdeliebhaber und Fans von Jugendbüchern voll auf ihre Kosten. Aber auch Themen wie Betrug, erste Liebe und das einsame Leben auf einer Insel kommen nicht zu kurz.
Der Schreibstil ist recht einfach und dadurch liest sich die Geschichte sehr flüssig. Mit seinen knapp 140 Seiten ist „Second Face“ recht kurz gehalten. Ich hätte sehr gerne noch mehr über die Zwillinge und ihr Leben erfahren. Eine Fortsetzung oder eine Weiterführung dieser Themen würden mir sehr gefallen.
Die Charaktere sind der Autorin besonders gelungen. Die Zwillinge können unterschiedlicher nicht sein. Anne ist laut, launisch und will stets im Mittelpunkt stehen. Viele Leute lieben sie, aber mindestens genauso viele hassen sie. Marie ist dagegen sehr ruhig und oft in sich gekehrt. Anstatt sich mit ihren Freunden zu treffen, chattet sie lieber mit diesen und ihre große Leidenschaft sind die Pferde.
Mir hat Marie deutlich besser gefallen als Anne. Sie wirkt sympathischer und ihre Gedanken und Gefühle sind nachvollziehbarer als die ihrer Schwester. Das liegt aber auch hauptsächlich daran, dass Marie hier die Rolle der Protagonistin einnimmt.
Aber auch Lirim oder Tom haben mir sehr gut gefallen. Während Lirim eher genauso ruhig wie Marie ist, ist Tom wiederrum das genaue Gegenteil. Obwohl er und Anne sich in bestimmten Teilen sehr ähnlich sind, können sie sich nicht leiden.
Die Insel Ummanz wird sehr liebevoll von der Autorin beschrieben. Die Sonnenuntergänge, Wiesen und Strände werden so klar und deutlich beschrieben, dass man sich sehr schnell alles bildlich vorstellen konnte.
Sehr gut gefallen hat mir auch, mit welcher Behutsamkeit die Autorin auf die Gefahr Internet, bzw. Soziale Netzwerke hinweist. Hier wird schnell klar, dass Internet zwar Spaß machen kann, aber auch mit Gefahren versehen ist. Besonders das Spiel „Second Life“ verleitet dazu, den Bezug zur Realität zu verlieren. Aber auch Netzwerke wie Facebook werden hier genannt und darauf hingewiesen, was alles hochgeladen und verbreitet werden kann.
„Second Face“ ist ein großartiges Jugendbuch, dass nicht nur eine wunderbare Geschichte erzählt, sondern auch auf die Gefahren des Internets aufmerksam macht. Aber auch Pferdefreunde werden mit dieser Geschichte ihren Spaß haben.