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Bevor Ich Schlafen Kann
osefine Bartok, genannt Josi, ist Psychiaterin in Wien mit einem nüchternen Blick auf die menschliche Seele. Sie hat eine Krebsoperation hinter sich, und ihr Mann Tomas bekennt sich nach zwanzig Jahren Ehe zu seiner Homosexualität. Das Unglück muss man ernst nehmen, findet Josi, so ernst wie Don Quijote die Windmühlen. Tatsächlich hat Josi mit diesem Helden viel gemeinsam. Sie erfindet sich nach der Trennung neu, beschließt, nur mehr Anzüge zu tragen, verliebt sich in Griechenland in Max und schließt Freundschaft mit Paula, einem zwölfjährigen Mädchen. Ein Roman über eine ungewöhnliche Frau, die nach und nach beginnt, neue Formen des Glücks für sich zu entdecken.
222 pages, Hardcover
First published January 1, 2010
About the author
Monika Helfer
42 books95 followersMonika Helfer (1947), vormals Monika Helfer-Friedrich, ist eine österreichische Schriftstellerin.
Thema ihrer Bücher sind oft schwierige Familienbeziehungen, wobei sie einen besonderen Fokus auf die Kinderperspektive legt. „Die Figuren in Monika Helfers Büchern haben Mut, Überlebenswillen und den gesunden Trotz eines Kindes, nämlich den Trotz, sich von gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Kategorisierungen nicht beirren zu lassen“, so Dorothea Zanon in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
Thema ihrer Bücher sind oft schwierige Familienbeziehungen, wobei sie einen besonderen Fokus auf die Kinderperspektive legt. „Die Figuren in Monika Helfers Büchern haben Mut, Überlebenswillen und den gesunden Trotz eines Kindes, nämlich den Trotz, sich von gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Kategorisierungen nicht beirren zu lassen“, so Dorothea Zanon in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
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August 6, 202614 Stellen aus dem Buch:
„Unter Edgars Ohr zum Nacken hin funkelte in der Sonne ein feiner goldener Flaum. Wär sie Tomas, sie würde ihn in der Umarmung mit ihren Zähnen abgrasen.“ (Helfer 2026 [2010]: 44)
„Es konnte nicht sein, dass der Papa tot war. Josi war sein Lieblingsbuch gewesen. In ihren Augen hatte er gelesen. Und die Mama war glücklich darüber gewesen. Sie hatte die Hände vom Papa an ihre Wangen gelegt und gesagt: »Josibuch.«“ (Helfer 2026 [2010]: 49)
„Josi dachte sehr lange nach. »Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen«, sagte sie schließlich.
Nämlich eine, die sie in einem italienischen Novellenbuch gelesen hatte. Es war einmal eine alte Frau, die wollte noch einmal einen Liebhaber in ihr Bett ziehen, und sie schnürte sich die überschüssige Haut mit Hilfe ihrer ebenfalls schon alten Tochter auf den Rücken. Wenn ich unter ihm liege, wird er es nicht merken. Der Liebhaber freute sich über die feinen Gerüche und über die glatte Haut der Frau. »Und dann hatte er einen mächtigen Orgasmus und riss sie an sich, und da löste sich der Knoten, mit dem sie die Haut am Rücken zusammengebunden hatte, und die ganze Frau floss in seinen Händen auseinander.«“ (Helfer 2026 [2010]: 63)
„»Ich heiße Paula«, sagte das Mädchen. »Mein Vater ist der Köhlmeier. Wir sitzen ganz hinten in der Ecke. Meine Mutter will das. Sie will nicht unter die Leute. Mein Bruder heißt Lorenz. Er sieht so ähnlich aus wie ich, nur kleiner.“ (Helfer 2026 [2010]: 98)
„Das Mädchen gefiel ihr so gut, ihre blonden Locken, das einfache, weiche Kleid mit den Schleifen, das ihr bis zu den Waden reichte, die zarten Ärmchen mit dem Flaum.“ (Helfer 2026 [2010]: 108)
„Paulas Bruder kam über den Hang herauf. Es fange in zwei Minuten an, meldete er. Sein Gesicht war fein wie das Gesicht eines Mädchens. Seine Stimme aber, obwohl noch nicht gebrochen, hörte sich rau an, auf eine erstaunliche Weise illusionslos.“ (Helfer 2026 [2010]: 110)
„Sie stemmte die Fäuste über die Taschenaufschläge von Dr. Albert Schweizer und funkelte in die Runde, und allen Gästen war im Augenblick klar, dass sie nicht mehr die seltsame Dame, die wie ein seltsamer Herr aussah, vor sich hatten, sondern einen Menschen, der mit wenigen Sätzen etwas kaputtmachen konnte und nur darauf wartete, es auch zu tun.“ (Helfer 2026 [2010]: 115)
„Auch diesen Tag verbrachte Josi allein. Sie spazierte zur anderen Seite des Hafens und dann weiter an der Küste entlang. Dort waren keine Badestrände. Uber den Felsen führte ein Pfad durch vertrocknetes Gras. Sie hatte die hoteleigene Wolldecke, eine große Flasche Wasser und Connie Palmens Geschichte einer amour fou bei sich — und eine Sehnsucht in der Brust, aus der sich mit Blick aufs Meer vielleicht eine ähnliche Geschichte fantasieren ließ. Mehr war für diesen Tag nicht nötig. Ein bisschen Schlaf.“ (Helfer 2026 [2010]: 130)
„Auf einer der Stiegen, die zum Wasser führten, sah sie Paula sitzen. Eine Zeitlang beobachtete sie das Mädchen.
Sie spürte, wie es ihr in der Brust warm wurde. Und wie recht wäre es ihr gewesen, wenn sie ihren Instinkten hätte folgen können, unwissend, vertrauensvoll, und wenn nicht jeder Gedanke erst durch das Spiegelkabinett der Reflexion hindurch müsste wie der Katholik durchs Fegefeuer — aber so war sie eben, so eine war sie eben, so bin ich eben, so bin ich. Paulas Haltung — aufrecht, die Beine eng beieinander, die Hände zu Fäusten geballt im Schoß — war ihr vertraut, der einzige Grund, warum ein kalter Knochen wie ich sich vom Anblick dieses Kindes rühren lässt, ist, dass es mich an mich selbst erinnert, dachte sie. Aber sie wusste, dass es nicht so war. Dass nämlich dieses Kind allein es ihr möglich machte, das Wort Liebe auszusprechen ohne Aber und Grinsen und ohne Bitterkeit.“ (Helfer 2026 [2010]: 131 f.)
„Paula sagte, sie und Josi sollten einen Freundschaftsbund schließen.
»Das mach ich gern«, sagte Josi. »Was muss ich tun?«
»Denk dir einen Satz aus, den man in der Mitte auseinander schneiden kann«, sagte Paula. »Wenn einer den ersten Teil sagt, muss der andere den zweiten Teil sagen, das heißt dann, dass die Freundschaft immer noch gilt.«
»Woher hast du das?«
»Meine Mama hat mir das erzählt, sie hat es mit ihrer Freundin so gemacht.«
»Und hält diese Freundschaft noch?«
Paula zuckte mit den Achseln.
Josi schrieb auf die Rückseite des Zettels: Des Waldes Dunkel zieht mich an, doch muss zu meinem Wort ich stehn und Meilen gehn, bevor ich schlafen kann, und Meilen gehen, bevor ich schlafen kann.“ (Helfer 2026 [2010]: 136)
„Das einzige, das man nicht lernen kann, ist Erinnerung. Mit diesem Gedanken erwachte sie, und der Gedanke beflügelte sie, nämlich weil ihr gleich ein Gegenargument einfiel: die Literatur.“ (Helfer 2026 [2010]: 141)
„»Ich würde gern Schriftstellerin werden wie meine Mutter und mein Vater«, sagte Paula. »Ich würde Kurzgeschichten schreiben.«“ (Helfer 2026 [2010]: 159)
„Er ist der unglücklichste Mensch, den ich kenne, Mama. Karla sagt, du hast keine Ahnung von Papa. Ich glaube, sie hat Recht. Du hast keine Ahnung von ihm. Aber Edgar hat eine Ahnung von ihm. Vor dir war er wie ein Fremder. Ich meine, er war sich selber ein Fremder vor dir. Aber es gibt niemanden, der ihm näher ist als du.“ (Helfer 2026 [2010]: 170)
„Seine Art, sie zu überreden, ihr Nacht-T-Shirt auszuziehen und sich von ihm die Kreuze streicheln zu lassen. Er sah sich die Narben ganz genau an, leckte darüber, kühlte sie, indem er darauf blies, und sagte nicht ein Wort dazu. Als ob er längst alles wüsste. Als wäre ihr Krebs in seiner Zeit geschehen.“ (Helfer 2026 [2010]: 213)
„Unter Edgars Ohr zum Nacken hin funkelte in der Sonne ein feiner goldener Flaum. Wär sie Tomas, sie würde ihn in der Umarmung mit ihren Zähnen abgrasen.“ (Helfer 2026 [2010]: 44)
„Es konnte nicht sein, dass der Papa tot war. Josi war sein Lieblingsbuch gewesen. In ihren Augen hatte er gelesen. Und die Mama war glücklich darüber gewesen. Sie hatte die Hände vom Papa an ihre Wangen gelegt und gesagt: »Josibuch.«“ (Helfer 2026 [2010]: 49)
„Josi dachte sehr lange nach. »Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen«, sagte sie schließlich.
Nämlich eine, die sie in einem italienischen Novellenbuch gelesen hatte. Es war einmal eine alte Frau, die wollte noch einmal einen Liebhaber in ihr Bett ziehen, und sie schnürte sich die überschüssige Haut mit Hilfe ihrer ebenfalls schon alten Tochter auf den Rücken. Wenn ich unter ihm liege, wird er es nicht merken. Der Liebhaber freute sich über die feinen Gerüche und über die glatte Haut der Frau. »Und dann hatte er einen mächtigen Orgasmus und riss sie an sich, und da löste sich der Knoten, mit dem sie die Haut am Rücken zusammengebunden hatte, und die ganze Frau floss in seinen Händen auseinander.«“ (Helfer 2026 [2010]: 63)
„»Ich heiße Paula«, sagte das Mädchen. »Mein Vater ist der Köhlmeier. Wir sitzen ganz hinten in der Ecke. Meine Mutter will das. Sie will nicht unter die Leute. Mein Bruder heißt Lorenz. Er sieht so ähnlich aus wie ich, nur kleiner.“ (Helfer 2026 [2010]: 98)
„Das Mädchen gefiel ihr so gut, ihre blonden Locken, das einfache, weiche Kleid mit den Schleifen, das ihr bis zu den Waden reichte, die zarten Ärmchen mit dem Flaum.“ (Helfer 2026 [2010]: 108)
„Paulas Bruder kam über den Hang herauf. Es fange in zwei Minuten an, meldete er. Sein Gesicht war fein wie das Gesicht eines Mädchens. Seine Stimme aber, obwohl noch nicht gebrochen, hörte sich rau an, auf eine erstaunliche Weise illusionslos.“ (Helfer 2026 [2010]: 110)
„Sie stemmte die Fäuste über die Taschenaufschläge von Dr. Albert Schweizer und funkelte in die Runde, und allen Gästen war im Augenblick klar, dass sie nicht mehr die seltsame Dame, die wie ein seltsamer Herr aussah, vor sich hatten, sondern einen Menschen, der mit wenigen Sätzen etwas kaputtmachen konnte und nur darauf wartete, es auch zu tun.“ (Helfer 2026 [2010]: 115)
„Auch diesen Tag verbrachte Josi allein. Sie spazierte zur anderen Seite des Hafens und dann weiter an der Küste entlang. Dort waren keine Badestrände. Uber den Felsen führte ein Pfad durch vertrocknetes Gras. Sie hatte die hoteleigene Wolldecke, eine große Flasche Wasser und Connie Palmens Geschichte einer amour fou bei sich — und eine Sehnsucht in der Brust, aus der sich mit Blick aufs Meer vielleicht eine ähnliche Geschichte fantasieren ließ. Mehr war für diesen Tag nicht nötig. Ein bisschen Schlaf.“ (Helfer 2026 [2010]: 130)
„Auf einer der Stiegen, die zum Wasser führten, sah sie Paula sitzen. Eine Zeitlang beobachtete sie das Mädchen.
Sie spürte, wie es ihr in der Brust warm wurde. Und wie recht wäre es ihr gewesen, wenn sie ihren Instinkten hätte folgen können, unwissend, vertrauensvoll, und wenn nicht jeder Gedanke erst durch das Spiegelkabinett der Reflexion hindurch müsste wie der Katholik durchs Fegefeuer — aber so war sie eben, so eine war sie eben, so bin ich eben, so bin ich. Paulas Haltung — aufrecht, die Beine eng beieinander, die Hände zu Fäusten geballt im Schoß — war ihr vertraut, der einzige Grund, warum ein kalter Knochen wie ich sich vom Anblick dieses Kindes rühren lässt, ist, dass es mich an mich selbst erinnert, dachte sie. Aber sie wusste, dass es nicht so war. Dass nämlich dieses Kind allein es ihr möglich machte, das Wort Liebe auszusprechen ohne Aber und Grinsen und ohne Bitterkeit.“ (Helfer 2026 [2010]: 131 f.)
„Paula sagte, sie und Josi sollten einen Freundschaftsbund schließen.
»Das mach ich gern«, sagte Josi. »Was muss ich tun?«
»Denk dir einen Satz aus, den man in der Mitte auseinander schneiden kann«, sagte Paula. »Wenn einer den ersten Teil sagt, muss der andere den zweiten Teil sagen, das heißt dann, dass die Freundschaft immer noch gilt.«
»Woher hast du das?«
»Meine Mama hat mir das erzählt, sie hat es mit ihrer Freundin so gemacht.«
»Und hält diese Freundschaft noch?«
Paula zuckte mit den Achseln.
Josi schrieb auf die Rückseite des Zettels: Des Waldes Dunkel zieht mich an, doch muss zu meinem Wort ich stehn und Meilen gehn, bevor ich schlafen kann, und Meilen gehen, bevor ich schlafen kann.“ (Helfer 2026 [2010]: 136)
„Das einzige, das man nicht lernen kann, ist Erinnerung. Mit diesem Gedanken erwachte sie, und der Gedanke beflügelte sie, nämlich weil ihr gleich ein Gegenargument einfiel: die Literatur.“ (Helfer 2026 [2010]: 141)
„»Ich würde gern Schriftstellerin werden wie meine Mutter und mein Vater«, sagte Paula. »Ich würde Kurzgeschichten schreiben.«“ (Helfer 2026 [2010]: 159)
„Er ist der unglücklichste Mensch, den ich kenne, Mama. Karla sagt, du hast keine Ahnung von Papa. Ich glaube, sie hat Recht. Du hast keine Ahnung von ihm. Aber Edgar hat eine Ahnung von ihm. Vor dir war er wie ein Fremder. Ich meine, er war sich selber ein Fremder vor dir. Aber es gibt niemanden, der ihm näher ist als du.“ (Helfer 2026 [2010]: 170)
„Seine Art, sie zu überreden, ihr Nacht-T-Shirt auszuziehen und sich von ihm die Kreuze streicheln zu lassen. Er sah sich die Narben ganz genau an, leckte darüber, kühlte sie, indem er darauf blies, und sagte nicht ein Wort dazu. Als ob er längst alles wüsste. Als wäre ihr Krebs in seiner Zeit geschehen.“ (Helfer 2026 [2010]: 213)
March 30, 2025
Josi „crash out“ Bartok
February 18, 2020
Die Geschichte liest sich gut. Hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck bei mir.
August 4, 2011
Wirklich schade, das Buch hatte sich so vielversprechend angehört. Leider ist sowohl die Geschichte als auch die Protagonistin völlig unglaubwürdig. Auch die Hommage an Paula, die auf tragische Weise verunglückte Tochter der Autorin, gerät hier zum ermüdenden Versatzstück. Stlistisch bleibt die Autorin ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Da rate ich doch eher zu "Maramba", dem posthum veröffentlichten Band mit Kurzprosa von Paula Köhlmeier. Der ist nämlich wesentlich vielschichtiger als dieser Roman.
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