Lukas der Lokomotivführer.
Auf der Mini-Insel Lummerland, die nur aus einem König und drei Untertanen besteht, kommt ein Postpaket an, in dem ein kleines schwarzes Baby steckt. Frau Waas, die Besitzerin des örtlichen Ladens, adoptiert den kleinen Kerl und nennt ihn Jim Knopf. Nun ist die Insel wirklich sehr klein, und als Jim langsam größer wird, macht sich König Alfons der Viertelvorzwölfte Sorgen, dass der Platz nicht ausreichen könnte. Darum eröffnet er Lukas, dem Lokomotivführer, dass er seine geliebte Lokomotive Emma nicht wird behalten können. Verzweifelt beschließt Lukas, Lummerland zusammen mit Emma zu verlassen. Jim will das nicht zulassen und begleitet seinen besten Freund.
Lukas und Jim landen im Lande Mandala und erfahren, dass der Kaiser tieftraurig ist, weil seine kleine Tochter, Prinzessin Li Si, von der Wilden 13 gekidnappt und ins Drachenland an Frau Mahlzahn verkauft wurde. Sofort machen die beiden Abenteurer sich auf den Weg dorthin. Es gelingt ihnen, ihre Emma drachenartig zu verkleiden und so die Drachen zu täuschen - und sie finden in Frau Mahlzahns Drachenschule nicht nur Li Si, sondern auch noch eine ganze Bande anderer Kinder. Die tapfere Emma besiegt Frau Mahlzahn im Zweikampf, und gemeinsam mit allen Kindern muss sie Jim und Lukas ins Reich Mandala begleiten. Da Lukas und Jim den bösen Drachen nicht getötet, sondern nur überwunden haben, kann sie sich in einen goldenen Drachen der Weisheit verwandeln. Als dieser kann sie den beiden verraten, wie sie ihr Lummerland-Problem lösen: sie verrät ihnen die Position einer kleinen mobilen Insel, die an Lummerland angelegt werden kann - so ist genug Platz für alle, und Jim, Emma und Lukas können zurück nach Hause.
Die Wilde 13.
Jim Knopf und Lukas brechen wieder auf - diesmal, um der gefürchteten Räuberbande "Wilde 13" das Handwerk zu legen - was sich als gar nicht mal so leicht herausstellt. Allerdings hängt an dieser Mission auch das Wissen um Jims wahre Herkunft, und so sind die beiden ausreichend motiviert. Natürlich lassen die Räuber sich überwältigen, wenn auch nur mit Mühe, und es stellt sich heraus, dass Jim niemand anderes als der Prinz des verschollenen Königreiches Jamballa ist.
***
Jim und Lukas sind ganz tolle Kinderbuch-Helden! Nicht nur, dass sie kaum dem klassischen Bild des Helden entsprechen - ein rauchender, dreckiger Lokführer und ein kleiner schwarzer Junge -, ihre Abenteuer haben alle etwas leicht hintergründiges: so treffen sie beispielsweise einen Scheinriesen, der von Weitem angsteinflößend wirkt, aber umso normaler scheint, je näher er kommt. Man muss kein Genie sein, um das zu interpretieren. Auch dass die Auseinandersetzung mit dem Bösen, so man es überwindet und nicht selbst ein Teil davon wird, zu Weisheit führt, ist so fantastisch! Und all das in einer spannenden Abenteuerhandlung verpackt, bei der man nicht sofort misstrauisch wird, dass einem "etwas beigebracht werden soll".
Die Erzählweise halte ich für angemessen spannend für kindliche Ohren, mit Dialogen, bei denen auch Erwachsene nicht ständig die Augen verdrehen müssen. Einzig die Rolle von Li Si, Jims Freundin, ist nicht mehr zeitgemäß - so eine lahme Heldin kann man kleinen Mädchen eigentlich nicht zumuten.
Ein wenig seltsam: die Jesus-Analogie, die in die Geschichte eingebaut wurde. Der kleine Junge, der durch Liebe und Vergebung alle Menschen mit einander versöhnt und 12 treue Anhänger um sich schart... das war für meinen Geschmack zu auffällig, um es zu ignorieren, aber auch nicht genug ausgearbeitet, um eine interessante Neuinterpretation abzugeben.