Kunstmanns nun in aktualisierter Auflage vorliegende Einführung bietet einen umfassenden Überblick über sämtliche Arbeitsfelder einer zeitgemäßen Religionspädagogik.
Der Band behandelt die Grundfragen und traditionellen Themen des Faches, trägt aber auch neuesten Entwicklungen Rechnung, so der zunehmenden Hinwendung der Religionspädagogik zu Gegenwartsthemen wie der Individualisierung und Kulturbezogenheit von Religion, ferner zu ästhetischen Themen.
Eine als strukturierend für alle klassischen Orte christlich-religiöser Erziehung, Sozialisation und Bildung ausgewiesene Religionsdidaktik ist ebenso in das Konzept integriert wie die Gemeindepädagogik. Das Buch ist somit ein unentbehrlicher Begleiter für Studium, Lehre und Gemeindearbeit.
Das über 400-seitige Werk führt in die Thematik der Religionspädagogik ein. Ich habe es vollständig durchgearbeitet und bin dankbar für die vielen erkenntnisreichen Ein- und Überblicke. Sehr konsequent leitet er aufgrund seines Religionsverständnisses (Religion als das, was die Erfahrung betrifft, Religion als Gefühl) viele didaktische Prinzipien daraus ab. Religion soll vor allem über ästhetische (gemeint sind „wahrnehmbare“) Zugänge wie Erzählungen, Phantasie, Symbole, Liturgie, Kirchenräume, usw. erschlossen werden. Fand ich richtig gut!! Gerade als Korrektur zu meinem sehr verkopften Studium. Das Buch hat mir viele neue Perspektiven erschlossen.
Mir hat aber einiges gefehlt:
Wo bleiben Ausführungen zur Inklusion? Obwohl die Thematik in den Kulturwissenschaften breit diskutiert wird, fehlt es vollständig.
Wo bleibt die Ausgewogenheit in Bezug auf sein Religionsverständnis? Auch wenn Kunstmann immer wieder betont, dass man nicht zu einseitig Religion in der Erfahrungswelt und damit beim Subjekt verorten darf, plädiert er an anderen Stellen mit einer starken Rhetorik dafür. Für ihn ist nichts mehr normativ an Religion. Honestly: ist mir bisschen zu krass. Auch wenn ich seinen Gedanken sehr viel abgewinnen kann.
Wo bleiben die Perspektiven aus dem internationalen Raum? Ein Blick ins Literaturverzeichnis zeigt: Es sind gerade mal 4 Werke aus dem englischsprachigen Raum aufgenommen worden, die sich teilweise nicht explizit auf religiöse Aspekte konzentrieren, sondern psychologischer Natur sind (z.B. Erik Erikson).
Warum bekommt der migrantische Kontext so wenig Aufmerksamkeit? Gegenwärtig wird in der Praktischen Theologie immer noch davon ausgegangen, dass die Gesellschaft säkular, individuell und plural denkt. Die ersten beiden Dinge würde ich mittlerweile stärker hinterfragen (auch wenn davon immer noch viel zu sehen ist). Die Migrationswellen ab den 90er Jahren zeigen heute: mehr als 1/4 der Menschen in De hat einen Migrationshintergrund und ist - so meine zugegeben subjektive Beobachtung- häufig religiös. Von Individualisierung und Säkularisierung ist dort vermutlich wenig zu finden.