Tiefblaues Meer, weiß gekalkte Häuschen, der einsame Esel im Olivenhain und der zerfallene Tempel in Athen – jeder kennt Griechenland. Oder glaubt es zu kennen. Martin Pristl zeigt es Ihnen, wie Sie es noch nicht kennen. Und er erzählt Ihnen, wie es in dem geschichtsträchtigen Land zwischen Orient und Okzident, zwischen Mythen, Göttern und Moderne wirklich aussieht.
Ein stark überzeichnetes, klischeehaftes und eindimensionales Bild der griechischen Mentalität und Gesellschaft. Wer hier Tiefgang erwartet, wird enttäuscht werden. Nichtsdestotrotz sind die Einzelbeiträge bisweilen launig geschrieben, hier und da ganz witzig. Kurios ist der bisweilen herablassende Ton des Autors, der die Griechen grosso modo als tumbes Völkchen mit Nostalgiekomplex zu sehen scheint. Besonders deutlich tritt der schulmeisterhafte Ton dann hervor, wenn es politisch wird. Bei heiklen Themen, der zypriotischen Frage und den Beziehungen zum Osmanischen Reich/der Türkei beispielsweise, die man durchaus kontrovers sehen kann, schlägt sich der Autor ... auf die Seite der anderen. Wahrscheinlich ganz okay als Strandlektüre, aber auch dann nur bedingt. Jedenfalls darf man nicht alles, was der Autor beschreibt, für bare Münze nehmen.
Aus aktuellem Anlass ist es grad sehr gebeten, dieses Buch zu lesen, denn es wurde kurz nach dem Erreichen der Euro-Konvergenzkriterien geschrieben und vom Autor dahingehend kommentiert, dass entweder mit den Konvergenzkriterien etwas nicht stimmt oder mit den Griechen. Ex-post betrachtet wissen wir ja nun die Wahrheit.
Ein gutes Buch, das dem Touristen augenzwinkernd die wahre griechische Mentalität abseits und auch gemäß der Klischees offenbart. Insofern ist es sehr gut gelungen, den manche Geschichten sind so schonungslos authentisch und gerade für in der deutschen Kultur aufgewachsene Leser so überraschend abstrus, dass einem die Spucke wegbleibt.
Was ich ein bisschen vermisse ist erstens mal die Tiefe der Analyse und zweitens mal das Fehlen von bissigem Humor und Satire - lustig ist das Buch schon aber eben zu zahm. Der deutsche Autor geht meiner Meinung nach gewollt viel zu respektvoll mit der griechischen Mentalität um, was ein humoristischer Grieche(in) mit Hang zur Selbstkritik (jaja die gibt es wirklich - sind keine Einhörner)oder ein motzender Österreicher mit Griechenlandaffinität nicht machen würde.