Meine Meinung:
Band 12 der Black Dagger Reihe von J.R. Ward trägt den Titel "Vampirträume" und lässt nicht nur den Leser träumen, sondern auch die Vampirrasse von einer neuen Welt träumen. Es ist Teil zwei von Phury's und Cormia's komplizierter Geschichte, doch dieses Buch enthüllt einige Überraschungen mehr, auf die man im Vorgängerband leicht gestupst wurde... Und wenn ich sage leicht dann meine ich eigentlich gar nicht. Nur das der Leser auf etwas großes und unerwartetes vorbereitet wurde. Alles war bisher sehr geheimnisvoll und wer auf die größte Überraschung der Black Dagger Geschichte wartet, der muss bis zum Ende dieses Buches durchhalten.
Phury und Cormia stehen für Tradition. Er als Bruder der Black Dagger soll seinem Volk neue Kämpfer und Auserwählte bescherren um die Vampirrasse zu stärken. Und sie als Auserwählte und seine Erste Partnerin soll seine Kinder austragen, ebenso wie ihre neununddreißig Schwestern.
Was erst gegen Cormia's Willen war entwickelte sich in "Blutlinien" immer mehr zu ihrem ganz persönlichen Kampf. Denn sie begehrt den Primal, will ihn nicht mit ihren Schwestern teilen. Auch er begehrt sie, doch als es wirklich zu ihrem ersten Mal kommt, wird Cormia klar, dass sie ihre eigenen Wünsche für das Wohl ihres Volkes zurückstellen muss. Sie will als Schreiberin auf die Andere Seite zurück. So würde sie über all die Kinder schreiben, aber selber kein Teil mehr davon sein.
Auch Phury hat schwer mit sich zu kämpfen. Nach seinem Rausschmiss aus der Bruderschaft, seiner Verfehlungen und der ganzen Lügerei kann er seinen Platz in der Welt kaum finden. Zwei Dinge sind jedoch klar: Zum einen muss er von den Drogen runter, damit sie seinen Verstand nicht länger vergiften können. Und zum anderen will er nie wieder jemanden enttäuschen. Als er einen Ausweg sieht, steht er kurz davor die komplette Vampirwelt auf den Kopf zu stellen...
Phurys Charakter hat eine sehr starke Wandlung im Verlauf der Bücher durchlebt. Zuerst war er derjenige, auf den sich alle verlassen konnten, der seinem Bruder Schmerz zufügte, weil dieser ihn dringend brauchte und nicht zu vergessen sein eigenes Opfer Vishous' Platz als Primal einzunehmen.
Seinen Schmerz versuchte er in Drogen zu ersticken, wollte die Frau seines Zwillings nicht begehren und die Erinnerungen an seine Eltern - was Z's Entführung damals mit seiner Familie machte - trugen auch nicht gerade zu einer Verbesserung bei. Im Umgang mit seinem "Job" als Primal wusste man bei ihm nie, was als nächstes kommt. Als er Cormia als seine Erste Partnerin entlässt und eine neue wählt, kommt der Stein endlich ins Rollen und diese ganzen Missverständnisse und Zweifel wurden endlich von Verantwortung abgelöst.
In diesem Buch musste man lange warten, bis sich endlich etwas tut. Die Geschehnisse standen alle stark auf der Kippe. Die Hintergrundgeschichte rund um John, Blay und Qhuinn, dem Krieg gegen die Lesser und Omegas Geheimwaffe kamen erst gegen Ende richtig in die Handlung mit rein und da wurde es wirklich spannend, weil die Charaktere irgendwie an ihrem eigenen Scheideweg standen.
Als der gefallene Engel Lassiter auftaucht und der Bruderschaft etwas zurückbringt, was sie glaubten nie wieder bei sich zu haben, war es eine komische Stimmung. Einerseits die lässigen Dialoge, wo sich Engel und Brüder gegenseitig aufziehen und dann wieder der Grund, wieso Lassiter die Brüder überhaupt aufgesucht hat. Das war eine riesengroße Überraschung, der etwas sehr trauriges anhaftete. Über diese Entwicklung wird Ward noch viel schreiben können und ich denke da schlummert noch so manches Geheimnis, das aufgedeckt werden will. Vorallem John erlebt einen kleinen Wandel, der ihn immer mehr zu einem Mann macht.. Ich kann es kaum erwarten mehr zu lesen!!
"Vampirträume" hat bewiesen, dass etwas im Umbruch ist. Sogar ganz gewaltig. Die Schachfiguren haben ihren Platz eingenommen und ganz besonders die Geschichte zwischen John und Lash hat enoremes Potenzial. In jedem Buch spürt man den Krieg und sieht, dank der vielen Perspektivenwechsel, beide Seiten ihre Vorbereitungen treffen, doch jetzt ist die Bedrohung richtig greifbar. Da wird noch einiges auf uns zukommen...