An gleich mehreren Stellen stehen im Morland-Clan die Zeichen auf Sturm. Die früher so leidenschaftliche und vertrauensvolle Beziehung zwischen Charlotte und Oliver ist merklich abgekühlt, seit sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr sein Bett teilen kann. Die anstehende Novellierung des Scheidungsrechts, die Frauen deutlich mehr Rechte einräumen würde als früher, führt dann endgültig zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen den beiden, weil Charlotte mit ihrem großen Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit natürlich für das neue Gesetz ist und Oliver das überhaupt nicht nachvollziehen kann.
Clan-Familienoberhaupt Benedict wird von der Vergangenheit eingeholt. Nicht von seiner eigenen, sondern von der seiner ersten Frau, die ihn nach Strich und Faden betrogen hat. Das bedeutet problematischen Familienzuwachs in Form des Sohnes, den sie mit ihrem Liebhaber nach der Trennung von Benedict hatte. Lennox hat mittlerweile beide Eltern verloren und steht mittel- und heimatlos da, und er ist ein überraschend sympathischer und cleverer Junge, so dass Benedict zum Entsetzen seiner jetzigen Gattin beschließt, ihm eine Chance zu geben.
Benedicts Tochter Mary hat kurz zuvor ihren Angebeteten geheiratet und ist ihm in die USA gefolgt. Doch schon bald muss sie sich eingestehen, dass der Mann, in den sie bis über beide Ohren verliebt war, kein sonderlich guter Ehemann ist und zu Hause in South Carolina in die althergebrachten Südstaatler-Ansichten verfällt, mit denen er groß geworden ist. Ehefrauen haben den Mund zu halten und dekorativ auszusehen, keine nennenswerte Bildung und schon gar keine eigene Meinung zu haben. Damit kann die gescheite und lernbegierige Mary nur sehr schlecht umgehen und ist überglücklich, als ihr Vater - auch um dem Familienknatsch zu entgehen, den Lennox' Ankunft ausgelöst hat - ihr einen Besuch in der neuen Heimat abstattet.
Der Zeitpunkt dafür ist allerdings ein unglücklicher. Es brodelt zwischen Norden und Süden und schließlich kommt es zum Äußersten, der Bürgerkrieg bricht aus. Zunächst werden die üblichen Parolen ausgegeben, dass es schnell gehen wird, aber der Konflikt ist zäh und langwierig und der Blutzoll entsetzlich. Das wird in einigen Szenen von den Schlachtfeldern mehr als deutlich - Glorifizierung des Krieges kann man der Autorin wahrlich nicht vorwerfen und sie bemüht sich um eine differenzierte Betrachtung der Geschehnisse.
Mir gefiel generell die Ausweitung des Schauplatzes auf die USA sehr, weil er neue Handlungsstränge eröffnet, neue Sichtweisen ins Spiel kommen und neues Personal die Bühne betritt. Natürlich spielt bei einer Südstaatenplantage auch das Thema Sklavenbesitz eine Rolle. Hier fand ich die Darstellung der Sklaven gelegentlich ein wenig platt (vermutlich merkt man da auch, dass das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat), aber auch hier gab es einige tolle Charaktere, ebenso unter Marys neuen Verwandten.
Die sonst oft recht dominante britische Politik tritt dem gegenüber eher in den Hintergrund und wird sicherlich in einem der nächsten Bände wieder einen größeren Auftritt haben. Dafür bietet der Bürgerkrieg mit seinen schrecklichen Nachwehen aber auch sehr viel Stoff für einen opulenten Roman (und einige herzzerreißende Szenen, ein Wohlfühl-Band ist es nicht). Nach wie vor eine meiner Lieblingsserien im historischen Bereich.