Puuuh, ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll.. es ist schon eine ganze Weile her, seit ich das Buch beendet habe, aber ich habe trotzdem mal wieder eine Menge zu sagen. »Kein Horizont zu weit« ist für mich das erste Buch von Alexandra Flint, das mich aufgrund des Settings sehr neugierig gemacht hat, aber was soll ich sagen? Es lässt mich in vielerlei Hinsicht wirklich enttäuscht zurück.
Vielleicht erstmal zum Positiven. Die Thematik rund ums Segeln und Lenis Beruf als Schiffsbauerin finde ich wirklich interessant und super individuell, denn beides habe ich noch nicht gelesen und zumindest damit sticht es aus der Masse heraus. Aber viel mehr hab ich eigentlich schon nicht, was mir positiv in Erinnerung geblieben ist..
Die Handlung ist für mich insgesamt recht dünn, viele Szenen wiederholen sich in ihrer Art und bringen die eigentliche Handlung auch nur bedingt weiter. Was mich echt tierisch genervt hat, ist, dass Raffael immer präsent ist, selbst wenn er gar nicht physisch im Kapitel vorkommt. Alles dreht sich nur um ihn, Leni wird auf jeder zweiten Seite in irgendeiner Form an ihn erinnert, ich konnte den Namen Raffael bzw Rafe irgendwann echt nicht mehr sehen.
So häufig, wie es sich um die beiden gedreht hat, könnte man ja zumindest meinen, dass dieses Buch eine super intensive Beziehung zwischen den beiden hervorbringt und ich wünschte wirklich, ich könnte sagen es wäre so, aber ehrlich gesagt, war es total blass? Bei mir sind keine Gefühle angekommen, weder durch die Rückblenden (die fand ich irgendwie total nichtssagend?) noch die gemeinsame Zeit, die die beiden zusammen verbracht haben.
Raffael war in der ersten Hälfte des Buches schon recht unerträglich, was ich per se nicht mal schlimm finde, aber sein plötzlicher Sinneswandel kam vollkommen aus dem Nichts und war überhaupt nicht nachvollziehbar.
Für Leni hätte ich mir ein wenig mehr Rückgrat gewünscht, denn sie lässt sich wirklich sehr leicht weichkochen und ihre innere Stimme, die ständig alles kommentieren muss, ging mir extrem auf die Nerven. Beide fand ich nicht wirklich gut ausgearbeitet und ich konnte zu keinem der beiden eine Bindung aufbauen.
Darüber hinaus fand ich dieses ewige Hin und Her irgendwann nur noch nervig. Getreu dem Motto einen Schritt vor und fünf zurück. Erst giften sie sich an, dann gibt es eine Szene wo sie sich wie zivile Menschen unterhalten können, nur damit einer (meistens Raffael) den anderen im nächsten Moment wieder von sich stößt. Dann kommt es zu der Stelle, wo sich die beiden darauf einigen nur Freunde zu sein, nur damit es trotzdem direkt wieder auf mehr hinausläuft? Es war nur anstrengend.
Getoppt wurde das ganze eigentlich nur noch durch das Drama die ca. letzten 60 Seiten. Einfach so typisch und unnötig, zu dem Zeitpunkt war ich eh nur noch froh als es zu Ende war. Hinterher wird natürlich alles ganz schnell wieder verziehen und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen.
Mir persönlich waren es auch zu viele Charaktere. Ich konnte sie kaum bis gar nicht auseinanderhalten und es kamen ständig neue Namen dazu. Wer soll sich das denn alles merken können, vor allem wenn manche nur ein oder zweimal vorkommen und für die Gesamthandlung komplett irrelevant sind?
Dem Schreibstil konnte ich auch nicht wirklich was abgewinnen. Für mich wurde viel zu viel kursiv geschrieben und es war teilweise wirklich wahllos? Aber das ist wohl Geschmacksache. Insgesamt wirkte es auf mich oft sehr aufgesetzt und gestellt, gerade was die Gespräche zwischen den unzähligen Charakteren anging.
Der Hauptgrund, warum ich die »Tales of Sylt«-Reihe lesen wollte, ist das Setting, denn Sylt hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Es ist meine Heimat, mein Lieblingsort, mein Safe Space. Ich hab schon den ein oder anderen Sylt-Roman gelesen, aber das hier war - alleine aufs Setting bezogen - mit Abstand der Schwächste.
Keine Ahnung, wo ich anfangen soll, vielleicht mit der Tatsache, dass bis auf die Ortsnamen so ziemlich alles fiktiv war?? Es spricht ja nichts dagegen, wenn es auch fiktive Schauplätze bei realen Orten gibt (z.B. die Flaschenpost), aber sich so ziemlich alles auszudenken, wo ist da der Sinn? Warum nimmt man nicht direkt eine fiktive Insel, wenn die echte nicht gut genug zu sein scheint? Natürlich kann es sein, dass sich das in den Folgebänden noch ändert, aber hier wird einfach ein komplett falsches Bild vermittelt.
Eine Sache, die mir persönlich too much war, sind die Namen sämtlicher Schauplätze: Café Flaschenpost, Hotel Meeresrauschen, Hotel Dünenschloss, Restaurant Ozeanperle, Bäckerei Seeglas, ein Segelboot namens Möwe und ein Hund namens Krabbe. Auch das ist sicher Geschmacksache, aber mir ist das in der Menge einfach zu kitschig und als ob Norddeutsche/Insulaner alles mit maritimen Begriffen benennen würden?
Was mich ehrlich gesagt wirklich aufgeregt hat, ist, dass am Ellenbogen eine Party mit lauter Musik, Alkohol und allem drum und dran stattfindet. Der gesamte Ellenbogen ist ein Naturschutzgebiet (hier wird es damit abgetan, dass irgendwer eine Genehmigung bekommen hat, was ich für sehr unrealistisch halte) und darüber hinaus gibt es seit einigen Jahren an den Stränden ein generelles Verbot für „lautstarkes feiern und musizieren“ und Alkohol darf auch nur in geringen Mengen konsumiert werden. Ich bin wirklich kein Moralapostel, aber es sind Dinge, die nun einmal existieren. Wahrscheinlich sollte es mich einfach nicht wundern, wenn sowieso so ziemlich alles fiktiv ist.
Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber wenn man das Gesamtbild betrachtet, reiht es sich nahtlos ein. Die Orte auf Sylt, werden hier als Städte bezeichnet, was faktisch einfach falsch ist. Auf Sylt gibt es Dörfer und Ortsteile der Gemeinde Sylt, aber keine Städte. Selbst Westerland ist nur der Hauptort der Insel. Das lässt sich sehr schnell recherchieren, es ist also bei Weitem kein Insiderwissen.
Was soll ich sagen? Auch unabhängig von meinen Kritikpunkten finde ich, dass kaum Nordsee- bzw. Inselfeeling aufgekommen ist. Es wurde mal über den Strand gelaufen oder das Dünengras beiläufig erwähnt, aber das war’s dann auch schon. Da ist definitiv noch sehr viel Luft nach oben.
Obwohl Jonah kein Aushängeschild für seine Geschichte bzw. den nächsten Teil war, werde ich der Reihe trotzdem noch eine Chance geben.