»Eine faszinierende Mischung aus Zeit- und Familiengeschichte.« Christine Westermann
Der eindringliche Blick auf eine Familie, die deutsche Geschichte Bonhoeffer-Dohnanyi
Als Dorothee Röhrig auf ein altes Foto ihrer Mutter stößt, setzt sich ein Gedankenkarussell in Was weiß sie eigentlich über diese Frau, deren Vater kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde und zu der sie zeitlebens ein ungewöhnlich enges und doch kontrolliert-distanziertes Verhältnis hatte? Und was hat diese Geschichte mit ihrer eigenen zu tun? Mit Empathie und Offenheit erzählt Dorothee Röhrig vom widersprüchlichen Verhältnis zu ihrer Mutter, der fremden Vertrauten, und von der Rolle der Frauen in einer Familie, die deutsche Geschichte Bonhoeffer-Dohnanyi. Eine einfühlsame Reflexion über die Beziehung zwischen den Generationen, über die Schwierigkeit, mit quälenden Erinnerungen zu leben, und über den Versuch eines späten Kennenlernens.
»Ihr gelingt ein gleichermaßen fesselndes wie psychologisch nuanciertes Familienporträt« Denis Scheck, ARD Druckfrisch
Dieses Buch hat mir mehrere schlaflose Nächte beschert.....und erhält dafür auch noch die volle Sternenzahl...🙈🤣....
Eine einzigartige, intensive und überaus persönliche literarische Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter und der dramatischen Familiengeschichte gelingt hier der Enkeltochter der durch die Nazis verfolgt und ermordeten Familie von Dohnany.
Das ambivalente Mutter/Tochter Verhältnis wird so eindrücklich geschildert, dass ich mich persönlich kaum entziehen konnte....denn auch meine eigene Mutter war eine schwierige, starke Persönlichkeit mit dramatischer Kriegsgeschichte...die Parallelen machten dieses Autobiographie für mich ebenso schwierig wie erhellend...
Ein starkes Stück deutscher Geschichte....und intensiver Betrachtung einer komplizierten Mutter/ Tochter Beziehung...!
Ein sehr lesenswertes Buch über eine Familiengeschichte und vor allem Mutter - Tochter Beziehung, die einzigartig ist und auch wieder nicht. Einzigartig ist die Geschichte außergewöhnlicher Familienmitglieder und die Folgen, die der Widerstandskampf auf die Familie hatte. Bekannt ist die Unfähigkeit der Kriegsgeneration Gefühle zu benennen und die Weitergabe der Traumata an die nächsten Generationen, die damit weiter zu kämpfen haben. Die Autorin setzt sich damit ausführlich auseinander und beschreibt die Beziehung zu ihrer Mutter sehr offen und ehrlich. Vieles ist in dieser Familie sicherlich speziell, manches Verhalten durchaus vertraut. Und wenn man Familiengeschichten mag - sehr empfehlenswert.
Vertraut und fremd zugleich Als Dorothee Röhrig auf ein altes Foto ihrer Mutter stößt, setzt sich ein Gedankenkarussell in Bewegung. Was weiß sie über diese Frau, die 18 war, als ihr Vater Hans von Dohnanyi hingerichtet wurde? Die nach dem Krieg versuchte, ihre traumatisierte Mutter Christine in das Familienleben einzubetten – so wie die Autorin später selbst für ihre von Verlusten gezeichnete Mutter da war. Mit großer emotionaler Ehrlichkeit erzählt Dorothee Röhrig vom widersprüchlichen Verhältnis zu ihrer Mutter und der Rolle der Frauen in einer außergewöhnlichen Familie. Ein Nachdenken über die Ambivalenz der Gefühle und darüber, was es heißt, Teil einer Familie zu sein, die jedem Einzelnen viel abverlangt. (Klappentext)
Die Autorin hat ein interessantes und schönes Zeitzeugnis geschaffen. Ihr Großvater Hans von Dohnanyi hatte im Widerstand gegen Hitler gekämpft und wurde kurz vor Ende des Krieges hingerichtet. In der Familie Dohnanyi/Bonhoeffer legt man Enttäuschungen zum Übrigen. Dorthin wo schon die vielen anderen Widrigkeiten des Lebens liegen.
Leg es zum Übrigen. Das sagte Großmama jedes Mal, wenn Erwartungen nicht erfüllt wurden und Enttäuschungen ertragen werden mussten. Leg es zum Übrigen – ein geflügeltes Wort, das meine Mutter übernimmt und immer wieder benutzt. S 68
Die Bürde und Last der Verantwortung wird selbstverständlich getragen. Gefühle zeigt man nicht, jeder Affekt wird kontrolliert. Man versteht sich als anders als die anderen und vor allem besser, als die einfachen Leute. Intelligenz zählt mehr als Herzenswärme. Die Autorin schreibt darüber, wie sich der rote Faden durch Generationen spinnt und Traumen an die nächsten weitergegeben werden. Die analytischen Einblicke in die Person, die ihre Mutter war, kommen mir von meiner eigenen Mutter und Schwiegermutter bekannt vor.
Während den Reibereien mit der Mutter, versucht die Autorin immer sie selbst zu bleiben.
Es bleibt ein Traum, dass ich meiner Mutter zu sagen wage, was ich denke. Lieber packe ich sie in Watte und spitze die Pfeile in meiner Fantasie. Das ist sicherer. Gefühle sind in der Familie deutlich abgegrenzte Sperrzonen, Schwächen erst recht. Man kann jederzeit auf eine Mine treten, wenn man meiner Mutter zu nah kommt. Ich weiß eben doch, wen ich vor mir habe. S.158
Im Verlauf der Geschichte findet eine Versöhnung von Tochter zur Mutter statt und am Ende ist es wirklich eine Liebeserklärung geworden.
Der Autorin liegt auch am Herzen, dass die Menschen, die gegen Hitler gekämpft haben, endlich nicht mehr als Volksverräter betrachtet werden, sondern ihre wohlverdiente Anerkennung bekommen.
Dieses Versagen der Nachkriegsjustiz ist ein dunkles Kapitel der deutschen Justizgeschichte und wird dies bleiben. S. 205
Fazit: Die ersten Buchseiten schienen mir allzu brav. Etwa ab Seite 90 hatte die Autorin meine volle Aufmerksamkeit. Gewöhnungsbedürftig fand ich, dass die Ich-Erzählerin im Präsens schreibt. Am Ende ist es ein hervorragend geschriebenes, berührendes Buch, das ich gerne gelesen habe.
Die Autorin: Dorothee Röhrig, 1952 in Tübingen geboren, ist Journalistin und Autorin. Sie war viele Jahre lang in gehobenen Positionen für verschiedene Frauen- und Publikumszeitschriften tätig. 2005 gehörte sie zum Gründungsteam der Zeitschrift -Emotion- und war lange Chefredakteurin. Dorothee Röhrig ist Mutter einer Tochter und lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Dorothee nimmt uns auf eine spannende Reise mit, die mehrere Generationen umfasst. Ausgelöst wird sie durch ein entdecktes Foto, welches sie mit ihrer Mutter zeigt. Das Familien-Schicksalsdrama lässt einen nicht kalt. Vielmehr vermag es, Gänsehaut zu bescheren. In einer bildlichen Sprache lässt sie uns an ihrem Familienleben teilhaben. Mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit. Das Familienporträt, das dadurch entsteht, könnte deutlicher nicht sein.
In den Erzählungen von Dorothee dürften sich viele gleiche Jahrgänge wieder finden. Sehr intensiv ist die Geschichte um Dorothee und ihre Mutter. Die nie gesagten Worte um die Nazizeit liegen schwer auf der Seele. Die nie ausgetauschten innigen Umarmungen hinterlassen einen bitteren Geschmack im Mund. Das alles ist nicht selten in der damaligen Zeit.
*Traurigkeit verschließt ja die Menschen, weil sie so viel mit sich zu tun haben.* (Seite 43)
Zu ihrem Vater hatte Dorothee stets einen innigen, wenn auch seltenen Kontakt. Der Geschäftsmann war ständig unterwegs. Nie vergisst sie das gemeinsame Klavierspielen und Theaterbesuche mit ihm. Ihre Mutter zeigte sich eher von der strengen und unnahbaren Seite. Beim Einen Einkaufen zeigt sie jedoch stets viel Freude. Ebenso beim Familienfeste organisieren. Kommentar von ihr fand ich wirklich hart. Um dessen Bedeutung möchte ich nichts verraten. Es würde Euren Lesegenuss mildern.
*Ein Kind ist keine richtige Familie.*
Wieder einmal werden wir mit den Ungerechtigkeiten aus dem 2. Weltkrieg konfrontiert. Wieder einmal ziehe ich meinen Hut vor den Menschen, die den Juden geholfen haben. In dieser Biografie sind die Helden Dorothees Großeltern mütterlicherseits.
Die Familienfeste haben mir besonders gut gefallen. Sämtliche Verwandte und Bekannte haben sie bereichert. Auch zu den Bediensteten hatte man einen guten Draht. Großmutters Spruch bei Ungereimtheiten ist fast schon legendär:
*Leg es zum Übrigen!*
*Du wirst noch an mich denken* hört Dorothee sehr oft von ihrer Mutter. Einer Mutter, die stets das Zepter in der Hand hielt. Die stets allgegenwärtig war. Dorothee Röhrig schaffte es dennoch, ihre eigene Identität zu finden und dennoch die Liebe zu ihrer zu bewahren.
Fazit:
Diese sehr intensive Erzählung zeigt, wie wir über Generationen hinweg mit unseren Familiengeschichten verbunden sind. Danke Dorothee Röhrig, dass sie uns daran teilhaben lassen. Einen Dank auch, an die grüne Kiste, mit ihren Briefen und Fotos.
Frau Röhrig expertly displays her writing talents through this moving collection of personal memoirs. Heart rending, impactful, and introspective, the story stands as a testament to the hidden qualities which are common to mankind: the need to be loved, accepted, and to have a place in this world. Here, the trials of life which are seen come under the intense scrutiny of the inner life and it might be observed how one struggles behind the curtain of one’s soul. Peppered with colorful anecdotes and resounding words from the past which still echo with meaning for today, “You will Still Thank on Me” is a beautiful quilt, in which each square of fabric has been carefully and lovingly selected. All in all, a recommendable book to be read in small parts, lest the reader be overcome by the deep pain of these generational scars. In the end, we put it »zum Übrigen«.
My great thanks to the authoress for her openness and willingness to share her life and thoughts.
Was ein Buch. Eine schwierige Mutter-Tochter Beziehung in einer Familie, die mit ihrem Erbe und ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hatte. Eindrücklich wird geschildert, wie schwierig es ist, die Familiengeschichte zu ehren, am Leben zu halten, und sich gleichzeitig davon zu befreien. Den eigenen Weg zu finden.
S. 252: "Ein Krieg ist nicht vorbei, wenn Frieden ist." "Wir sind Träger einer Geschlechterfolge, ihrer Gene und ihrer Traumata; gleichzeitig entscheiden wir selbst über unser Leben, unser Schicksal". Isabelle M. Mansuy in "Wir können unsere Gene steuern"
Ich bin ein bischen enttäuscht, denn ich vermutete mehr über die ermordeten Widerstandskämpfer, Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer, zu erfahren. Dagegen beschrieb die Autorin (Hans von Dohnanyi war ihr Großvater) über 233 Seiten fortlaufend die Schwierigkeiten mit ihrer Mutter (der Tochter von Hans von Dohnanyi und der Schwester von Dietrich Bonhoeffer). Ich frage mich, welche Schwierigkeiten die zahlreichen Kriegerwitwen hatten, die nach dem Krieg ihre Kinder alleine aufziehen mußten und nicht mehr geheiratet haben. Komisch finde ich die Äußerung in ihrem weiteren Buch "Magische Momente", dass ihr Toilettengang der Anlass war, sich in ihren 3. Mann zu verlieben. Wir haben auf unseren Reisen zahlreiche "Magische Momente" erlebt, die ganz gewiß nicht von derart banalen Momenten handelten.