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Das Ende ist nah

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Ein notwendiges Buch, vor dem man sich beim Lesen verneigen möchte

Während der Proteste im Iran 2009 ist der Student A. gezwungen, sein Land zu verlassen. Die Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend voll Gewalt nimmt er mit. Aus einem Künstler wird ein Flüchtling in Österreich, der offen verachtet wird und in Lagern und Heimen nicht nur Einsamkeit und Verzweiflung, sondern auch Hunger und Demütigung ertragen muss. In Wien trifft er auf Sarah, die sich Hals über Kopf in ihn verliebt. A., der sich nicht öffnen kann, ist für sie Studienobjekt und Halt zugleich, obwohl er selber Halt sucht. Eindringlich und mit großer literarischer Kraft erzählt Gudarzi vom Durchhaltewillen eines Menschen auf der Flucht. Ein bedeutender Roman über Fremdheit und Außenseitertum, über Mut, die Macht der Sprache, Liebe.

417 pages, Kindle Edition

Published August 17, 2023

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About the author

Amir Gudarzi

3 books2 followers

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Community Reviews

5 stars
40 (32%)
4 stars
52 (42%)
3 stars
27 (21%)
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3 (2%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 15 of 15 reviews
Profile Image for Babywave.
355 reviews128 followers
May 1, 2025
Ein absolutes Highlight.
Ich möchte eigentlich gar nicht so viel über diese Geschichte schreiben.
Jeder sollte sie lesen. Ein extrem intensives Buch.

A., ein iranischer Student, flieht während der Proteste 2009 aus seinem Heimatland. Er ist, wie viele Regimekritiker, hoher Lebensgefahr ausgesetzt.
Seine Flucht führt ihn nach Österreich und ab da lesen wir, wie es ihm dort ergeht. Vom Aufnahmelager bis hin zum Asylantrag und den Entscheid über seinen Verbleib in Europa.

Beim lesen empfand ich Trauer, Wut, Hass auf Behörden und privilegierte
Menschen, die sich ihrer Privilegien nicht bewusst sind. Menschen, die ihren Unmut mit Machtmissbrauch gegenüber marginalisierten Gruppen kompensieren.

Ich sollte noch ausdrücklich erwähnen, dass diese Geschichte nicht Gudarzis Geschichte ist.
Natürlich werden Erfahrungen eingeflossen sein.

Für mich hat er ein wahnsinnig gutes Buch geschrieben, dass der Mehrheitsgeselleschaft aber sowas von den Spiegel vorhält.

Ich ziehe trotz allem den Hut vor Leuten, die Asylsuchende unterstützen, sich ehrenamtlich engagieren und zwar aus Empathie und Menschlichkeit heraus.

Während des Lesens hatte ich die Idee, dass jede geflüchtete Person Paten bekommen müsste. Paten, die helfen, dass sie sich integrieren können, dass sie sich willkommen und gesehen fühlen. Dass beide Seiten voneinander lernen und sich austauschen können. Das Vorurteile abgebaut würden.
Aber wahrscheinlich wäre das zu utopisch. Dennoch sehr wünschenswert 🤍🤍🤍.
Profile Image for Foks.
112 reviews3 followers
September 18, 2025
Doch was passiert, wenn einem Menschen Zuversicht, Hoffnung, Familie, Heimat, Persönlichkeit & Sprache genommen wird. Was passiert eigentlich, wenn ein Menschen flüchten muss und nirgendwo ankommen darf. Was passiert eigentlich wenn dir jegliche Würde genommen & deine Existenz nicht angenommen wird.
Profile Image for mitkaffeeundkafka.
67 reviews106 followers
September 21, 2023
Mit »Das Ende ist nah« hat der in Teheran geborene Dramatiker und Autor Amir Gudarzi seinen ersten Roman veröffentlicht. Long story short: Uff. Ein absolut starkes und ergreifendes Debüt!

Der Protagonist A. muss als Regimekritiker und Aktivist 2009 aus dem Iran fliehen. Er lässt seine Familie zurück und verlässt mit Hilfe von Schleppern das Land. Das Ziel: Kanada. Doch A. strandet ungeplant in Österreich. Dort versucht er, Asyl zu beantragen. Die Tortur geht für ihn jedoch weiter, das Ankommen in diesem fremden Land ist kräftezehrend, physisch wie psychisch.

Zutiefst bewegend und schonungslos ehrlich lässt uns Gudarzi an A.s Lebensrealität und Erfahrungen im Iran und Österreich teilhaben: Gewalt, Angst, Flucht, Erstaufnahmelager, Demütigungen, bürokratische Hürden, Rassismus, Asylantrag, Lethargie, Hunger, Verzweiflung, Trauma, Sprachverlust, Einsamkeit.

Genau wie Gudarzis Protagonist A. ist auch er selbst 2009 aus dem Iran nach Wien gekommen. Der Roman hat mich daher auf einer ganz besonderen, tiefen Ebene berührt. Gurdarzi gibt den vielen anonymen Schicksalen eine Stimme und hat mit seinem Roman einen wichtigen literarischen Beitrag erschaffen. Auch sprachlich ist dieser Roman mit seinem rohen, nüchternen Stil eine Wucht.

Der Roman ist nur schwer zu ertragen. Er macht fassungslos und geht zugleich direkt ins Herz. Ein Roman, der nachhallt, der mich noch lange Zeit beschäftigen wird. Eine klare Leseempfehlung!


TW: Depression, Suizid, Gewalt, Tod

Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
September 21, 2023
Mocna, poruszająca rzecz, która ani chybi zburzy czytelnikowi pewne postrzeganie świata. Opowiada nam tu emigrant, uchodźca, tak, ten osławiony "młody mężczyzna z kraju na południu od Europy" (tutaj: z Iranu), uciekający przed terrorem i represjami. I przekonuje się, że tutaj, w tej ziemi obiecanej, jest albo niewidzialny, albo czymś tylko ciut lepszym od zwierzęcia, co można gnębić i upokarzać, a w najlepszym wypadku tolerować. Przeglądamy się w tej opowieści, my, tak zwani "Gutmenschen", i to, co zobaczymy, raczej nam się nie spodoba. Świetna powieść. Jedyne, co mnie nużyło i niepomiernie irytowało, to mętne wywody Sarah, będące pseudofilozoficzną analizą A. i ich relacji.
Profile Image for Sieke.
26 reviews1 follower
May 23, 2024
Das Buch hat mich sehr berührt. Es bietet intensive Einblicke in die Realität und Gedankenwelt von Geflüchteten. Die Beschreibung von physischer Gewalt und psychischen Belastungen waren z.T. krass zu lesen und konfrontieren einen als Leserin mit der Wirklichkeit, die viele Geflüchtete in Europa erleben. Ein intensives und sehr empfehlenswertes Buch.
Profile Image for Christiane Fischer.
514 reviews6 followers
September 11, 2023
DAS ENDE IST NAH
Amir Gudarzi

Im Mittelpunkt der Geschichte steht A., der 2009 aus dem Iran floh, um politisches Asyl in Kanada zu suchen. So weit kam er jedoch nicht: A. fand sich in Österreich wieder - von den Schleppern betrogen.
A. studierte in Teheran Szenisches Schreiben und hatte im zarten Alter von 19 Jahren die ersten Aufträge erhalten. Damals hatte er bereits eine Verwarnung für ein anti-islamisches Bühnenstück erhalten, schlug diese aber in den Wind. Später schrieb er für das Fernsehen ein weiteres religiöses Werk, das erneut gegen das Mullah-Regime aufwiegelte. A. blieb nichts anderes übrig, als Teheran zu verlassen.

In Österreich beantragt er politisches Asyl. Die ersten Monate verbringt er im Auffanglager Traiskirchen. Sein stetiger Begleiter sind Hunger, Langeweile und Gewalt unter den Asylbewerbern. Mit seinen Landsmännern will er deshalb nichts zu tun haben.

In Rückblicken erzählt er von seiner Kindheit, Jugend und dem Erwachsenwerden, geprägt von Demütigungen durch männliche Erwachsene und Familienmitgliedern.
Vergewaltigungen an Jungs waren an der Tagesordnung, die Frauen wurden gesteinigt und ausgepeitscht.

Doch auch im nächsten Asylantenheim fühlt A. sich nicht besser aufgehoben: Diebstahl, Ablehnung, Vorurteile anderen Nationalitäten gegenüber innerhalb des Asylantenheims und die permanente Gewaltbereitschaft untereinander sind auch hier an der Tagesordnung. Hinzu kommt, dass die Einwohner des Dorfes die Flüchtlinge ablehnen und geringschätzig behandeln.
Mit wenig Geld in der Tasche versucht A. sich so oft wie möglich nach Wien abzusetzen. Dort lernt er die deutsche Sarah, die auch Farsi spricht, kennen. Sie hilft ihm, indem sie dolmetscht, ihn nach Hause einlädt und ihm Geld gibt.
Doch die Beziehung zu Sarah gestaltet sich als schwierig:

„Ich will ihre Nähe, einen Platz zum Schlafen, ihre Hilfe und manchmal nur etwas zu essen. Sie hingegen will Zuneigung, Liebe, eine Beziehung. Wir leben in zwei Welten nebeneinander, nur haben wir es lange nicht gemerkt.“

Als dann der Asylantrag abgelehnt wird, muss A. für sich eine Entscheidung treffen.

Ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt:
Diese Geschichte muss erzählt werden. Ich konnte die Verzweiflung von A. sehen und spüren und habe mit ihm gelitten. Diese Gewalt im Iran hat mich wahnsinnig erschreckt, erst hatte ich das Gefühl, das Buch abbrechen zu müssen.
Wie schwer muss es sein, mit so wenig Geld und ständigen Hunger zurechtzukommen und warum wird kein keinen Deutschunterricht angeboten?!
Trotzdem konnte ich auch Reaktionen anderer Menschen im Buch nachempfinden. Nähkästchen auf: Ich nehme auch keine fremden Männer in meinem Auto mit, die am Wegesrand stehen (Nähkästchen zu). Und wenn ER schon Angst vor seinen eigenen Mitbewohnern hat, wie soll die Frau im Auto wissen, ob da jetzt der nette A. steht, der mitgenommen werden will und keiner Fliege etwas zuleide tut oder ob er böse Absichten verfolgt?
Während ich zu Beginn von der Brutalität abgeschreckt war, so störte mich zum Schluss die aufdringliche Sarah.

Fazit:
Eine wichtige Geschichte, in einer wunderbaren Sprache erzählt, die ich aber wegen der großen Gewalt nur semi-gerne gelesen habe.
3 reviews
April 17, 2025
ترجمه‌ی فارسی: پایین
„Das Ende ist nah“ ist der erste Roman von Amir Gudarzi. Schon von Anfang an zieht er die Leser*innen gut in die Geschichte hinein. Der Roman erzählt von einem jungen Mann, den der Autor mit dem Buchstaben A bezeichnet. A muss während der Grünen Bewegung (2009 im Iran) aufgrund seiner politischen Aktivitäten und Verfolgung das Heimatland verlassen. Zufälligerweise, landet er schließlich in Österreich. Der Rest des Romans beschreibt sein Leben dort als Asylbewerber – immer wieder mit Rückblicken auf seine Vergangenheit im Iran.

Der Roman ist sehr gut geschrieben – in einer klaren, einfachen Sprache, mit starken, lebendigen Beschreibungen. Die Erzählweise nutzt verschiedene Techniken, sodass die Geschichte nie langweilig wird. Eine dieser Techniken ist der Perspektivwechsel. Manchmal wird aus der Sicht eines allwissenden Erzählers erzählt, manchmal aus der Sicht einer Figur in der dritten Person mit begrenztem Wissen, und manchmal spricht A selbst als Ich-Erzähler. Bestimmte Ereignisse werden sowohl aus A.s als auch aus Saras Perspektive geschildert, sodass der Leser beide Seiten derselben Geschichte kennenlernen. Trotzdem bleibt der Fokus auf der Hauptfigur A. In allen Perspektiven ist er die zentrale Figur, durch dessen Augen wir die Welt sehen.

Eine große Stärke des Romans ist die Einheitlichkeit im Ton und Stil – es ist durchgehend A.s Sprache und Sichtweise. Das gefällt vielleicht nicht allen. Vor allem für iranische Leser*innen könnten die ersten Seiten wie ein Schlag ins Gesicht wirken. Sie könnten denken: „Wie übertrieben“ oder „Wie düster und negativ.“ Aber man sollte akzeptieren, dass A eine fiktive Figur ist, die Teile des Romans selbst erzählt – und dass er, unter den gegebenen Umständen, kein „verlässlicher Erzähler“ ist. Dennoch sollte man seine Erfahrungen als junger Mann aus einem bestimmten Viertel Teherans nicht einfach als übertrieben oder als Schwarzmalerei abtun.

Ich empfehle die Lektüre dieses Romans. Es ist ein wertvolles Werk, und ich hoffe, dass Amir Gudarzi weiterhin schreibt.

«پایان نزدیک است» اولین رمان امیر گودرزی است که از همان آغاز، خواننده را به طور خوبی درگیر داستان می کند. رمان درباره‌ی مرد جوانی است که نویسنده او را A معرفی می کند.‌ A در بحبوحه‌ی جنبش سبز، به خاطر فعالیت های سیاسی و مورد پیگرد بودن مجبور به ترک میهن می‌شود و به طور برنامه‌ریزی نشده‌ای از اتریش سر در می‌آورد. بقیه‌ی داستان، ماجرای زندگی او در اتریش به عنوان یک پناهجو، همراه با گریزهایی به گذشته اش در ایران است. رمان بسیار خوب و به زبانی ساده و روان نوشته شده، توصیفات قوی و ملموسی دارد و از فنون خوبی بهره‌مند است که باعث می شود هیچ جایی از رمان خسته کننده نباشد. یکی از این تکنیک ها به کار بردن چند زاویه دید برای روایت است. داستان گاهی از زبان سوم شخصِ دانای کل، گاهی از زبان سوم شخص محدود (با تمرکز بر یکی از شخصیت ها) و گاهی از زبان اول شخص روایت می‌شود. بعضی از اتفاقات خاص از نگاه دو شخصیت متفاوت (A و سارا) در داستان نقل می‌شوند و باعث می‌شوند خواننده هر دو سمت داستان را از زبان هر یک از شخصیت ها بشنود. اما به باور من، همچنان، وزنه روی تمرکز بر شخصیت اصلی یعنی A است و در تمام روایت ها، همچنان A است که به قولی focalize می‌شود. نکته‌ی قوت روایت، یکپارچه بودن آن است. زبان و لحن در همه جای داستان یکی است، زبان و لحن A است و شاید خوشایند همه نباشد. به ویژه، برای خوانندگان ایرانی، ممکن است صفحه‌های آغازین کتاب مثل سیلی پلشتی توی صورتشان بخورد و بگویند: «اوه چه اغراق‌آمیز» یا «چه‌بدبینانه و سیاه‌نمایانه». اما بهتر است خواننده بپذیرد که A یک شخصیت داستانی است که بخش‌هایی از رمان را هم روایت می‌کند و اتفاقا با توجه به شرایطی که دارد یک «راوی‌ قابل اعتماد» نیست. اما هیچکدام از این‌ها باعث نمی‌شود که ما با این قسمت از روایت او را در مورد ایران که تجربه های شخصی یک پسر و مرد جوان از زندگی در منطقه‌ی مشخصی در تهران است زیر سوال ببریم یا محکوم به سیاه‌نمایی کنیم. خواندن این رمان را توصیه می‌کنم، اثر ارزشمندی است و امیدوارم باز هم امیر گودرزی بنویسد.
259 reviews
September 8, 2023
Das Buch ist hochaktuell, politisch und nicht chronologisch geschrieben. Gudarzi schreibt seine eigene Lebensgeschichte, wobei er in manchen Teilen von A spricht und manchen von Amir. Manchmal in der Ich-Erzähler-Form, manchmal von der Allwissenden. Das ist erst einmal etwas gewöhnungsdürftig.

Ansonsten ist man aber schnell in seiner Autobiographie drin, in der er von seinen Kindheitstraumata und seinem Studentenleben in Teheran berichtet und seinen Protesten gegen die Regierung, die zu seiner Flucht führen, da er ansonsten damit rechnen muss, im Gefängnis zu landen. Dass der Iran noch immer Menschen auf offener Straße steinigen und erhängen und so die Todesstrafe vollziehen, war mir bekannt. Dass gleichzeitig aber im Iran Jungs missbraucht werden, war mir neu. Das war sehr aufschlussreich für mich, denn in Deutschland liest man ansonsten oftmals nur etwas von den Problemen der Frauen. Als er in Österreich ankommt, durchlebt er das langwierige Prozedere des Asylverfahrens, das er kritisiert. Sie vertrödeln Zeit mit Alkohol und Zigaretten. Dass er dasselbe Verhalten an Österreichern kritisiert, schien mir doppelmoralisch. Denn er lebte genauso.

Mir hat gefallen, dass er nicht einseitig schreibt. Er kritisiert sowohl die korrupte Politik seiner Heimat, die er dennoch innig liebt und genau weiß, dass er Teheran nie wieder sehen muss. Die Beschreibung des Abschieds seiner Heimat ist herzzerreißend. Niemand sollte sich von seiner geliebten Stadt gezwungenermaßen für immer verabschieden müssen. Gleichzeitig hebt er in Österreich die Freiheit hervor, kritisiert allerdings auch hier das Asylverfahren und die Doppelmoral der Bewohner, die einerseits mit Worten kritisieren, andererseits aber über die Probleme auch einfach hinwegsehen und es stumm akzeptieren statt zu protestieren, etwas zu bewirken.

Parallel dazu hat er noch sehr viele Gedichte eingebaut, die in der iranischen Kultur sehr populär sind. Ich persönlich kann mit Prosa nichts anfangen, sodass ich diese übersprungen habe. Zudem baut er auch eine Liebesgeschichte ein, die tragisch endet. Allerdings konnte mich diese nicht berühren, da sie einseitig war und daher für mich distanziert, unnahbar, nicht greifbar und vor allem komisch und ungesund wirkte. Die Liebe habe ich wirklich nicht verstehen können.

Das Ende lässt einen eher niedergeschlagen zurück. Er hat seine beste Freundin, Freunde und Familie verloren und wirkt dadurch selbst ein wenig verloren. In einem Punkt hat er mit einem Freund, der im Gefängnis in Teheran steckt, telefoniert und sich überlegt, ob sein Leben nicht doch besser sei und spielte mit dem Gedanken zurückzukehren. Nur der Gedanke, dass er als freier Künstler im Iran niemals frei arbeiten könnte, hat ihn davon abgehalten.

Ich denke insgesamt ist das der Punkt, der alles trifft. Ein Künstlerleben lebt vom Leid. Er hat sich den Weg ausgesucht.
Profile Image for Bajo.
90 reviews3 followers
September 1, 2023
A. flüchtet aus seiner Heimat, dem Iran, nach den Aufständen in Theran 2009 nach Österreich. Er ist 26 Jahre alt und hat in Teheran die Theaterschule besucht, ist also gut ausgebildet und spricht etwas englisch. In Östtereich durchläuft er in Wien und Umgebung ein zermürbendes Asylverfahren. A. als der Protagonist dieses Romans steht autofiktional für den Autor Amir Gudarzi.

Die Geschichte wechselt zwischen zwei Zeitebenen: Zwischen der Kindheit, Jugend und dem Leben des jungen Erwachsenen im Iran bis 2009 und dem anschließenden Leben als zunächst illegaler Flüchtling in Österreich. A. scheint aus den höllischen Zuständen in seiner Heimat in die höllischen Zustände unter anderen, feindseligen Flüchtlingen und mißtrauischen Einheimischen geraten zu sein.

Die Lebensumstände im Iran, insbesondere die Verfolgung Andersdenkender und sexuelle Unterdrückung, wird in schockierenden, geradezu unerträglichen Szenen geschildert. Dabei bedient sich der Autor kurzer Sätze, die Beschreibung des Grauens ist sachlich, beinahe nüchtern. Diese szenischen Schilderungen wechseln sich im Verlauf des Romans ab mit einer poetischen, blumenreichen, verschnörkelten Sprache. A. dichtet, es werden lyrische Texte eingestreut, die die Emotionen des Protagonisten spiegeln. Auch Szenen aus der orientalischen Mythologie finden sich.

Der Roman liest sich gut. Dennoch hat er mir nicht gefallen. Bei dieser Wertung ist mir bewußt, dass die Geschichte auch nicht gefallen will, dies ist also kein "gefälliger" Roman. Ich habe ihn mit Entsetzen ob der geschilderten Zustände im Iran und mit Interesse für den Fortgang des Schicksals von A. gelesen. Der Einblick in die für mich bisher fremde Kultur des Geflüchteten habe ich als durchaus wertvoll empfunden. Sowohl bei der Schilderung des Alltags in Österreich mit seinen bürokratischen Hemmnissen als auch bei den vielfältigen Problemen mit anderen Flüchtlingen und Einheimischen beschönigt der Autor nichts.

Dennoch läßt mich die Lektüre ratlos zurück. Der Plot ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Am Ende wird mir zuviel tiefenpsychologisiert. Der Autor stellt sich und seine Geschichte in Frage. Ist alles erfunden ? Was ist wahr, was ist Lüge ? Von Anfang an spürt der Leser, dass mit A. etwas "nicht stimmt". Mehr und mehr erscheint er psychisch angeschlagen, was angesichts seiner traumatisierenden Erfahrungen auch nicht verwunderlich ist.

A. träumt viel, verwahrlost physisch und psychisch. Die Geschichte ist im Ganzen betrachtet widersprüchlich und m. E. nicht gut komponiert. Die Frage, ob und wie er wirklich in Österreich angekommen ist und welches Ende nah ist, bleibt m. E. unbeantwortet im Vagen.

Ich kann hier nur spekulieren und das gefällt mir nicht. Ich vergebe drei Sterne.
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews41 followers
September 20, 2023
»Statt im Sterben eine Lösung zu sehen, begann ich das Leben als Kampf, als Überlebenskampf zu verstehen, als Widerstand. Denn: Wenn ich sterbe, hat das Regime gewonnen. Dreiundzwanzig Jahre lang haben sie mein Leben ruiniert, und danach soll ich mein Leben selbst ruinieren? Der erste Schritt im Kampf gegen das Regime muss also sein, zu überleben und das Leben zu genießen. Erst danach muss man das Regime mit allen Mitteln bekämpfen.« (S.373)

Was bedeutet es für einen Menschen aus seinem Heimatland flüchten zu müssen? Was macht dies mit einem Menschen? Eine Antwort könnte dieser Roman »DAS ENDE IST NAH« sein 💔

In seinem Debüt »DAS ENDE IST NAH« schreibt der österreichische Dramatiker und Autor Amir Gudarzi über den iranischen Studenten und Atheisten A., der 2009 als Regimekritiker aus seiner Heimatstadt Teheran flieht und in Österreich Asyl beantragt. Auf verschiedenen Zeitebenen wird die Geschichte von A.’s Flucht erzählt sowie sein bisheriges Aufwachsen und Leben in Teheran, das von Gewalt, Terror und iranischen Regime geprägt ist. Die Beschreibungen des langen Asylverfahren in Österreich zeigen die krassen Herausforderungen in dieser Lebenslage deutlich: Rassismus, Angst, fehlender Zusammenhalt und Illoyalität, Sehnsucht nach der Heimat, Familie und dem Bekannten als auch Gewalt unter den Flüchtenden der verschiedenen Ethnien prägen diese erste Zeit von A. stark.

Der Autor Amir Gudarzi selbst wurde 1986 in Teheran geboren, studierte dort an der Theaterschule und szenisches Schreiben. Wegen der Teilnahme an Protesten gegen das iranische Regime floh er 2009 nach Österreich - ebenso wie sein namenloser Protagonist A. Sicherlich sind es neben seinem Können als Theaterregisseur und Autor auch eben diese eigenen Erfahrungen, die den Roman so authentisch, berührend und emotional machen.

Die vielen Parallelen zwischen Protagonist A. und Autor Amir Gudarzi lassen auf einen autofiktionalen Roman schließen. Nichtsdestotrotz könnte A. jede*r (politisch) Flüchtende sein. Dieses krasse Debüt zeigt auf literarisch höchsten Niveau wie Flucht sich anfühlen könnte. Der Autor erzählt sehr nüchtern diese so schmerzhafte, authentische, emotionale und erschreckende Geschichte von A., dass das Lesen einen definitiv aus der Komfortzone katapultiert. Es ist definitiv keine leichte Lektüre, dafür aber umso wichtiger und bedeutender. 💥

Ich wünsche diesem extrem wichtigen, politisch und gesellschaftlich höchst relevanten Buch ganz ganz viele Lesende. ❤️‍🩹
Profile Image for Michael M..
1 review
September 2, 2023
Ein schonungsloser Roman über einen Mann, der in seiner Heimat nicht bleiben und in der Fremde nicht ankommen kann, wegen der Hürden die ihm in den Weg gelegt werden. Verloren in der Gegenwart stolpert er durch Wien und sein Schicksal verwebt sich mit dem von Sarah, die ebenfalls Halt sucht. Das Gefühl der Entfremdung, von seinem Land, von den Menschen, die ihm nahestehen, auch von seiner Familie, zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählung und verstärkt die Einsamkeit, in die er durch das zermürbende Asylverfahren gezwungen wird.

Ein intimer Einblick in die Seele eines Menschen, der von seinen Umständen zermalmt wird und dennoch nicht aufgibt. Dies nicht nur zu erzählen, sondern uns miterleben zu lassen, ist die große Kunst von Amir Gudarzi.
Profile Image for Florian Prokop.
14 reviews5 followers
November 21, 2023
sprachgewaltig, fesselnd, deprimierend, schmerzvoll, empathisch.

Einblick in die Beweggründe, Gefühle und das Denken eines iranischen geflüchteten Manns, der in Österreich Asyl sucht. Schließlich bekommt er Hilfe von einer narzistischen Österreicherin, die ihn und seine Biographie vermutlich "spannend" findet und ihn als Symbol sieht, statt als Mensch und ihm dadurch noch mehr Leid zufügt.

Hat mich sehr mitgenommen und deprimiert. Nicht so leicht zu ertragen und wirkt nach.
Profile Image for justus .
1 review
April 6, 2025
Der Bedeutungswandel des Gedichts Kuss von die Etagen hinaufsteigen hinzu sie hinunterfallen hat mich wirklich beeindruckt. Auch die Umrahmung der Geschichte das Buch mit dem Beginn des Schreibens des Buches zu beenden finde ich sehr schön gelöst. Generell eine packende Geschichte, die einem verschiedenste Facetten menschlichen Elends vor Augen fürht, aber nicht auf eine klagende Weise, sonder so rational, dass es umso mehr erschreckt.
Profile Image for Amir.
1 review1 follower
May 13, 2024
Die Erzählungen sind verschachtelt und meistens plakativ. Mit stark subjektiven Meinungen zu verschiedenen Themen. Man bekommt immer das Gefühl, dass das Buch mehr eine Abrechnung ist. Und insgesamt schwer zu lesen. Der Charakter von Sarah nervt einfach nur und passt irgendwie überhaupt nicht.
8 reviews
June 11, 2024
Recht schnell durchgelesen
kann ich noch nicht so richtig einordnen
hat mich ziemlich deprimiert zurückgelassen ohne mich emotional so richtig abzuholen
Displaying 1 - 15 of 15 reviews

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