Lieber würde ich nach einem atomaren Schlag völlig einsam in der Strahlungswüste verenden, als Zuflucht in FARNHAMS FREEHOLD zu finden!
Hugh Farnhams ist ein Teufelskerl, und obwohl er wie einst Noah verlacht worden ist, hat er für den Fall der Fälle einen Bunker auf seinem Grundstück gebaut, in dem sich ein Nuklearschlag der bösen Russen überleben läßt. Und genau in diesem Bunker finden er und seine Familie sowie der farbige (!) Hausdiener Joe und Barbara, die Freundin der Tochter Karen, Schutz, nachdem es zum gr0ßen Knall kommt.
Nun sind überlegtes Handeln und Nervenstärke gefragt. Zwecks Herstellung der erforderlichen klaren Hierarchie droht Old Farnham seinem Sohn, ihn kaltblütig zu exekutieren, so ein netter Kerl ist Hugh. Alle, vor allem natürlich die Frauen, haben sich auf sein Geheiß nackig zu machen, damit man im Bunker nicht unnötig schwitze, Scham wird per Hughschem Dekret verboten; Genüßlich berichtet Heinlein, wie Barbara später auf Hughs Weisung ihre nasse Unterwäsche anziehen muss, weil der Kittel angeblich zu warm ist. Da wird Herr Heinlein Schweißperlen auf seiner Stirn gehabt haben.
Während Hughs alkoholkranke Frau den Rausch in der Koje ausschläft, treibt der es mit Barbara, ein Spaß, den ihm seine Tochter von Herzen gönnt. Das ist eine der peinlichsten, weil unvorstellbar schlecht geschriebenen Sex-Passagen, die ich je gelesen habe. Später gesteht Tochter Karen ihrem Vater unmissverständlich, sie wolle lieber Kinder von ihm, als von den anderen potenziellen Vätern, die den Weltuntergang in Farnhams Bunker überlebt haben. Schwängern muss Hugh seine Tochter dann aber zum Glück doch nicht, da diese schon in anderen Umständen ist, genauso übrigens wie Barbara und die Katze.
Mitsamt dem Bunker durch die Zeit katapultiert, müssen sich die Farnhams und ihre Begleiter neu einrichten und der Roman wird zur Bridge-Robinsonade (denn das Bridge-Spiel hat es Heinlein angetan, er schreibt mehr über das Spiel, als irgend ein Leser wissen will).
Als schließlich ein gewisser Status Quo hergestellt ist und wieder gewohnt wird (Ikea würde fragen: Wohnst du noch oder lebst du schon), stellen sich Autor und Leser die Frage, wie es nun weitergehen soll, schließlich ist die Handlung noch nicht maßgeblich in Gang gekommen und der Roman schon über 200 Seiten alt.
Heinlein hat an dieser Stelle offenbar die Nase genauso voll von der Story wie ich. Kurzerhand läßt er Karen bei der Geburt ihres Kindes sterben und das unschuldige Kind folgt wenig später nach. Nun ist die Bühne frei für einen neuen Handlungsstrang, der vom vorausgegangenen komplett losgelöst ist. Unsere tapferen Zeitreisenden werden von einer Gruppe Menschen entführt und mitgenommen, die jetzt, 2000 Jahre später, über die Erde herrschen. Ein wenig mutet das Szenario wie aus "Planet der Affen" an, und man zuckt zusammen, es zu sagen: Die Macht liegt nun nicht mehr beim Weißen Mann, sondern beim Schwarzen.
Hugh ist ein rechtes Stehaufmännchen und wird bald vom Sklaven zum Leitenden Wissenschaftler befördert, bekommt einen Bettwärmer (eine 14-jährige Hübsche, namenlos, die er Kätzchen tauft und der er das Schreiben beibringen will, Pymalion läßt grüßen) und macht sich unverzichtbar. Und als auch diese Handlung sich und den Leser erschöpft hat, kommt das Ende des Romans, das nicht vorherzusehen fast unmöglich ist...
Rassistisch, sexistisch, inzestuös, albern ist FARNHAMS FREEHOLD, und ich kann keine Anhaltspunkte dafür erkennen, dass Heinlein das Buch als Satire gedacht hat – auch wenn es absolut unvorstellbar ist, dass er ernst meinte, was er hier vorgelegt hat.
Mich erstaunt, dass er überhaupt ein solches Buch schreiben konnte und dass kein Lektor die Notbremse gezogen hat; nicht minder erstaunt mich, dass es bis heute neu aufgelegt wird. Vielleicht könnten biografische Informationen zu Heinlein oder Äußerungen von ihm in Briefen noch etwas Licht ins Dunkel bringen, entschuldbar und lesenswert würde dieser Supergau von Roman, eines der schlechtesten Bücher, die ich gelesen habe, aber selbst dann nicht.
Nur die Faszination des Grauens erklärt, wie ich mich durch diesen Schund durchkämpfen konnte, immer wieder mit geweiteten Augen gebannt auf die Seiten starrend wie das Kaninchen auf die Schlange.
Grauenhaft!!!