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Freitisch

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Sind wir die geworden, die wir sein wollten? »Damit hatte er nicht rechnen können, ausgerechnet hier, am Mare Balticum, von seinem Vorleben eingeholt zu werden.« Uwe Timm erzählt vom späten Wiedersehen zweier Männer, die in den frühen Sechzigern, noch vor dem großen Aufbruch, als Studenten in München ihren Weg suchten. Am Freitisch saßen sie mittags beieinander, in der Kantine einer spendablen Versicherung, und ihre Gespräche kreisten um Gott und die Welt und einen gemeinsamen Bezugspunkt: Arno Schmidt. Als sie sich in Anklam wiedertreffen, prallen zwei Lebensentwürfe aufeinander. Der Erzähler hat hier als Lehrer gearbeitet, Deutsch und Geschichte, und führt seit seiner Pensionierung ein Antiquariat. Der andere, Euler, damals Mathematiker mit literarischen Ambitionen, kommt als Investor und sondiert das Terrain, um eine Mülldeponie zu bauen. Beide helfen sich und der Erinnerung auf die Sprünge, geben Anekdoten zum Besten, zitieren ihre Lektüren und landen immer wieder bei dem Dritten im Bunde: Falkner, der damals schrieb, ohne jemals einen Text vorzuzeigen, und mittlerweile ein bekannter Schriftsteller ist. Und bei jener merkwürdigen Reise, die sie in die Heide, zu Arno Schmidts Grundstück führte. Wie man wurde, was man ist, und was man vielleicht hätte werden können – davon handelt Uwe Timms geistreiche, gewitzte, glänzend geschriebene Novelle, die voller Anspielungen steckt und der existenziellen Frage nachgeht: Was lässt sich umsetzen von den Wünschen und Hoffnungen, mit denen man angetreten ist?

Audio CD

First published January 1, 2011

17 people want to read

About the author

Uwe Timm

86 books114 followers
Uwe Timm was the youngest son in his family. His brother, 16 years his senior, was a soldier in the Waffen SS and died in Ukraine in 1943. Decades later, Uwe Timm approached his relationship with his father and brother in the critically acclaimed novel In my brother's shadow.

After working as a furrier, Timm studied Philosophy and German in Munich and Paris, achieving a PhD in German literature in 1971 with his thesis: The Problem of Absurdity in the Works of Albert Camus. During his studies, Timm was engaged in leftist activities of the 1960s. He became a member of the Socialist German Student Union and was associated with Benno Ohnesorg. From 1973 to 1981 he was a member of the German Communist Party. Three times Timm has been called as a writer-in-residence to several universities in English-speaking countries: in 1981 to the University of Warwick, in 1994 to Swansea and in 1997 to the Washington University in St. Louis. He has also been a lecturer at universities in Paderborn, Darmstadt, Lüneburg and Frankfurt.

Timm started publishing in the early 1970s and became known to a larger audience in Germany after one of his children's books, Rennschwein Rudi Rüssel, was turned into a movie. Today he is one of the most successful contemporary authors in Germany. His books Die Entdeckung der Currywurst (The Invention of Curried Sausage) and Am Beispiels meines Bruders (In my brother's shadow) can both be found on the syllabi of German schools. His readers usually appreciate Timm's writing style, which he himself calls "die Ästhetik des Alltags" ("the aesthetics of everyday life"). Timm imitates everyday storytelling by using everyday vocabulary and simple sentences and generally tries to imitate the way stories are orally told. His works often indirectly link with each other by taking up minor characters from one story and making this character the main character of another work. For example, a minor character like Frau Brücker from Johannisnacht is taken up as a main character in his book Die Entdeckung der Currywurst. Timm's works also tend to have autobiographical features and often deal with the German past or are set in the German past.

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6 (6%)
Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Michael.
1,611 reviews210 followers
August 25, 2016
"Ich kannte ihn ja, das war nicht so schwärmerisch, so
begeistert vorgetragen wie vorhin die Optimierungsprobleme
mit Zeichnungen und allem Drum und Dran oder die
Elefantenhochzeit. Und schon gar nicht in der Tonlage,
in der er uns mit seinen KÜHEN IN HALBTRAUER in den
Ohren lag. Das war allerdings auch noch eine Zeit gewesen,
in der man Zuwendung, ja Liebe durch Literatur gewinnen
konnte. Zumindest geneigte Aufmerksamkeit,, aus der dann
mehr und mehr und viel mehr werden konnte."


Man darf das, sich im Alter (und natürlich auch schon etwas früher) an die Lesefreuden junger Jahre erinnern: Erinnerung an intensivste Leseerfahrungen, die das Leben prägten; an gemeinsame Lesepassionen, von denen man glaubte, sie würden nie abkühlen und ein Leben halten.
Die Leidenschaft von vier jungen Männer für das Werk (und die Person) Arno Schmidts steht im Zentrum von Uwe Timms Novelle FREITISCH. In den sechziger Jahren haben sie sich einen Freitisch in München geteilt, und jetzt treffen sich zwei von ihnen nach 40 Jahren zufällig in Anklam wieder. Es ist vor allem die Lektüre von KÜHE IN HALBTRAUER, die dem Erzähler als erstes ins Gedächtnis zurückkehrt, wenn er an die gemeinsame Zeit zurückdenkt. Über Arno Schmidt hatte man sich gestritten, seine Wortschöpfungen nachgebildet oder sich darüber geärgert, während in der großen Welt der Vietnam-Krieg für ernstere Kontroversen sorgte. Und doch:
„Die schönen frühen Sechziger, sagte Euler und blickte in Richtung der Plattenbauten. Da ging eben alles noch zusammen, damals: Hasch, Ernst Jünger und die illegale K.P.“

Aber jetzt ist Euler, der früher Arno Schmidt wie ein "literarisches Pfingstwunder" predigte, nach Anklam gekommen, um in der maroden Region in eine neue Mülldeponie zu investieren, und trifft dort auf den Erzähler, der inzwischen pensionierter Lehrer ist. Dieser ist - wie über alle Maßen sympathisch! – bis auf den heutigen Tage Schmidt-Leser geblieben und lebt mit seiner Frau in Anklam: „Haus und Garten standen zum Verkauf. Der Preis sehr günstig. Der Schuppen trocken, wunderbar für meine Bücher, die in Regensburg aus der Wohnung quollen.“
Hier also, fast abgeschieden vom Rest der Welt, verbringt der Erzähler seinen Lebensabend und betätigt sich nebenher als Antiquar - einer von der Sorte, der sich von seinen Büchern nicht trennen mag.

Man sitzt vor einem Gasthof und trinkt Kaffee und bemüht sich, nach fast einem Leben noch einmal stockend ein Gespräch zustande zu bringen. Der eine, Euler, hat seine Passion für Schmidt aufgegeben und Geld mit der Müllwirtschaft gemacht, der andere ist hakenschlagend durchs Leben gekommen und hat sich zurückgezogen. Was gibt es zu sagen? Erinnerungen an dies und das kommen die beiden an, keine davon so tragfähig, dass sich ein richtiges Gespräch daraus ergeben würde.
Vielleicht war es der gemeinsame Besuch beim Meister in Bargfeld, den jeder Schmidt-Adept unternommen oder doch zumindest davon geträumt hat, der für ein Band zwischen den älteren Männern taugt?
Aber Passionen halten meist nicht ewig, weder in zwischenmenschlichen Liebesbeziehungen noch zur Literatur, und übrig bleibt ein Blick zurück in Melancholie.

FREITISCH ist ein klein wenig Geschichte der sechziger Jahre, ist die fragmantarische Schilderung unterschiedlicher Lebensläufe und eine Referenz an Arno Schmidt.
Eigentlich unmöglich, dass dieses Buch mich nicht total mitreißen solte, denn ich habe damals, als Uwe Timms ENTDECKUNG DER CURRYWURST herauskam, mit Begeisterung fast alle seine Romane gelesen und zählte ihn zu meinen Lieblingsautoren; genauso wie Arno Schmidt, für den meine Begeisterung mit kleinen Schwankungen nicht nachgelassen hat. Und die Fahrt nach Bargfeld? Die haben wir damals als Betriebsausflug mit unserem Lesekreis natürlich auch unternommen, samt Übernachtung bei Bangemann, meine Frau schwanger mit unserem ersten Kind.
Viel hat sich seitdem geändert, aber diese Erinnerungen werden nicht verblassen, für den Erzähler von FREITISCH so wenig wie für mich.

Die Novelle ist "schön" erzählt, ruhig, sympathisch, ein wenig melancholisch. Aber es überwiegt bei mir der Eindruck, dass Timms Tonfall weniger altersmilde als altersmüde ist. Über lange Abschnitte plätschert sie vor sich hin, ein ruhiges Betrachten, dem es ein wenig an Relevanz fehlt, vor allem aber am Biss der Prosa, die im Zentrum steht.

Nachtrag:
Friedhelm Rathjen hat auf eine Besprechung von Marius Fränzel hingewiesen, in der der Schmidt-Bezug deutlicher herausgearbeitet ist und von Uwe Timm ausdrücklich goutiert wurde. Die Review kann man hier nachlesen:
http://www.vigilie.de/2011/uwe-timm-f...
Profile Image for Noah.
552 reviews76 followers
November 14, 2025
Warum hat dieser Uwe Timm so schlechte Bewertungen? Ich kann es nicht nachvollziehen. Es ist ein ganz typischer Uwe Timm, subtiler, etwas nostalgischer Humor, Menschen, die die 1960er nicht überwinden können und eine gute Portion Arno Schmidt.

Nicht spektakulär aber gut geschrieben und belastbar.
Profile Image for Gönül.
232 reviews3 followers
December 21, 2024
Diese Novelle dreht sich um das Wiedersehen von zwei ehemaligen Kommilitonen aus der 68er-Generation, die - wie soll es auch anders sein - literaturbegeistert sind und sich regelmäßig an dem Freitisch einer Versicherung treffen und über Gott und die Welt reden... und über Arno Schmidt.
Profile Image for Wiebke (1book1review).
1,158 reviews486 followers
December 1, 2014
Vielleicht war das Hörbuch nicht die beste Wahl für diese Novelle, denn ich habe oft den Anschluss verpasst. Und mich eigentlich bis zum Ende gefragt, worum es eigentlich hier geht.
Für mich machte es eher den Eindruck als ginge es darum Namen berühmter Autoren zu nennen und Bildung zu zeigen.

Erst nach Ende der Novelle machten viele Dinge Sinn und auch die Intentionen urden klarer. Dennoch hat es mir keinen Spaß gemacht dem Text zuzuhören.
Profile Image for Pierre Michel.
2 reviews
April 27, 2014
Some novelists are good enough to turn the daily routine into a gripping story, Uwe Tim belongs to them. The plot is both funny and in spite of that makes you thoughtful. It tells about something we have all experienced with once: How does it feel to meet up again with friends when you havn't seen them for yonks? This shortstory conjures up pictures and memories and everthing is done so that you are taking in till you've discovered a beautiful and somehow logical punchline!
Profile Image for Sebnem.
53 reviews30 followers
March 2, 2016
Wer aus den frühen 60er Jahren in die ein bißchen traurige Nachwendezeit ein Deutschlandpanorama haben möchte, wer aus einer Zeit, “in der man [noch] … die Liebe durch Literatur gewinnen konnte“, über die norddeutsche Natur in die heutige Kulturwelt reisen möchte, der muß unbedingt “Freitisch“ lesen.
Profile Image for John Hatley.
1,383 reviews236 followers
December 26, 2013
I really enjoyed this story of a chance meeting between two university friends and their memories of their student days.
Profile Image for Thomas.
168 reviews1 follower
December 7, 2025
Vielleicht war es nicht so clever, das Hörbuch zu nehmen. Aber von dem, was ich mir vom Klappentext erwartet hatte war nichts zu finden. Stattdessen endloses Gerede, das ich vollkommen uninteressant fand, von wenigen cleveren Sätzen und Ausdrücken abgesehen. Die Tatsache, dass praktisch keine Frau auch nur ansatzweise wohlwollend oder positiv beschrieben wird hat dann noch die Krone aufgesetzt.
Profile Image for Barbara.
723 reviews27 followers
December 31, 2018
Vielleicht haben Arno-Schmidt-Fans mehr Vergnügen als ich an dieser Novelle.
Displaying 1 - 10 of 10 reviews

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