Ein luxusverwöhnter, exzentrischer Snob, der Duelle focht und mehr Liebschaften hatte als Casanova, ein Abenteurer, der zu Pferd halb Afrika durchquerte, von höchstem Adel, aber republikanisch gesinnt, begabter Autor, genialer Gartenarchitekt: Eine Persönlichkeit wie den Fürsten Pückler-Muskau hat es im Deutschland des 19. Jahrhunderts nicht noch einmal gegeben.
Eine gute Biografie, wenn auch teilweise etwas umständlich geschrieben. Ich kannte Fürst Pückler vor meinem Besuch von Bad Muskau nur als Eiskrem, was gut illustriert, wie stark diese schillerende Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten ist. Dabei war er damals in ganz Europa bekannt und kannte viele Personen der Welt- und Literaturgeschichte persönlich. Er ritt mit einem Gespann aus gezähmten Hirschen die Allee Unter den Linden in Berlin entlang - what? Außerdem waren seine Bücher bei erscheinen Bestseller, sind aber offenbar noch während seiner Lebzeit aus der Mode und dann wie er vergessen worden. Was übrig und sichtbar bleibt, sind seine monumentalen Parkanlagen in Muskau und Branitz.
Während unseres Urlaubes im Spreewald lernten wir auch den Park Branitz bei Cottbus kennen, den Fürst Pückler rund um sein Stammschloss geschaffen hat. Dies ist sein Meisterwerk, das in Europa einzigartig ist. Deshalb haben seine Reisen in Nordafrika, dem Vorderen Orient und England, Irland für mich eine besondere Bedeutung, da er daneben damals beliebte Reisebücher verfasst hat. Er begann seine schriftstellerische Tätigkeit mit einem Fachbuch über die Gartenkunst. Mir imponiert sein Freidenkertum und seine geistige Unabhängigkeit - trotz großer finanzieller Probleme, die er erst mit dem Verkauf der Parkanlage Muskau (1845) lösen konnte. Fürst Pückler und seine Frau Lucie liegen in der hohen Seepyramide im Park Branitz begraben.
Ein wunderbares Buch, dass das faszinierende Leben von Pueckler-Muskau auf interessante und oft lustige Art und Weise erzaehlt. Ich wusste nichts ueber ihn als den Namen und hatte von seinem Park in Bad Muskau gehoert. Es ist wirklich traurig, dass jemand wie Pueckler so vom Radar verschwunden ist.
Es war eine "Notlektüre" aus der Ferienwohnung, wegen der vielen Details habe ich es streckenweise kursorisch gelesen. War okay, scheint mir eine sehr eigenwillige Persönlichkeit gewesen zu sein.
Ausführliche Biographie mit einigen Abbildungen und Zeittafel, Bibliographie und einem Personenregister am Ende des Buches. Nur der stellenweise umständliche Satzbau stört den Lesefluss ein wenig.
Etwas älteren EisesserInnen dürfte die Bezeichnung 'Fürst-Pückler-Eis' durchaus noch geläufig sein - aber wissen sie auch, wer der Namensgeber war? Ein Abkömmling des Hochadels, geboren 1785, Sympathisant der Revolution, Schriftsteller, Reisender, Landschaftsgartengestalter, Dandy, Abenteurer und ein Liebhaber der Frauen – aller Frauen. Casanova dürfte neidisch werden, wenn man ihm von Hermann Pückler-Muskaus Eroberungen berichten würde. Doch dies ist nur ein Aspekt seiner Persönlichkeit, wenn auch kein unwesentlicher. Heinz Ohff schildert diesen faszinierenden Menschen in derart schillernden Farben und Formen, dass man wie gebannt diesen Lebenslauf verfolgt. Er lässt ihn ebenso durch seine Schriften selbst zu Wort kommen, so dass man sich einen Eindruck von seinen literarischen Fähigkeiten machen kann. Pückler formuliert spitz, mit Witz und Spöttelei, aber spart auch nicht mit Selbstironie, was ihn überaus sympathisch wirken lässt. Auch Zeitgenossinnen und Zeitgenossen kommen zu Wort und so formt sich nach und nach das Bild eines Menschen, der hochintelligent und seiner Zeit weit voraus war. Eine fesselnde, ausgezeichnet geschriebene Biographie, mit der man nicht nur den Menschen Hermann Pückler-Muskau kennenlernt, sondern zudem viel über die Welt am Anfang und in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfährt.
Die Schreibweise dieses Buches fand ich teilweise etwas merkwürdig, ohne genau sagen zu können, woran es lag.
Die Geschichte des Fürsten Pückler ist jedoch so verrückt und faszinierend, das man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Er reist durch die Welt, steckt ständig in finanziellen Schwierigkeiten und ist ein sehr eitler und doch amüsanter Mensch. Er war ja auch das Vorbild für den Lügenbaron Münchhausen, das sagt schon vieles... Und hat man die Beschreibung seiner Gärten gelesen, möchte man am liebsten sofort dort sein, und sie durchwandern.