Nach dem Tod seines geliebten Großvaters ist der neunjährige Raphael Vogel spurlos verschwunden. Die zerstrittenen Eltern - und bald auch Öffentlichkeit und Medien - sind in höchstem Alarmzustand. Doch das zuständige Dezernat 11 hat selbst Kommissar Tabor Süden (der Seher), einer der wichtigsten Mitarbeiter, hat sich ausgerechnet jetzt in eine Hütte im Wald zurückgezogen und plagt sich mit Selbstvorwürfen wegen eines vergangenen Falls. Die Polizeimaschinerie läuft an, und gerade dadurch nimmt das Drama seinen Lauf. Es werden Menschen sterben, weil die Beamten Regeln befolgen und Prinzipien einhalten. Als sich die Situation zuspitzt und die Zeichen sich mehren, dass der kleine Raphael zu seinem Opa gehen will, wacht der Seher endlich auf und schreitet mit eigenen Methoden zur Tat - auch ohne die Erlaubnis seiner Vorgesetzten...
Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, lebt heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen u. a. den Tukan-Preis und dreimal den Deutschen Krimipreis.
Kaum zu glauben, was für ein Hype um die 'Süden'-Reihe gemacht wird. Hab mich bis zur Mitte gequält, das hat gelangt. Man hofft immer, die Stereotypen wären doch keine, aber weit gefehlt. Ein Holzschnitt-Tableau nach dem nächsten, Dialoge, als hätte man alte 'Der Kommissar' Folgen über den YouTube Speech-to-Text-Transcriber laufen lassen. Und dieser 'Süden' - Charakter! Lederhose (nein nicht die bayerische sondern die Hippie am Rand geschnürte), weißes Hemd... typischer Jim-Morrison-Provinz-Clone. War mein erster deutscher Krimi, und erst mal mein letzter. OK, 2 Sterne fürs Seitenfüllen a la Steven King.
Ein Kind läuft von zu Hause weg und absolut jeder der befragt wird sagt aus, dass das Kind zu Hause dauernd geschlagen und misshandelt wird. Wenn dieses Kind dann gefunden wird, wird es einfach so wieder nach Hause gebracht, absolut ohne Konsequenzen für den Vater. Genauso unverständlich fand ich den sogenannte Held des Buches. Das Kind wehrt sich und will nicht nach Hause. Der Held gibt dem Kind so einen festen Schlag, dass es zu Boden geht. Normal. Die Mutter wird genauso misshandelt, immer nebenbei, normal, unerträglich.
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"Die Erfindung des Abschieds" ist der erste von Friedrich Anis Krimis mit dem äußerst eigenwilligen Kommissar Tabor Süden im Mittelpunkt. Der Fall des 9jährigen Raphael, der nach dem Tod seines Opas von seinem desolaten Zuhause davonläuft und dadurch mehrere Tragödien auslöst, brach mir mit seiner traurigen Grundkonstellation geradezu das Herz. Das ist kein Krimi für Leser, die nach ständigem "Thrill" und einem Pageturner suchen, sondern für jene, die vielschichtige Charaktere schätzen - und die emotionale Wucht, die aus der scheinbar nüchternen Betrachtung entsteht. "Die Erfindung des Abschieds" ist langsam, bedächtig, lässt sich Zeit mit der Einführung und Entwicklung der ermittelnden Figuren, nimmt sie über viele Strecken wichtiger als den Fall selbst. Der Roman ist düster und bedrückend, denn nur zu gut weiß man, wie viele Kinder in verzweifelten Verhältnissen so wie Raphael leben müssen. Und zu Tabor Süden kann ich nur sagen - ein seltsamerer Ermittler ist mir bisher nicht untergekommen. Und er interessiert mich jetzt natürlich brennend. Manche überlangen Monologe mancher Figuren hätte ich vielleicht nicht so gebraucht, und die Figur von Raphaels prügelndem Vater Thomas war meiner Ansicht nach arg schwarz-weiß gemalt, doch das sind Kleinigkeiten. "Die Erfindung des Abschieds" hat mich sehr getroffen und betroffen gemacht. Nicht mit brutaler Gewalt, sondern mit Substanz und leisem, alltäglichem Horror.