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Beten ist Fühlen
Merkenswert:
-„Das Gebet mag vielleicht die Dinge für dich nicht ändern, aber es verändert sehr wohl dich in Bezug auf die Dinge!“
-„Segen“ ist ein altes Geheimnis, das uns so weit von Schmerz befreit, dass wir ihn durch ein anderes Gefühl ersetzen können. Wenn wir die Menschen oder Dinge, die uns verletzt haben, segnen können, erreichen wir eine vorübergehende Unterbrechung des Schmerzzyklus.
-Im Gegensatz zu traditionellen Gebeten, derer wir uns in der Vergangenheit bedient haben, bedient sich diese Gebetstechnik jedoch keiner Worte. Ihre Wurzel ist die stille Sprache menschlichen Gefühls. Sie fordert uns auf, tiefe Dankbarkeit zu empfinden, so, als ob unsere Gebete schon erhört worden wären.
-„Bittet ohne hintergründige Motive und seid umgeben von eurer Antwort.“
-Beten durch Fühlen bedarf keiner Worte, keiner speziellen Haltung der Hände, keines sonstigen körperlichen Ausdrucks, sondern einzig eines klaren und kraftvollen Gefühls, als ob unsere Gebete bereits erhört worden wären.
-„Ich begann zu fühlen, wie sich Regen anfühlt. Ich habe das Gefühl von Regen auf meinem Körper wahrgenommen und wie es sich anfühlt, mit nackten Füßen im Schlamm unseres Dorfplatzes zu stehen, weil es so stark geregnet hat. Ich sog den Geruch von Regen auf den irdenen Hauswänden unseres Dorfes ein und erlebte das Gefühl, durch Felder zu gehen, wo mir der Mais aufgrund des vielen Regens bis zur Brust reichte.“
-Davids Erklärung war absolut nachvollziehbar. Er setzte all seine Sinne ein: die verborgene Kraft der Gedanken, Gefühle und Emotionen, die uns von allen anderen Lebensformen unterscheiden, und zusätzlich den Geruchs-, Gesichts-, Geschmacks- und Tastsinn, die uns mit der übrigen Welt verbinden.
-Er beschrieb, wie Gefühle von tiefer Dankbarkeit dieses Gebet vollenden, so wie das„Amen“ das christliche Gebet. David hob außerdem hervor, dass er nicht dafür dankt, was er erschaffen hat, sondern große Dankbarkeit empfindet für die Möglichkeit, am Schöpfungsprozess beteiligt zu sein.
-„Die dunkle Nacht der Seele ist eine Zeit in deinem Leben, in der du in eine Situation hineingezogen wirst, die dich mit deinen größten Ängste konfrontiert“, antwortete ich.„Eine solche Zeit kommt normalerweise dann, wenn du sie am wenigsten erwartest, und gewöhnlich ohne Vorwarnung. Der Punkt dabei ist“, fuhr ich fort,„dass du nur dann in diese Dynamik gerätst, wenn durch die Art, wie du dein Leben meisterst, deine Bereitschaft signalisiert wird. Und genau in dem Moment, in dem dein Leben perfekt zu sein scheint, wird das Gleichgewicht, das du erreicht hast, zum Signal dafür, dass du für die Veränderung bereit bist.
-Der Zweck der dunklen Nacht der Seele ist, dass wir unsere größten Ängste erleben und heilen.
-Das wirklich Interessante an der dunklen Nacht ist Folgendes: Weil die Ängste der Menschen so unterschiedlich sind, ist etwas, das sich für den einen als schreckliche Erfahrung darstellt, für den anderen nur eine Lappalie. Gerald, zum Beispiel gab zu, dass es seine größte Angst sei, alleingelassen zu werden. Einige Stunden zuvor hatte ich jedoch mit einer Frau gesprochen, die mir erzählte, dass Alleinsein ihr größtes Vergnügen sei.
-Wenn wir jemanden segnen, der uns verletzt hat, heißt das nicht, dass wir in Ordnung finden, was passiert ist, oder gerne hätten, dass es nochmals geschieht. Segen vergibt keine Gräueltat und findet auch keine Entschuldigung für zugefügtes Leid.
-Der Grund, weshalb das Segnen so gut wirkt, ist einfach. Es ist unmöglich, etwas zu segnen, wenn man es gleichzeitig verurteilt. Unser Verstand lässt beides auf einmal nicht zu.
-Es gibt allerdings eine Voraussetzung, bevor du einen Menschen oder eine Sache segnen kannst.
-Die Frage lautet:„Bin ich bereit, meinen Groll oder eine alte Überzeugung, dass jemand für etwas bezahlen oder etwas wieder gutmachen soll, loszulassen?“ Mit anderen Worten, bist du bereit, dich von dem Gedanken zu verabschieden, der es rechtfertigt, einem anderen Schmerz zuzufügen, weil er dich verletzt hat?
-Das ist die Kraft des Segnens: Sie lässt die alte Denkmusterfalle von richtig und falsch nicht mehr zuschnappen, sondern erhebt uns darüber.
-Im Gegensatz zu Schwerkraft und Elektromagnetismus scheint die Kraft der Schönheit zu schlafen, bis wir ihr die nötige Aufmerksamkeit schenken. Obwohl sie die Macht haben kann, unsere Welt zu verändern, ruht diese Kraft, bis sie erweckt wird. Und die Einzigen, die sie erwecken können, sind wir selbst! Als einzige Lebensform, die fähig ist, Schönheit zu erfahren, erwecken wir sie nur dann, wenn wir sie in unserem Leben anerkennen.
-Aus dieser Perspektive betrachtet, umfasst Schönheit mehr als die Dinge, die unser Auge erfreuen. Sie ist eine Erfahrung von Herz, Verstand und Seele. Schönheit ist unsere Bereitschaft, die Perfektion in dem zu sehen, was wir als„Unvollkommenheiten“ des Lebens bezeichnen.
-Schönheit ist immer und in allen Dingen präsent. Man findet sie sogar an Orten, wo man sie nie erwarten würde. In den Momenten, in denen wir in die Tiefe unserer Seele eintauchen, um dort Kraft zu finden, um den Dingen, die uns am meisten verletzt haben, eine neue Bedeutung zu schenken, entdecken wir die große Weisheit, die die alten, weisen Lehrer hinterlassen haben. Diese Weisheit erinnert uns daran, dass die Fähigkeit, Schönheit zu erkennen, eine Entscheidung ist.
-Nun schließe deine Augen und stell dir vor, wie es wäre, wenn du nicht wüsstest, dass es diese Person in deiner Welt geben würde. Denk daran, wie leer dieser Moment gewesen wäre und wie sehr dieser Mensch dir fehlen würde. Es mag dich überraschen, welch starke Wirkung eine so einfache Übung in einem so kurzen Augenblick haben kann! Jetzt kannst du dieser Person von Herzen danken, dass sie für dich da war und dir eine Lektion über dich selbst erteilt hat.
-Mutter Teresa. Diese„Mutter“, wie die Menschen in ihrer Umgebung diese großartige Frau nannten, streifte durch die Straßen von Kalkutta, wo sie lebte, und fand Schönheit an Orten, an denen kaum ein Mensch sie auch nur annähernd vermuten würde. Im Müll und Schmutz der Gossen, im Gestank und Zerfall faulender Lebensmittel und undefinierbarer Kadaver auf den Wegen, sah sie einen Misthaufen. Sie erkannte eine Blume, die auf diesem Misthaufen wuchs. In dieser Blume fand sie Leben und in diesem Leben Schönheit auf den Straßen dieser Stadt.
-Ich denke oft an Mutter Teresa und die Schwestern, und ich weiß, dass wenn sie Schönheit in den Straßen Kalkuttas finden können, auch ich überall, wo ich mich gerade aufhalte, Schönheit erkennen kann.
-„Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name.“ Anstatt die vertrauten Worte aufzusagen, schlage ich dir vor, ein Experiment zu versuchen. Während du die Worte des„Großen Gebets“ liest oder laut aussprichst, stelle fest, welches Gefühl diese Worte in dir hervorrufen. Wie fühlst du dich, während du persönlich mit der Macht sprichst, die das gesamte Universum und das Leben in jeder deiner Zellen erschaffen hat? Was fühlst du bei der Anerkennung, dass der Name Gottes heilig ist und nur auf ehrwürdige und heilige Art genannt werden darf? Es gibt keine richtigen oder falschen Gefühle während dieses Gebets. Der springende Punkt hierbei ist, dass die Worte, die vor über 2000 Jahren aufgezeichnet wurden, dazu gedacht waren, Gefühle in den Menschen zu erwecken! Sie sprechen unseren beständigsten inneren Teil an: unser Herz. Welches Gefühl auch immer diese Worte in dir hervorrufen, dieses Gefühl ist dein Großes Gebet.
-Der Schlüssel hierzu ist, dass wir zu all dem werden müssen, was wir uns für unser Leben wünschen. Wenn wir uns Liebe, Mitgefühl, Verständnis und Fürsorge für unser Leben wünschen, müssen wir diese Qualitäten in uns entwickeln, damit der Geist Gottes sie uns in unseren Beziehungen widerspiegeln kann.
-An dieser Stelle können Gebete Spaß machen– entwirf deine eigenen! Finde besondere Worte, die für dich– und nur für dich– eine Bedeutung haben und dir als heiliges und intimes Gebet dienen, das nur dich und Gott etwas angeht.
-„Ich danke für eine sichere Fahrt und eine sichere Rückkehr.“ Empfinde während des Betens ein Gefühl der Dankbarkeit, so als ob deine Fahrt bereits beendet wäre.
-Um deinem Gebet durch deine Sinne Kraft zu geben, solltest du ein Bild von dir vor Augen haben, wie du beispielsweise Tüten aus deinem Auto trägst, deine Vorratskammer mit den Einkäufen füllst und anschließend den Salat ins Gemüsefach legst. Der zentrale Punkt hierbei ist, dass du die Einkäufe nur ins Haus tragen kannst, wenn du vorher nach Hause gekommen bist.