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Historische Variationen

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1996 erschien in Deutschland jenes Meisterstück, das der 33-jährige Emigrant 1940 in London veröffentlicht hatte: Germany: Jekyll & Hyde. Bis dahin kannten Deutsche Leser Sebastian Haffner als brillanten Autor historischer Essays, seither wissen wir, dass er mehr war.

Wenn sie Jekyll & Hyde gelesen haben -- und ich empfehle Ihnen dringend, es zu lesen -- dürfen sie anschließend beruhigt ganze Regalmeter kluger Untersuchungen von Fachhistorikern ungelesen lassen: Ein Zeitzeuge hatte vermocht -- während die Dinge noch geschahen -- zum Kern des Phänomens Hitlerdeutschland vorzudringen.

Das hier zu besprechende Bändchen Historische Variationen erschien zuerst 1985 (die Texte entstanden zwischen 1966 und 1983): Nachrichten aus der guten alten Zeit der Bundesrepublik. Über allem liegt eine Patina. Aber sie entwertet die Stücke keineswegs, im Gegenteil. Sie verschafft eine weitere Ebene der Erkenntnis, steigert die Leselust. Wir werden damit konfrontiert, wie fest wir seinerzeit im Glauben standen. Im Glauben nämlich, die Teilung der Welt in Ost und West würde von Dauer sein.

Bürgerliche Überlegungen ist ein Abschnitt sehr schön überschrieben (zu Lebensstandard oder Zukunft), dann Historisches, Politisches und Biografische Skizzen: Wussten sie zum Beispiel, dass Churchill den Literaturnobelpreis bekommen hat? Für ein immenses (nach Umfang wie Qualität) literarisches Werk? Geschrieben nebenbei. Solche Dinge erfahren Leser bei Haffner. Und eben nicht als Kuriosa ausgebreitet, sondern als sprechendes Detail jener knappen Panoramen, zu denen er seine Porträts werden zu lassen verstand. Scheinbar mit leichter Hand hingetupft, aber von Gewicht. Gibt's nicht oft bei uns. Lesen! --Michael Winteroll

367 pages, Paperback

First published January 1, 2001

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About the author

Sebastian Haffner

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Sebastian Haffner (the pseudonym for Raimund Pretzel) was a German journalist and author whose focus was the history of the German Reich (1871-1945). His books dealt with the origins and course of the First World War, the failure of the Weimar Republic and the subsequent rise and fall of Nazi Germany under Hitler.

In 1938 he emigrated from Nazi Germany with his Jewish fiancée to London, hardly able to speak English but becoming rapidly proficient in the language. He adopted the pseudonym Sebastian Haffner so that his family back in Germany would not be endangered by his writing.

Haffner wrote for the London Sunday newspaper, The Observer, and then became its editor-in-chief. In 1954, he became its German correspondent in Berlin, a position which he kept until the building of the Berlin Wall.

He wrote for the German newspaper, Die Welt, until 1962, and then until 1975 was a columnist for the Stern magazine. Haffner was a frequent guest on the television show Internationaler Frühschoppen and had his own television program on the German channel, Sender Freies Berlin.

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June 15, 2019
Geschichte, sagt Haffner, ist keine Realität, sondern ein Zweig der Literatur. Dieses Buch, das er 1985 geschrieben hat, ist eine Sammlung historisch politischer Essays, die sich sehr gut lesen lassen und dadurch vielerlei Aspekte der Geschichte verdeutlichen, die man in der Schule nie behandelt hat und die in Zeitungen nie so prägnant erklärt werden. Um ein paar Beispiele zu nennen: Wer weiss schon, dass Bismark den bayrischen König Ludwig II nur durch ein beträchtliches Bestechunsgeld soweit bekommen hat, dass er dem Deutschen Reich beitrat, eine Wahnsinnssumme in Goldmatk, die Ludwig zum Bau seiner Märchenschlösser verwendet hat, (wohin heutzutage nicht nur Preussen, sondern auch Chinesen und Amerikaner reisen)? Wer kann die Bedeutung der Pariser Kommune oder von Gustav Stresemann benennen? Wieso kam es, dass Adenauer erst in einem Alter bedeutend wurde, in dem andere längst in Rente sind? Und wer weiss in Deutschland, ohne googlen zu müssen, was sich in China in den 50 Jahren Mao-Herrschaft alles ereignet hat? Man sollte es wissen ohne Google.

Allerdings muss man schon manchmal schmunzeln, liest man dies Buch erst im Jahre 2019; dann denkt man, tja, Haffner konnte besser in die Vergangenheit schauen als in die Zukunft, was ja auch nicht unlogisch ist. Seine "Bürgerlichen Überlegungen" sind wirklich etwas bürgerlich, um nicht zu sagen, ziemlich antiquiert: 'Über den Abstieg des Mannes' kann man sich heutzutage eigentlich nur noch wundern, 'Über die Zukunft' lachen , und 'Unser sinkender Lebensstandard' ist nicht so tief gesunken, wie Haffner es vorhersagt. Aber womit er recht hat, glücklicher sind wir nicht geworden. Schade dass Haffner nicht heute nochmal einen update verfassen kann, weil er nicht mehr lebt. Aber seine Essays haben den Weg für die Nachfolger bereitet: Daniel Kahnemanns Think fast and slowly ist von 2011, Harari's Homo Sapiens von 2014.
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