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Wenn sie Jekyll & Hyde gelesen haben -- und ich empfehle Ihnen dringend, es zu lesen -- dürfen sie anschließend beruhigt ganze Regalmeter kluger Untersuchungen von Fachhistorikern ungelesen lassen: Ein Zeitzeuge hatte vermocht -- während die Dinge noch geschahen -- zum Kern des Phänomens Hitlerdeutschland vorzudringen.
Das hier zu besprechende Bändchen Historische Variationen erschien zuerst 1985 (die Texte entstanden zwischen 1966 und 1983): Nachrichten aus der guten alten Zeit der Bundesrepublik. Über allem liegt eine Patina. Aber sie entwertet die Stücke keineswegs, im Gegenteil. Sie verschafft eine weitere Ebene der Erkenntnis, steigert die Leselust. Wir werden damit konfrontiert, wie fest wir seinerzeit im Glauben standen. Im Glauben nämlich, die Teilung der Welt in Ost und West würde von Dauer sein.
Bürgerliche Überlegungen ist ein Abschnitt sehr schön überschrieben (zu Lebensstandard oder Zukunft), dann Historisches, Politisches und Biografische Skizzen: Wussten sie zum Beispiel, dass Churchill den Literaturnobelpreis bekommen hat? Für ein immenses (nach Umfang wie Qualität) literarisches Werk? Geschrieben nebenbei. Solche Dinge erfahren Leser bei Haffner. Und eben nicht als Kuriosa ausgebreitet, sondern als sprechendes Detail jener knappen Panoramen, zu denen er seine Porträts werden zu lassen verstand. Scheinbar mit leichter Hand hingetupft, aber von Gewicht. Gibt's nicht oft bei uns. Lesen! --Michael Winteroll
367 pages, Paperback
First published January 1, 2001