„Erkennt der Mensch aber die Freude, die ihm von einem anderen entgegenkommt, dann empfindet er in seinem Herzen ein großes Entzücken. Denn dann erinnert sich die Seele, wie sie von Gott geschaffen ist.“ (Bingen 2025)
„Mit dem Seufzen zum Guten rufe ich Tränen hervor und aus den Zähren den Wohlgeruch heiliger Werke.“ (Bingen 2025: 33)
„Und wo der Sohn Gottes der Menschen Sünden mit Seinem Gewande tilgt, da verbinde ich die Wunden mit mildestem Linnen.“ (Bingen 2025: 34)
„Darum fürchte deine Qualen nicht, denn ich schaue dein Kloster nicht zerstört; vielmehr wünscht Gott, daß du so an deine Last gebunden bleibst. Und die Schafe, die zu dir laufen wollen, sammle; die dich aber ablehnen, ertrage in Erbarmen, bis sie nach dir rufen. Und lebe in Ewigkeit.“ (Bingen 2025: 38)
„Die Gnade Gottes umgab sie mit dem Schimmer der Sanftmut, untersetzt und geschmückt mit schönen Ornamenten der Liebe an den Grenzen ihrer Verteidigung; denn zur Vollendung eines jeden guten Werkes gehört es (inesse debet), die göttliche Gnade zu ergreifen; sie besteht aus zwei Teilen, nämlich in der Tugend der Gottes- und Nächstenliebe.“ (Bingen 2025: 43)
„Die Liebe der Gläubigen zu Gott und die allegorische Bedeutung der Luft: […] Daher bringen sie gleichsam durch den Lufthauch der Reue unter Tränen die Klage im Gebete vor, so wie ein milder Lufthauch die Blüten heraustreibt.“ (Bingen 2025: 45)
„Die Liebe zwischen Jesus und dem Evangelisten Johannes, der beim Letzten Abendmahl an seiner Brust ruhte: Johannes — Spiegel der Taube O Spiegel der reinsten Taube, im lautersten Quell hast erschaut du die Weite der Liebe, die sich in Geheimnissen verschwendet. O wundersame Pracht der Blüten, die nimmer welkt, nie sank zu Boden —, hat dich doch gepflanzt der göttliche Gärtner! O süßeste Ruh, liebend geneigt in der Umarmung der Sonne —: Du, des Lammes vielgeliebter Sohn, du, ein neuer Sproß in erlesener Freundschaft! (Symphonia 27)“ (Bingen 2025: 48)
„Nun sollen alle mit mir klagen, die Schmerz erleiden, der meinem Schmerz gleicht, die aus Gottesliebe solche Liebe im Herzen und in ihrem Gemüt zu einem Menschen trugen, wie ich sie dir gegenüber hegte.“ (Bingen 2025: 87)