Horst Bieneck is best known for his “Gleiwitz cycle” of four novels about his native Silesia (Poland) “The First Polka” (1975), “September Light” (1977), “Time Without Bells” (1979) and “Earth and Fire” (1982). As a young man he was imprisoned in a Siberian labor camp until 1955, and his first novel “The Cell” (1968) describes his experiences there as a political prisoner. Later he worked in the media in West Germany while writing novels. He was the winner of the Nellie Sachs Prize, the Bremen Literature Prize and the William Raabe Prize.
Ein Namenloser aus dem Umfeld der deutschen Linksextremen begibt sich in Neuchâtel auf die Spurensuche M. Bakunins mit der vagen Absicht, eine Biographie des des legendären anarchistischen Gründervaters zu schreiben. Die Recherche spitzt sich bald zur Lebenskrise des Mannes zu, dessen Projekt auch eine Flucht vor dem erbarmungslosen Handlungsimperativ der revolutionären Dogmatik ist, unter deren Unerbittlichkeit er in depressive Zustände gerät.
Bieneks Kurzerzählung erinnert mit seiner fragmentarischen Form, die Material montageartig präsentiert, bevor es bearbeitet wurde, an Dorothee Elmingers gut 45 Jahre später erschienene "Zuckerfabrik". Der eigentliche Gegenstand liegt außerhalb des Textes. Er muss erschlossen werden aus stichpunktartigen, episodischen Einträge zu Bakunins Leben, die sich abwechseln mit ebenso kargen, manchmal in indirekter Rede vermittelten Schilderungen des Protagonisten, der immer tiefer in die Lebenskrise gerät. Die kurzen, manchmal eliptischen Sätzen und Satzfragmenten reduzieren sich bis auf an moderne Gedichte erinnernde Wortreihen.
So stellt sich ein allgemeines, ruinöses Bild des Scheiterns ein: Des Scheiterns an der Revolution, des Scheiterns am Leben und des Scheiterns an der Form, deren Unverbundenheit es übrig bleibt, die Unmöglichkeit einer Sinngebung zu symbolisieren.