Kays Meinung:
Zitat:
„Was für eine absurde Vorstellung! Männer und Frauen. Das wäre wie Öl und Wasser. Schlimmer noch, wie Feuer und Benzin. Leicht entzündlich und hoch brennbar.“
(S. 44)
Es hieß, es gäbe unterirdische Tunnels, in denen sich Wesen herumtrieben, schlimmer als Wölfe und Bären.“
(S. 51)
Die blonden Haare umschwebten ihr Gesicht wie Algen. Ihr Mund war zu einem stummen Schrei geöffnet.“
(S. 117)
Inhalt:
Die Welt hat sich verändert. Nach dem großen Zusammenbruch ist nichts mehr, wie es einmal war. Der Auslöser des Ganzen sollte eigentlich etwas Gutes für die Menschen bewirken. Doch das Gegenteil war der Fall. Das Virus war mutiert.
Die Geschlechter stehen sich nun feindlich gegenüber. Doch jeder ist vom anderen abhängig. Auf die eine oder andere Art.
Dieser Angriff der Teufel, wie die Männer von den Frauen genannt werden, auf die kleine Siedlung Ingram im Grenzland, löst in beiden Lagern eine Reihe nicht mehr kontrollierbarer Reaktionen aus. Juna erfährt von diesem Vertragsbruch der Männer als Erste und berichtet der Hohepriesterin Arkana. Wie werden die Frauen auf diesen Überfall reagieren? Kann sich Edana, die Ratsherrin, mit ihren radikalen Plänen durchsetzen?
David erhält den Auftrag, zusammen mit seinem Meister Stephan ein neues Baby, einen Jungen, aus dem Kreis der Verlorenen zu holen. Männliche Neugeborene werden so von den Frauen an die Männer gegeben. Doch unterwegs lauern viele Gefahren. Und die meisten dieser Gefahren sind tödlich. Davids Glauben wird erstmalig erschüttert.
Die Angriffe der Teufel werden immer dreister! Der zerbrechliche Frieden zwischen den Geschlechtern scheint nicht mehr lange zu halten. Der Inquisitor, Marcus Capistranus, hat außerdem noch eigene Pläne. Seine Elitetruppe, die Heilige Lanze, spielt hierbei eine große Rolle. Die Anspannung zwischen Frauen und Männern wächst ins Unermessliche…
Meinung:
„Das verbotene Eden – David und Juna“ stand jetzt schon eine ganze Weile ungelesen in meinem Regal. Endlich habe ich mir nun die Zeit genommen, das Buch zu lesen. Und nachdem ich nun die letzten Seiten hinter mir gelassen habe muss ich sagen, dass es ein Fehler war. Es war ein großer Fehler von mir, das Buch jetzt erst gelesen zu haben!
Thomas Thiemeyer ist es gelungen, mich mit seiner Geschichte von der ersten Seite an zu fesseln. Der Autor hat eine Welt erschaffen, die einerseits unvorstellbar ist, andererseits jedoch durchaus real wirkt. Interessant dabei fand ich den Gedanken, dass die beiden Lager sich zwar bis auf den Tod bekämpfen, dabei aber immer noch so abhängig voneinander sind, ohne dass sie dies bedenken. Ohne bestimmte Regeln für die Fortpflanzung, zu der sich Männer wie Frauen im Übrigen mehr als überwinden müssen, würde jede Seite früher oder später aussterben. Doch das scheinen vor allem die Männer größtenteils auszublenden. Dennoch konnte man sich zumindest soweit einigen, mit den sogenannten Schandkreisen eine Möglichkeit zu schaffen, um Nachwuchs zu zeugen.
Der Mönch David wurde vor Jahren als Säugling im Kloster abgegeben. Damit unterscheidet er sich von vielen anderen, weil Babys üblicherweise nur im Kreis der Verlorenen übergeben werden. Demzufolge umgab ihn gleich von Beginn an ein geheimnisvolles Flair in Bezug auf seine Herkunft. Auch wenn zugegebenermaßen einige Umstände sicherlich vorhersehbar waren, störte mich dies nicht im Geringsten. Davids Mentoren, der Abt Benedict und sein Meister Stephan, haben sich seither um David gekümmert und ihn aufgezogen. Nun ist David zu einem jungen Mann herangewachsen, der seine Berufung in Büchern gefunden hat. Fern jeglicher Gewalt fürchtet er die reale Welt und versinkt abgeschottet in den sicheren Mauern des Klosters tagtäglich in seiner Arbeit. Nur durch seinen Gefährten Ammon, der Mitglied der Heiligen Lanze ist und für den Inquisitor die „Landernte“ – ich würde es allerdings als anderes Wort für Plünderung bezeichnen - in den Siedlungen der Frauen durchführt, erfährt er von vielen Geschehnissen außerhalb des Klosters. Im weiteren Verlauf wächst David jedoch vom weltfremden Jugendlichen, der Frauen bisher nur vom Hörensagen kannte, zu einem entschlossenen und furchtlosen Mann heran. Er spürt, dass er eine Entscheidung treffen muss. Nur wird er den richtigen Weg gehen?
Juna begegnete mir als starke und selbstbewusste junge Frau, die die Männer abschreckend findet und diese hasst. Sie weiß, was sie will und steuert ehrgeizig ihren Zielen entgegen. Aber auch unter ihrer harten Schale gibt es einen weichen Kern zu entdecken. Im Gegensatz zu David hatte ich bei ihr nie das Gefühl, dass ihr tatsächlich etwas passieren könnte. Den ruhigen Gegenpol zur kampferprobten Juna stellt ihre Gefährtin Gwen dar, die in dieser Geschichte allerdings nur einen Nebenpart einnimmt. Juna strahlt Unverwundbarkeit und Intelligenz aus. Sie hat immer einen Plan B. Ich mochte David und Juna sehr und habe mich an ihrer Seite durch den Plot treiben lassen.
Die Geschichte wird vorrangig abwechselnd aus Junas und Davids Sicht in Vergangenheitsform erzählt. Durch wörtliche Rede gewährten mir die Charaktere weitere Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt.
Insgesamt kann ich sagen, dass ich von Thomas Thiemeyers Weltentwurf fasziniert war. Kleinere Unebenheiten zu kritisieren, wäre bei diesem Buch wirklich ein Mäkeln auf hohem Niveau. Durch seinen leichten Schreibstil, der weder überdetailliert noch unvorstellbar wirkte, hat er es mir ermöglicht, förmlich durch die Seiten zu fliegen.
Insgesamt hat es der Autor geschafft, dass ich „Das verbotene Eden“ kaum aus der Hand legen konnte. Nach einem nochmaligen Spannungsbogen zum Ende der Geschichte hin, lässt Herr Thiemeyer diese beruhigend ausklingen und mich nach vielen schönen Lesestunden zufrieden zurück. Mit diesem ersten Band ist Herrn Thiemeyer ein vielversprechender Start seiner Trilogie gelungen. Ich bin froh, dass ich gleich in den zweiten Teil einsteigen kann und der Trilogieabschluss in Sichtweite liegt.
Urteil:
„Das verbotene Eden“ kann mit einer neuen Idee im dystopischen Genre punkten und fasziniert mit seinem Weltentwurf. Die Charaktere und die Handlung konnten mich überzeugen und ich fieberte mit ihnen. Es grenzt schon an Frevel, wenn ich dieser Geschichte nicht die volle Punktzahl geben würde. David und Juna, dieses ungleiche Paar in einer erschreckend gewaltsamen Welt, erhalten deshalb von mir 5 Bücher.
Für alle, die sich von neuen Ideen begeistern und anstecken lassen können, über Kleinigkeiten hinwegsehen und spannende Geschichten lieben. Für Fans von Dystopien ein Muss, für alle anderen Leser ein Blick in eine mögliche Zukunft, die hoffentlich niemals so eintreffen wird.
Die Serie:
1. Das verbotene Eden: David und Juna
2. Das verbotene Eden: Logan und Gwen
3. Das verbotene Eden: Magda und Ben
(August 2013)
©his-and-her-books.blogspot.de
---------------------------------------------------------------
Steffis Meinung:
Zitat:
"Liebe, was wusste sie eigentlich davon? Bisher hatte sie immer geglaubt, dass das, was sie und Gwen verband, Liebe sei. Gemeinsame Interessen, Tisch und Bett miteinander teilen, abends zusammen einschlafen, morgens miteinander aufwachen. Das gute Gefühl, jemanden an seiner Seite zu haben, nicht alleine zu sein. Doch jetzt war sie nicht mehr so sicher."
(S. 260)
Inhalt:
Was der Autor über den Inhalt schreibt:
Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben die Geschlechter in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in städtischen Ruinen hausen, haben die Frauen auf dem Land ein neues, streng abgeschottetes Leben angefangen. Kinder gibt es kaum noch, und wieder drohen neue Kämpfe. Als die 17-jährige Kriegerin Juna ausgesandt wird, einen Gefangenen zu nehmen, stößt sie ausgerechnet auf den jungen Mönch David, der nichts lieber tut, als sich in verbotene Schriften der alten Zeit zu flüchten. Romeo und Julia ist seine Bibel – und als plötzlich ein leibhaftiges Mädchen vor ihm steht, reißt es ihn in einen Wirbel der Gefühle. Nichts scheint undenkbarer, gefährlicher, tödlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen Juna und David.
Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer …
Und das sage ich:
Die wenigen überlieferten Berichte erzählen, dass ein Pharmakonzern vor 65 Jahren einen Virus erschaffen hat, um den Verkauf des eigenen Arzneimittels anzukurbeln. Das Virus mutierte und zerstörte alles, was die Geschlechter aneinander anziehend fanden. Es begann ein Krieg, der die gesamte Technik zerstörte und einen Großteil der Menschheit dahinraffte. Daraufhin trennten sie sich. Die Männer zogen in die Städte, die Frauen aufs Land.
Die 17-jährige Juna, ihres Zeichens Priesterin der Brigantia, eine Kriegerin und Tochter der Hohepriesterin Arkana wird Zeuge der verheerenden Auswirkungen einer "Landernte", so der offizielle Begriff für die Plünderung durch die Männer. Denn anstatt den gesetzlich geregelten Anteil an der Ernte abzuholen raubschatzten die "Teufel" und zerstörten den Tempel des kleinen Grenzdorfes Ingran. Eine der Dorfbewohnerinnen erfährt von dem geplanten Überfall auf Alcmona und so setzt sich Juna dafür ein, Alcmona zu verteidigen.
Bei diesem Auftrag trifft sie das erste Mal auf Männer und sieht sie als das, was ihr von klein auf beigebracht wurde: Sie sind Teufel, brutale Monster, Bestien, die zu einem dauerhaften Frieden nicht fähig sind.
Die Frauen machen sich bereit für einen Krieg. Und nur noch eine Frage muss beantwortet werden: Wollen sie auf eine Zukunft mit den Männern hoffen oder wollen sie zukünftig auf sie verzichten?
Der 18-jährige Mönch David arbeitet in der Bibliothek des Klosters. Er gilt als Außenseiter. Nicht nur weil er versucht zu verstehen, was vor den "dunklen Jahren" passiert ist, sondern auch nicht denselben Hass den Frauen gegenüber in sich trägt. Denn durch seine Arbeit kennt David eine andere Seite: Unter den verbotenen Liebesromanen hat er einen wahren Schatz entdeckt, dessen Aussage ihn nicht mehr los lässt: Shakespeares Romeo und Julia.
Sein bester Freund und Gefährte Amon wird bei der Durchführung seiner Pflicht schwer verletzt und zwingt David quasi dazu, ebenfalls "an der Front" zu arbeiten. Denn die Männer stehen vor einem Durchbruch, der ihren Sieg im Kampf gegen die Frauen bedeuten könnte.
Meinung:
Ich bin begeistert!
So, das war's - mehr braucht ihr nicht zu wissen - lest es einfach!
Nein, Spaß beiseite. Selbstverständlich werde ich euch erzählen, warum ich dieses Buch liebe:
Die ersten Seiten verwirrten mich ein wenig. Kurzfristig zweifelte ich daran, dass es sich hier um die erwartete Dystopie handelte. Neben der Kulisse erinnerte mich auch die Sprache an einen im Mittelalter beheimateten Roman. Ein Sprachstil, der sich einmal nicht an dem dystopischen Genre orientiert, sondern an den äußerlichen Umständen, die wahrlich "mittelalterlich" sind. Dann erschloss sich Kapitel für Kapitel die Grundidee, die meiner Meinung nach grandios ist: Schließlich kommt es uns allen oft genug so vor, als lebten Männer und Frauen in unterschiedlichen Welten... Aber eine Idee kann noch so gut sein: Wenn sie schlecht begründet ist oder zuviele Fragen offen bleiben, wirkt sie unglaubhaft. Hier hat sich der Autor definitiv genügend Gedanken darüber gemacht und diese hervorragend eingearbeitet.
Schnell wurde ich von der Hauptprotagonistin Juna in ihre Welt eingeführt. Sie, die starke Kriegerin, der "männliche" Teil einer Beziehung mit der hausfräulichen Gwen. Juna stellt ihre Aufgabe und das in den Erziehungsanstalten verbreitete Wissen nie infrage: Männer sind Monster und schuld an dem Krieg. Juna brennt darauf, auf diese Spezies zu treffen und sie zu bekämpfen. Der erste Kontakt in Alcmona schürt ihren Hass und sie stellt sich auf die Seite derer, die den Angriff fordern. Dann aber trifft sie auf diesen Mann, der so anders ist als erwartet, dass ihre Weltordnung durcheinander gerät: David.
David ist jung und nicht voller Hass auf die Frauen, was er seinem Ziehvater Abt Benedikt zu verdanken hat. Seine Herkunft ist ein großes Geheimnis, denn im Gegensatz zu anderen männlichen Säuglingen wurde er direkt vor dem Kloster abgesetzt. Die Restauration alter Bücher führt ihn in eine Welt, die so anders ist, dass sie einfach unglaublich klingt: Männer und Frauen leben dort Seite an Seite. Können diese sich wirklich zu den "Hexen" verwandelt haben, von denen die anderen Männer immer berichten? Nachdem er Zeuge der Grausamkeit der Frauen wurde, ist die Julia-gleiche Erscheinung von Juna wie ein Zeichen für ihn: und sein Glauben wird auf eine harte Probe gestellt.
Neben den beiden Hauptprotagonisten wimmelt es in dem Buch von tiefgründigen Charakteren, die - egal wie klein ihre Rolle ist - eine Persönlichkeit haben und für den Plot von Bedeutung sind.
Um seine Idee besser auszugestalten, hat sich der Autor zahlreicher Klischées bedient, die sich herrlich in die Geschichte einbinden: besseres Essen bei den Frauen, Motorisierung bei den Männern, die Verbundenheit der Frauen zur Natur, ihr Hang zu Esoterik gegen die strenge Ordnung der Männer in der katholischen Kirche (an deren Geschichte Maria übrigens nicht mehr beteiligt ist).
Eine zentrale Bedeutung kommt dem Werk "Romeo & Julia" zu: Davids Inhaltsangabe von Shakespeares Werk sagt eigentlich alles aus, was diese sich entfremdete Welt braucht.
"Das verbotene Eden" ist abwechselnd aus der Perspektive von Juna und David in personaler Erzählsituation geschrieben. Um dem Leser die für den Plot wichtigen Szenen außerhalb dieser beiden Personen zu schildern, verwendet Herr Thiemeyer sporadisch auch Amon oder Edana als Reflektorfigur.
Nach einem interessanten und neugierigmachenden Einstieg in die Geschichte erhöht sich der Lesegenuss mit jeder Seite: Die Handlung steigert sich immer weiter, die Spannung wird von einer kleinen Böe zu einem gewaltigen Sturm, der sich in einem actionreichen Endszenario entlädt und einen bereits erlebten Traum erneut wahrwerden lässt. Überraschende Momente und Erkenntnisse intensivierten den Spaß an diesem Buch noch weiter.
Urteil:
Herr Thiemeyer hat ein Szenario erschaffen, das im ersten Moment unvorstellbar ist. Durch die glaubhafte, detailreiche Ausgestaltung seiner Idee, kombiniert mit dem Tempo-antreibenden Perspektivenwechsel, tiefgründigen Protagonisten, überraschenden Wendungen, einer Romeo-und-Julia-Geschichte, die in dieser Welt undenkbarer scheint als sonstwo und einem unglaublichen Schreibstil war "Das verbotene Eden - David und Juna" ein Lesegenuss der Extraklasse. Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß beim Lesen und bedanke mich bei Herrn Thiemeyer hierfür mit 5 Büchern!
Es ist ein Must-Read für jeden Dystopie-Fan, der einmal die Kombination aller meiner oben genannten Kriterien erleben möchte - also für JEDEN!