Ich weiß nicht, wo der Anfang ist. Vielleicht gibt es gar keinen. Alles ist so schleichend passiert. Alles war falsch und trotzdem war es unser Leben. Wir haben dich in dieser Zeit nur noch Eunk genannt. Papa hat einfach nicht mehr gepasst, weil du ihm zwar noch ähnlich gesehen hast, aber nicht mehr derselbe warst. Unberechenbar, fremd und meistens sturzbesoffen. Es war, als sei irgendein Ding plötzlich lebendig geworden. Ein Ding, das zu meinem Leben gehört, mit dem man aber eigentlich nichts weiter zu tun haben will.
Das ganze Buch ist ein langer Brief von Nico (15) an seinen alkoholabhängigen Vater, der in einer Entzugsklinik ist. In dem Brief schreibt Nico verschiedene Ereignisse auf, in denen sein Vater betrunken war - von Anfang bis Ende. Auch, was innerhalb der Familie passiert ist. Was er und seine Schwester Sasa (13) gefühlt und wie sie sich über ihn unterhalten haben. Einfach alles. Das Buch hat keine Kapitel, nur massenhaft Absätze. Am Anfang war es für mich sehr verwirrend, weil ich nicht genau wusste, was überhaupt passiert, passiert ist und wer hier überhaupt wer ist. So wird Nicos Mutter beispielsweise nur als Mimi genannt. Es ist schlimm, das alles mit Nico zu erleben. Durch das Buch wird dem Leser so ein Fall vor Augen geführt, regt aber nicht wirklich zum nachdenken an - dafür ist das Buch einfach zu kurz und zu kindlich geschrieben. Wer sich für dieses Thema interessiert, kann in dieses Buch reinschnuppern. Wer sich allerdings näher damit beschäftigen möchte, dem empfehle ich andere (und vor allem längere) Bücher zu bevorzugen.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich überrascht bin, WIE gut mir "Katertag" von Regina Düring gefallen hat. Auf nur knapp 100 Seiten entwickelt die Autorin eine furchtbare, traurige und emotionale Geschichte, in der der 15-jährige Nico einen Brief an seinen alkoholabhängigen Vater schreibt, da er ihm nicht so schnell verzeihen kann, was er mit seiner Sucht angerichtet hatte. Trotz der Kürze war "Katertag" kein Buch für mich, was ich an einem Stück hätte lesen können, dafür fand ich die Atmosphäre zu bedrückend und die Geschichte zu realistisch. Nico, seine kleine Schwester Sasa und Mim taten mir so leid und ich fand es schrecklich darüber zu lesen, wie sie mit dieser Situation klar kommen müssen - und noch schrecklicher wenn man bedenkt, dass es nicht nur in Bücherfamilien so zugeht, sondern auch im wahren Leben :/ Für mich war jedes Wort am richtigen Fleck und hat die Wirkung erzielt, die es vermutlich sollte. Und auch wenn ich "gerne" noch mehr über Nico und seine Familie erfahren hätte, so denke ich doch, dass mehr Seiten in dieser Form, für mich jedenfalls, nicht funktioniert hätte.
Liebes Katertag, du hast mich wirklich berührt. Die Worte, die du deinen Protagonisten Nico hast wiedergeben lassen, die Stimme, die Hörbuchleser Mirco Kreibich dir geliehen hat und eben die tragische Geschichte, die du mir erzählt hast. Alkoholismus ist in keiner Form erfreulich, aber wie hart es eine Familie treffen kann, wenn der eigene Vater/Mann betroffen ist, hast du mir eindrucksvoll geschildert. Ich habe mit Nico mitgelitten. Er und seine Schwester taten mir so leid. Wie schlimm muss es sein, wenn man seinen eigenen Vater nicht mehr wiedererkennt? Und auch die Sicht der Mutter/Ehefrau, die den Mann vermisst, in den sie sich verliebt hat, die ihm helfen möchte und gleichzeitig an das Beste für ihre Kinder denken muss. Da fällt mir nur noch ein riesiges Seufzen ein. Du bist viel zu kurz. Ich hätte dir noch Stunden länger lauschen können. Hoffentlich schreibt deine Mama noch mehr Bücher wie dich.
"Endlich mal wieder ein interessantes Jugendbuch, bei dem es nicht um die große Liebe geht!" - Dies war mein erster Gedanke, als ich "Katertag" für mich entdeckt habe. Die Kurzbeschreibung hat mich direkt angesprochen und ich war sehr neugierig, ob dieses Buch meine Erwartungen erfüllen kann. Allerdings hat sich recht schnell Ernüchterung breit gemacht.
Man kann "Katertag" als typisches Buch bezeichnen, dass sich mit dem Thema Alkohol und zerstörte Familienverhältnisse beschäftigt, allerdings wurde dies in meinen Augen schon deutlich besser umgesetzt. "Katertag" ist nicht unbedingt schlecht, es war mir nur zu oberflächlich und zu sehr auf "Du bist schuld!" bezogen, anstatt auch einmal etwas mehr hinter die Fassade zu schauen. Es ist immer einfach, die Schuld nur bei anderen zu suchen und sich selbst als eines der Opfer zu sehen. Die Tiefe kam mir zu kurz, weil vieles nur angedeutet und gemutmaßt wurde. Mehr Fakten und eventuell auch schonungslosere Darstellungen hätten mir weitaus besser gefallen.
Aber natürlich ist nicht alles schlecht an dem Buch. Das Thema an sich ist sehr interessant, weil es immer wieder aufweist, wie schnell im Leben etwas vorbei sein kann und wie schnell man auf die schiefe Bahn gerät, wenn man sich und andere nicht schützt. Dies wird trotz der Oberflächlichkeit recht gut rüber gebracht.
Der Schreibstil hat mir auch relativ gut gefallen. Die Geschichte wird in Briefform vom 15 Jahre alten Nico erzählt, der in "Katertag" mit seinem Vater und dem Alkohol abrechnet. Er stellt viele Mutmaßungen an, hinterfragt gewisse Situationen und listet immer wieder auf, woran er sich in all den Jahren erinnern kann und wie er es damals und heute empfunden hat. Auch seine Schwester erwähnt er sehr häufig, die mindestens genauso unter der Situationen leidet, aber deutlich ruhiger und mit weniger Mut an die Angelegenheit heran geht. Die restliche Familie kann den Alkohol und die Eskapaden des Vaters nach gewisser Zeit verzeihen, nur Nico bleibt hartnäckig und kann seinem Vater nicht verzeihen.
Doch trotz des Briefes habe ich kaum etwas über Nico erfahren. Seine Gedanken und seine Erinnerungen spielen zwar eine große Rolle, aber es bleibt wie gesagt ziemlich oberflächlich. Oftmals habe ich mich gefragt, wer die Familie eigentlich ist. Wie stehen sie zueinander? Wie verarbeiten sie die Situation? An Emotionen mangelt es teilweise nicht, aber dennoch wirkte alles recht abgeklärt, was so gar nicht in die Situation und zum Alter von Nico gepasst hat.
Die Covergestaltung gefällt mir dagegen richtig gut. Die eingeknickten Flaschendeckel passen gut in die Situation und die leicht eingeknickten, nicht gerade aufeinander liegenden Seiten passen zu dem Brief, den Nico an seinen Vater schreibt.
Insgesamt ist "Katertag" ein Buch, das relativ okay ist, aber nicht zu den Büchern gehört, die man immer und immer wieder lesen möchte. Eine recht trockene Erzählweise und die typische "Du bist schuld!"-Haltung sind recht gewöhnungsbedürftig und werden wohl nicht jeden Jugendbuchliebhaber ansprechen.