Rainer, einst hoffnungsvoller Jungregisseur aus Deutschland in Hollywood, lebt nur noch auf Pump. Seine Ehe ist geschieden, seine Frau mit der Teenager-Tochter nach Deutschland zurückgekehrt. Er lebt für die Paar Wochen im Jahr, in denen er seiner Tochter Allegra die Nummer vom erfolgreichen Superpapa vorspielen kann. Er mietet einen Jaguar, 'hütet' eine Prunkvilla, deren Besitzer in Urlaub ist und telefoniert - angeblich - ständig mit Hollywood. Rainer glaubt fast selbst selbst an das, was er Allegra vorspielt. Doch der Besitzer der Villa kommt zurück ...
Ein wunderbares Buch! Es ist voller einfühlsamer Charakterbeschreibungen der unterschiedlichsten Persönlichkeiten mit all ihren Unzulänglichkeiten. Bei allem herrlichen Sarkasmus wird keine Figur denunziert - selbst die unsympathischsten Menschen erscheinen einem mitunter liebenswert in ihrer Verletzlichkeit. Es geht um Versagens- und Verlustängste, um die Suche nach Liebe, um Eitelkeit, Vergänglichkeit und Tod. Auch die Welt der Toten spielt eine Rolle (Stichwort Channelling). Und man bekommt Einblicke in die Filmbranche in Hollywood sowie in amerikanische Gewohnheiten aus deutscher Sicht. Ebenso werden gelegentlich die Deutschen aus amerikanischer Sicht gezeigt. Ach ja, und die kalifornische Wellness-Yoga-Kultur bekommt auch ihr Fett weg. Und natürlich - wie häufig bei Doris Dörrie - spielt auch Japan eine Rolle.
Relativ schwieriger Einstieg. Die Protagonisten sind alle anstrengend in ihrem gescheiterten Leben. Keiner verhält sich vorbildlich, es gibt einfach keine Helden. Irgendwann hatten sie mich aber doch und dann wollte ich auch wissen, wie es ausgeht - ziemlich offen übrigens:)
Der Schreibstil von Dörrie gefällt mir gut. Leicht zu lesen, aber nicht seicht geschrieben.