In Würde sterben zu dürfen ist ein Menschenrecht. Die Debatte darüber aber, wie dieses Menschenrecht zu schützen sei, wird, wie Oliver Tomleins unbedingt lesenswerte Studie unter anderem deutlich macht, viel zu sehr auf die Frage fokussiert, wie man verhindern kann, dass das leidvolle Sterben hilfloser Todkranker mit maximalem medizinischen Aufwand unnötig in die Länge gezogen wird. So berechtigt dieses Anliegen zweifellos Weitaus mehr Sterbende leiden statt an einer solchen "Überversorgung" an der dramatischen Unterversorgung von Pflegeheimen, Palliativstationen in Krankenhäusern und Hospizen. Und diese Unterversorgung führt viel zu häufig dazu, dass von einem Sterben in Würde keine Rede sein kann! Gegen ein leidvoll hinausgezögertes Sterben kann man sich mit einer frühzeitig verfassten Patientenverfügung leidlich schützen. Leidlich, weil Patientenverfügungen einerseits notwendigerweise starr und unflexibel sind, andererseits "weil sie zumeist zu einem Zeitpunkt verfasst werden, da gerade noch nicht absehbar ist, angesichts welcher konkreten Lage sie gebraucht werden können". Die Bevollmächtigung eines Verwandten oder einer anderen nahestehenden Person ist da oft, wie Tomlein zeigt, der bessere Weg sicherzustellen, dass der eigene Wille möglichst auch dann für die weitere Behandlung maßgebend bleibt, wenn man diesen Willen nicht mehr selbst zum Ausdruck bringen kann. Gegen die fehlende personelle und finanzielle Ausstattung von Pflegeheimen, Hospizen und palliativmedizinischen Stationen in den Krankenhäusern hat man dagegen nur wenig Handhabe. Hier müssen wir als Gesellschaft Sorge dafür tragen, dass die Weichen neu gestellt werden und das Sterben einen angemessenen Platz in unserem Leben erhält. Ein profund recherchiertes Buch zu einem Thema, mit dem man sich vielleicht nur ungern befasst, um das man sich auf Dauer aber nicht herumdrücken kann! Wir alle müssen irgendwann sterben. Es ist deshalb an uns dafür zu sorgen, dass wir dies in Würde möglich ist. -- Hasso Greb