"She was an open book, a life with no end that had hardly begun."
Eines Tages verschwand Beatrice, ihre Familie glaubte jahrelang, dass sie ermordet wurde. Seltsamerweise fanden sich damals in der Umgebung ihres Hauses, im Wald und im Moor, Gegenstände, die ihr sehr wichtig waren. Fast zwanzig Jahre später taucht ein junges Mädchen auf, das Beatrices Verschwinden in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.
Noëlle Harrisons Debutroman Beatrice ist brillant. Dabei ist die Geschichte nicht neu oder besonders. Es liegt an der Art, wie sie erzählt. Ihr Stil ist fast lyrisch und legt menschliche Gefühle bloß. Die einzelnen Kapitel sind mit den Fundstücken betitelt, der Schal etc. und erzählen aus der Sicht verschiedener Personen, was geschah und wie sie mit diesem Schicksalsschlag umgingen.
Eithne, Beatrices jüngere Schwester, ist die einzige Ich-Erzählerin. Sie hat den Verlust der Schwester nie überwinden können und verarbeitet ihre Trauer in ihrer Kunst, sie ist Fotografin. Über die anderen Familienmitglieder wird in der dritten Person geschrieben. Die Geschichte von Sarah, die Mutter, ist eigentlich Beatrices pränatale Geschichte. Denn das, was in dieser Familie später geschieht, begann schon lange Zeit vorher. Und man möchte als Leser Sarah manchmal schütteln und ihr Paß auf! zurufen. Auch die abwesende Beatrice wirbelt in ihrer jugendlich-unangepassten und lebensfrohen Art durch ein irisches Dorf in den achtziger Jahren.
Das Tragische an der Geschichte dieser Familie ist, dass nur der Leser alle Teile des Geschehens erfährt, die Beteiligten finden nur Bruchstücke der Wahrheit. Und das Traurige daran ist, dass es sie kaputt macht, auch wenn es ein klein wenig Hoffnung für einige von ihnen gibt. Und selbst wenn sie wüssten, hätte es ihnen keinen Schmerz ersparen können. Sie können versuchen, daran zu wachsen und einen eigenen Weg zu finden.