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Luciano De Crescenzo hat in seinem Buch Das Urteil des Paris auf 157 Seiten eine unterhaltsame Lösung für solche die Ilias betreffende Probleme bereitgestellt. Er erzählt darin die sagenhafte Geschichte des Trojanischen Krieges nach und greift dabei nicht nur auf Homers Hauptquelle zurück, die immerhin die Gemüter der Menschen fast 3000 Jahre lang ausreichend erregte, um kontinuierlich überliefert zu werden. Zusätzlich zitiert der Autor, immer darum bemüht, die packendste Version zu bieten, aus den bekannten griechischen Dramatikern, zieht Vergil, Ovid und weitere, teils noch spätere, unbekanntere Autoren heran, um im Überblick ein leichter zu erfassendes Bild dieser in der Vielfalt ihrer Versionen nicht ganz einfach zu durchschauenden Geschichte zu entwerfen. Wie schon in früheren Büchern gelingt De Crescenzo dieses Vorhaben, das dem Leser nicht nur hilft, in Zukunft Namen und Handlungsstränge in ein großes Ganzes zu stellen, sondern ihn vielleicht auch dazu veranlasst, die eine oder andere Geschichte im "Original" nachzulesen.
Dass dabei der oft recht flapsige Tonfall des Autors in hartem Kontrast zum hehren Klang Voß'scher Übersetzungskunst steht, wirkt des öfteren befremdlich und mag mit der Auswahl der deutschen Übersetzungen antiker Texte durch den Herausgeber zusammenhängen, kann aber den Nutzen für alle, die sich bis jetzt nicht getraut haben, kaum schmälern.--Burkhard Steinmüller
140 pages, Cofanetto
First published January 1, 1994