Familie Wünschmann ist nicht glücklich. Da ist Emma, unzufriedene Mutter und Ehefrau, deren Kinderbuchhandlung einen langsamen Tod des kundschaftlichen Desinteresses stirbt, und die sich nur allzu bewusst des Lebens als erfolgreiche Lektorin und Weltenbummlerin ist, dass sie für ihre dysfunktionale Familie aufgegeben hat. Frank, Vater und Ehemann, der sich in einer Arbeit, die er nicht mag, völlig verausgabt und dabei Frau und Kinder vernachlässigt. Fee, der unverstandene Teenager, der in der Schule sitzen zu bleiben droht und sich mit einer Sinnkrise bezüglich ihrer Zukunft und des Lebens herumschlägt. Und dann ist da noch Max, der Jüngste, eine in sich gekehrte, überdurchschnittlich intelligente Leseratte, die in der Schule gemobbt wird.
Es kommt wie es kommen muss: als sich die Familienkrise auf dem Höhepunkt befindet, tritt eine Hexe, Baba Yaga, auf die Bühne, und verwandelt die Wünschmanns prompt in übernatürliche Wesen: Emma in einen Vampir, Frank in Frankensteins Monster, Fee in eine Mumie, und Max in einen Werwolf. Darüber sind sie nicht sonderlich happy, und um den Zauber rückgängig zu machen, jagen sie der Hexe nach, und müssen sich Herausforderungen stellen, die sie als Familie wieder zusammenbringt: Schlägereien mit düsteren Bikern, Kämpfe gegen zum Leben erwachten Wachsfiguren, dem Verdurstungstod in der Wüste, der liebeskranken Mumie Imhotep, und nicht zu letzt dem Sexgott Dracula, dessentwegen sie überhaupt in diesem Schlamassel stecken, und der den dritten Weltkrieg entfachen will. Und am Ende? Am Ende gibt's ein Happy End für die "Happy Family". Natürlich.
Nur ich war nicht happy. Nicht am Anfangt, nicht in der Mitte, und am Ende schon gar nicht.
Gut, ich bin nicht mit der Erwartung von Genialität an dieses Buch herangegangen, aber dass es sich auf solch einem Null-Acht-Fünfzehn-Niveau bewegt, und es dabei noch nicht mal schafft witzig zu sein, na, das hat mich dann doch überrascht.
Was hat mir nicht gefallen?
Nun, da gab es erst mal einige Kleinigkeiten, die mir aufgestoßen sind.
Beispielsweise, dass Safiers Vampiren einige Organe fehlen (das Herz, die Lunge...) - ich frag mich, wann wurden die denn bitte entfernt?
Dass Max sich in seine Peinigerin aus der Schule verliebt. Unrealistisch und ungesund. Perverse Version des Stockholm-Syndroms?
Dass Dracula dann doch der Bösewicht war.
Dass Fee so ein Miststück zu ihrer Familie ist, und als sie es endlich zuhören kriegt, die Beleidigten-Verletztsein-Karte spielt, und Emma wieder einknickt und das ganze schlechte Gewissen auf sich lädt. Ich bin wirklich kein Unterstützer von Gewalt, aber manche Menschen haben es einfach nötig eine schöne, kräftige Schelle zu kriegen.
Dass die halbtoten Märchenwesen in Draculas Verlies wieder quicklebendig sind sobald nur ihre Gefängnistüren geöffnet werden.
Dass der Plot so vorhersehbar ist.
Darüber könnte ich vielleicht hinweg sehen, wenn ich nicht auch noch größere Hühner mit diesem Buch zu rupfen hätte:
1. David Safier scheint offensichtlich zu denken, dass seine Leserschaft geistig minderbemittelt ist. Denn aus welch anderem Grund könnte er es sonst für nötig zu halten, absolut alles auszubuchstabieren? Vielen Dank, ich hab die Bedeutung der Riesenrad-Episode verstanden, ich brauch nicht noch eine zusammenfassende Erklärung, die mir sagt, wer wie was gemacht hat und warum das jetzt toll für die Wünschmanns ist. Man muss auch nicht jede Gefühlsregung erwähnen und analysieren und in Häppchen dem Leser darbieten - der Kontext und die vorangegangen Seiten sprechen für sich selbst.
2. Man erhält konstant einen Vortrag darüber, was der Sinn des Leben ist (anderen Menschen zu helfen) und was das wichtigste im Leben ist (die Liebe). Das sind nicht Dinge, die nur die Charaktere für sich entdecken und auf sie zutrifft, nein, Safier macht es durch seine Verallgemeinerung sehr deutlich, dass das für uns alle gilt. Safiers Meinung ist nicht eine Möglichkeit, es ist die einzig und wahre.
3. Die übermäßige Benutzung von "Intellektuellem-Vokabular". Hey, seht her, was ich für ein gebildeter und eloquenter Autor bin! Das treibt mich in den Wahnsinn. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen eine vielfältige und elegante Ausdrucksweise, ich mag's nur nicht, wenn diese herablassend wirkt. Mir ist auch bewusst, dass Max superintelligent und belesen sein soll und daher Wörter verwendet, die eindeutig über dem Sprachniveau seiner Altersgrupppe, aber auch über dem des Durchschnitts-Erwachsenen, liegen. Trotzdem fand ich es schwer in seinen Erzähl-Teilen darüber hinweg zu sehen. Außerdem benutzen auch andere Charaktere nicht-alltägliches Vokabular, bei denen es keine passende Erklärung der Superintelligenz gibt.
4. Das Buch ist nicht witzig. Zutreffender wahrscheinlich: es spricht nicht meinen Humor an. Keiner der Witze, keine der Bezüge auf die Popkultur, keiner der Charaktere konnte mich zum Lachen bringen. Die unablässige Schlagfertigkeit aller Personen,auch in Gefahrsituationen, fand ich unrealistisch und daher nicht sonderlich amüsant. Originell war eigentlich auch nichts davon.
5. Das Friede-Freude-Eierkuchen-Wir-Sind-Jetzt-Alle-Bessere-Menschen-Und-Haben-Den-Wert-Der-Mensche-Um-Uns-Erkannt-Und-Sind-Eine-Glückliche-Familie-Ende. Und, oh, außerdem werden wir jetzt gemeinsam Captain Hook in den Hintern treten.
Gerechterweise werden einige jetzt vielleicht fragen, warum ich den "Happy Family" um Gottes Willen, 2 Sterne gegeben habe, wenn ich doch offensichtlich so viel daran auszusetzten habe. Die Antwort ist, dass es mir trotz allem, und ich kann es mir selbst nicht erklären, irgendwo Spaß gemacht hat es zu lesen.