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Der Himmel ist kein Ort

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Mit seinem neuen Roman erweist sich Dieter Wellershoff erneut als Meister der subtilen Einfühlung und der insistierenden Infragestellung von Üblichkeiten und Gewissheiten. Mit der Geschichte des evangelischen Pfarrers Ralf Henrichsen, der die Folgen eines tragischen Verkehrsunfalls seelsorgerisch begleiten muss und dadurch in eine existentielle Krise gerät, erzählt er von einem Prototypen unserer Zeit: dem problematischen Individuum in einer zufälligen Welt, dessen Sinn- und Lebensentwürfe unter erhöhtem Rechtfertigungsdruck stehen.

Der Roman beginnt wie ein Krimi und entwickelt sich zu einem figurenreichen Gesellschaftsdrama. Hauptfigur ist ein junger Landpfarrer, der eines Nachts zu einem Unfallort gerufen wird. Ein Auto ist von der Straße abgekommen und in einen See gestürzt. Der Fahrer hat sich gerettet, seine Frau und sein Sohn werden leblos geborgen. Wie das geschehen konnte, ist unklar. Schon bald nimmt das angebliche Unglück unheimliche Züge an. Der Pfarrer hält trotzdem an der Unschuldsvermutung fest und bringt fast alle Gemeindemitglieder gegen sich auf.

Dieter Wellershoff erzählt mit ausgeprägtem Gespür für Stimmungen und Gefühle, wie ein Mann, der in der Gewissheit einer sinnstiftenden Ordnung gelebt hat, an Grenzen gerät – seine eigenen und die einer Institution, deren Anspruch es ist, Orientierung zu bieten und Halt zu gewähren.

299 pages, Hardcover

First published August 24, 2009

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About the author

Dieter Wellershoff

74 books5 followers
Dieter Wellershoff was a German author and essayist who has published numerous works for over half a century.

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Profile Image for gardienne_du_feu.
1,469 reviews12 followers
July 10, 2013
Ralf Henrichsen ist (evangelischer) Pfarrer in einer Kleinstadt in Norddeutschland. Dass er als Notfallseelsorger gelistet ist, hatte er schon fast vergessen, als in einer regnerischen Nacht sein Telefon klingelt und er zu einem tödlichen Unfall gerufen wird. Ein Auto ist in einen See gestürzt, der Fahrer, ein Lehrer namens Karbe, konnte sich retten, während seine Frau nur tot geborgen werden kann. Der gemeinsame Sohn kommt mit schweren Hirnschäden ins Krankenhaus.

Henrichsen fährt pflichtbewusst zum Unfallort, erreicht den Unglücksfahrer aber nicht mit seinem Versuch, ihm beizustehen. Damit beginnt eine Phase des Zweifelns. Zweifel daran, ob es wirklich ein Unfall war, Zweifel an seiner Eignung für den Beruf des Pfarrers und, am allerschlimmsten für ihn, Zweifel daran, ob es überhaupt einen Gott gibt und ob er das, woran er doch schon alleine von Amts wegen glauben müsste, überhaupt noch glauben kann.

In der Gemeinde zerreißt man sich inzwischen die Mäuler über das tödliche Unglück, wilde Theorien werden gesponnen, und Henrichsen fragt sich, was davon nun Klatsch und was Wahrheit ist, gerät in den Fokus der Presse und hat immer mehr das Gefühl, dass ihm alles über den Kopf wächst. Hinzu kommen noch überraschend persönliche Briefe von einer Frau, die er nur einmal kurz gesehen hat. Kurz, Henrichsens bisher zwar nicht gerade aufregend-erfüllendes, aber doch ganz brauchbares Leben steht völlig kopf.

Ein zweifelnder Pfarrer, dessen Gemeinde anlässlich eines rätselhaften Autounfalls gespalten ist, der sich mit unverhofften Liebesbriefen auseinandersetzen muss und sich seinem Job nicht mehr gewachsen fühlt, ist eine interessanter Protagonist. Dachte ich jedenfalls, als ich anfing zu lesen. Mein erstes Problem war, dass ich diesen Ralf Henrichsen nicht wirklich mochte. Seine Zweifel und seine Unvollkommenheiten sind zwar menschlich und durchaus sympathisch, sein schon fast übergriffiges Verhalten, als er Karbe unbedingt besuchen und mit ihm über den Unfall und die anstehende Beerdigung seiner Frau reden will, ging mir aber gewaltig gegen den Strich.

Aber ich muss eine Figur ja nicht zwingend mögen, um ihre Geschichte gerne zu lesen. Die ungeklärten Unfallumstände und die gegensätzlichen Aussagen verschiedener Seiten über das Verhältnis zwischen Karbe und seiner Frau waren überdies doch ziemlich spannend.

Leider tritt der "Fall Karbe" dann aber erst einmal stark in den Hintergrund, während Henrichsen mit sich selbst kämpft, an einer Theologentagung teilnimmt und mit sich ringt, ob er die mysteriöse Briefschreiberin aufsuchen soll oder nicht. Diese reichlich bizarre Liebesgeschichte passte für mich so überhaupt nicht zu Henrichsen, wie er beschrieben wird, und die Tagung selbst ist zwar ein Aha-Erlebnis für den ins Wanken geratenen Pfarrer, liest sich aber sehr trocken und langweilig mit seitenlangen Ergüssen über Glauben, Kirche und Gottesbilder. (Nicht, dass ich diese Themen generell nicht interessant fände - aber hier waren sie einfach zum Gähnen.)

Die Dialoge empfand ich über weite Strecken als hölzern und die Figuren als farblos und holzschnittartig, sie wurden für mich einfach nicht lebendig.

Ein Buch, das man getrost nach seinem nichtssagenden Cover beurteilen kann!
Profile Image for Phlaemmle.
55 reviews44 followers
July 30, 2011
Irgendwie hatte ich etwas anderes erwartet, mehr Krimi-Spannung-Action - keinen Religionsdiskurs. Doch zu genau diesem mutiert "Der Himmel ist kein Ort", und hat mich aufgrunddessen immer wieder aussteigen lassen, nicht aufgrund der Komplexität des geschilderten Disputs, sondern aufgrund der Langatmigkeit der Glaubensdiskussionen und der Seitengeschichten bezüglich der Gefühlswelt des Herrn Pfarrers. Die Stimme des Sprechers hat dabei nicht geholfen, seine eher ruhige, sonore Stimme hat die Gedanken leicht von dem Hörbuch abschweifen lassen. Die Suche nach der Verknüpfung der Geschichten, der genialen Auflösung der Romankomposition bleibt vergeblich. Ein Buch, das man wohl eher lesen als hören sollte.
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