Wir spalten Atome, wir sagen voraus, was in Milliarden von Jahren mit der Sonne geschehen wird, und machen bei der Entschlüsselung des genetischen Codes des Menschen dramatische Fortschritte. Man könnte meinen, die Wissenschaft habe keine echten Geheimnisse mehr zu bieten. Weit gefehlt. Ob im Alltag, in der Tiefsee oder am Rande des Universums, wir stehen vor lauter ungelösten Rätseln: Wieso ist die rechte Hirnhälfte für die linke Körperhälfte zuständig? Wie viel wiegt ein Kilogramm? Wer oder was verursacht die sonderbaren Laute aus der Tiefsee? Woher kommt das Rauschen im All? Kann man Gedanken lesen? Warum kriegt der Zitteraal nicht selbst einen Schlag? Und dann die Frage, die hinter allen anderen Fragen lauert: Was ist das eigentlich, Wissen?
Die Grundidee dieses populärwissenschaftlichen Buches ist gleichermaßen einfach wie genial: wir alle sind Lexika gewöhnt, die das vorhandene Wissen zu einer Fülle von Stichworten zusammentragen und mehr oder weniger kompakt darstellen. (Gut, jüngere Menschen kennen wahrscheinlich nur Bolschewikipedia, ältere wissen noch mit dem Wort Brockhaus etwas anzufangen. Als Kind und jüngerer Teenager hatte ich die Vorliebe, im Brockhaus meiner Eltern - ein 20-bändiges Nachschlagewerk - zu blättern und so die Welt ein Stück besser kennenzulernen.)
Dieses Lexikon dagegen verspricht, dass man nach seiner Lektüre weniger weiss, als man vorher zu wissen glaubte, denn es führt allerlei Themen aus Wissenschaft und Mathematik aus, bei denen man NICHT weiss, wie es sich verhält oder wie das funktioniert. Dabei will das Buch klar mehr unterhalten als zu informieren, was sich in einer oft ironischen und lustigen Sprache ausdrückt. Auch ist die Tiefe der Problembeschreibung nicht sehr tief, daher der Begriff populärwissenschaftlich. Die Autoren bemühen sie um eine allgemein verständliche Darstellung des jeweiligen Themas.
Soweit so gut. Nun hängt die Attraktivität so eines Werks klarerweise von der Auswahl der Stichworte ab und von der Darstellung des Themas. Bei ersterem sehe ich ein Problem. Zwar versuchte man "gut" zu mischen und Stichworte aus ganz verschiedenen Themengebieten zu wählen, damit möglichst viele Leser sich angesprochen fühlen. Doch das scheint mir angesichts der Variabilität der Präferenzen von Anfang an aussichtslos. So haben mich persönlich nur etwa 20 Prozent der Themen angesprochen und der Rest war mehr oder weniger uninteressant für mich. Bei Themen, die mich ansprachen, hätte ich auch eher eine tiefergehende Erörterung bevorzugt. Zudem gab es Themen, bei denen ich mich zufällig auskannte und wo die neusten Erkenntnisse nicht berücksichtigt waren. Ein Grundproblem jedes gedruckten Lexikons.
Ganz okay und unterhaltend war die Lektüre dennoch.
Der Selbsteinschätzung von Kathrin Passig folgend, gebe ich vier Sterne. Beim Lesen stellte ich mir immer vor, dass Aleks Scholz die trockene Theorie aufschreibt und Passig dann das Ganze in Google Docs mit trockenem Humor bearbeitet.