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Gegenaufklärung: Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft

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Die postmoderne Philosophie ist nichts anderes als »das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie« (Adorno). Weil der radikale Bruch mit dem Denken, das zu Auschwitz führte, ausblieb, weil vielmehr bereits in den sechziger Jahren gerade von links in vermeintlich tabubrecherischer Weise versucht wurde, die nationalsozialistische Philosophie für scheinbar »emanzipatorische« Projekte nutzbar zu machen, erscheint die deutsche Ideologie heute als links und progressiv. Diese neueste deutsche Ideologie ist nicht nur eine philosophische Strömung, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Tendenz. Die postmoderne Übung, jede allgemeine Begriffsbestimmung als »logozentrisch« und jede Betrachtung der Gesellschaft unter Vernunftkriterien als totalitär zu denunzieren, ist sowohl Reflex der objektiven Unbrauchbarkeit der Welt unter den Verhältnissen spätkapitalistischer Vergesellschaftung als auch der Versuch einer Sinnstiftung ebendieser Verhältnisse. In seinem Kult der Unmittelbarkeit schließlich sucht der Poststrukturalismus den Schulterschluß mit dem radikalen Islam und verrät jede Idee von Versöhnung.
Mit Beiträgen von Manfred Dahlmann, Martin Dornis, Alex Gruber, Birte Hewera, Tjark Kunstreich, Philipp Lenhard, Niklaas Machunsky, Florian Ruttner und Gerhard Scheit.

302 pages, Paperback

Published June 1, 2011

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Alex Gruber

17 books1 follower

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Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Marius.
49 reviews22 followers
June 12, 2026
Einige Beiträge dieses Sammelbands zur grundlegenden Auseinandersetzung mit postmoderner Ideologie seien hier kurz hervorgehoben.

Birte Hewera beschäftigt sich mit der Bedeutung des Neopositivismus und Sartres Existentialismus für Jean Améry und seiner Kritik am Strukturalismus mit Foucault als „gefährlichste[n] Gegen-Aufklärer“ (77).

Florian Ruttner nimmt die Bedeutung des Mythos als zentralen Moment für die Massenmobilisierung bei Georges Sorel, Georges Bataille und Foucault in den Blick. Aufschlussreich sind seine Ausführungen zu Foucault, der mit seinem unbedingten Machtfokus zunächst das Subjekt in den Hintergrund treten ließ, es aber im Zuge der islamischen Revolution im Iran wiederentdeckte. Allerdings strebt er daraufhin nicht nach der Entfaltung des Individuums, sondern nach dem Aufgehen im Kollektiv und hält das Festhalten an Spiritualität und dem Mythos für unabdingbar. Dies geht mit seiner Sympathie für das Vormoderne einher. Die Bewegung der iranischen Revolution begeistert ihn, wobei er die „politisch-spirituelle[] Form“ von ihrem „archaischen Inhalt“ (109) zu trennen beabsichtigt, was allerdings zum Scheitern verurteilt ist.

Mitherausgeber Philipp Lenhard schreibt über den auch in den letzten Jahren omnipräsenten Zusammenhang von Antirassismus und Israelhass. Postmodernen Antirassismus charakterisiert er als „erfolgreiche Sekte“ (195), der wiederum auf der im Antiimperialismus verbreiteten simplifizierenden Dichotomie von unterdrückten Völkern und „abstrakten, verschwörerischen Kräften“ (196) beruht. Die „Neue Linke“ entpuppte sich so als „antiwestliche Avantgarde“ (ebd.). Weiter führt Lenhard, auch in Bezug auf Arendts politische statt ideologiekritische und psychoanalytische Deutung des Antisemitismus, aus, wie antirassistische Theorie in letzter Konsequenz als „antifaschistisch getünchte Form der Holocaust-Relativierung“ (200) daherkommt. Exemplarisch steht Étienne Balibars Palästina-Aktivismus mit seinen Apartheid- und Kolonialismus-Vorwürfen, Boykott-Forderungen für die seit Jahrzehnten ewig gleiche antizionistische und damit antisemitische Litanei der postmodernen Theoretiker.

In seinem zweiten Beitrag, der das Buch beschließt, hebt er unter anderem hervor, dass Heidegger entgegen der Behauptungen seiner poststrukturalistischen Verehrer kein Gesellschaftskritiker war, da er danach strebte, den Zustand der Gesellschaft „als Schicksal anzuerkennen und sich ihm zu unterwerfen“ (286).

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