Los sofistas, los "maestros de Grecia" de quienes habla Hegel, son profesionales del lenguaje, maestros en el arte de persuadir a los jueces, de volcar la opinión en una asamblea, de instruir en la democracia. Hacen obra política cuando la filosofía quiere hacer obra de conocimiento. Platón, que hace del sofista el alter ego negativo del filósofo, lo excluye del campo de la verdad. Aristóteles va aún más allá, pues lo desaloja de la dimensión del sentido y, directamente, del número de los seres humanos. En esta obra, la autora transforma la percepción tradicional de la Antigüedad y de las relaciones entre ésta y la su propuesta es la de una historia sofística de la filosofía.
Barbara Cassin is a French philologist and philosopher. She was elected to the Académie française on 4 May 2018. Cassin is the recipient of the Grand Prize of Philosophy of the Académie française. She is an emeritus Research Director at the National Center for Scientific Research (CNRS) in Paris. Cassin is a program Director at the International College of Philosophy and the director of its Scientific Council and member of its board of directors. She was a director of Collège international de philosophie established by Jacques Derrida.
Barbara Cassins „L'effet sophistique“ ist eine brillante, präzise Analyse der Rolle der Sophistik in der Geschichte der Philosophie. Cassin zeigt, dass die Sophisten, schon in der griechischen Antike als „Meister der Überredung“ geschätzt und zugleich von Platon und Aristoteles als deren „böse Andere“ geächtet, bis heute das Denken über Wahrheit, Sinn und Menschsein prägen. Sie macht deutlich, dass die Sophistik nicht nur historisch, sondern strukturell wirkt: Als Kontrastfolie definiert sie das, was Philosophie sein soll, und provoziert die Reflexion über Sprache, Logos und die Beziehung zwischen Sagen und Sein. Besonders eindrucksvoll ist Cassins Arbeit an den Originaltexten, die sie übersetzt und neu interpretiert, wodurch die Sophistik aus der Rolle des bloßen Gegenspielers der Philosophie befreit wird. Die verhängnisvolle Innovation der Sophisten ist folgenreich: Sie machten Wissen zu einer Ware, die gegen Bezahlung vermittelt wurde – eine ökonomische Logik, die Platon und Aristoteles scharf kritisierten. Dieses historisch gut dokumentierte Vorgehen erzeugte einen Bruch zwischen Wahrheit, Lehre und ethischer Verantwortung und wirft bis heute grundlegende Fragen nach der Kommerzialisierung von Wissen und der Legitimität rhetorischer Macht auf. Damit eröffnet das Buch nicht nur eine neue Perspektive auf das philosophische Erbe, sondern auch auf die politisch-ökonomischen Dimensionen von Wissen. Die Lehre aus der Sophistik ist zugleich historisch und hochaktuell: Die Sophisten machten Wissen zu einer handelbaren Ressource und perfektionierten die Kunst der Überzeugung, um Meinungen zu formen – ein Muster, das sich bis in die moderne Politik fortsetzt. Politikerinnen und Politiker nutzen Rhetorik und Inszenierung gezielt, um vor Wahlen Vertrauen, Zustimmung oder Emotionen zu gewinnen, und nach Wahlen oft andere Narrative zu etablieren, je nach politischem Interesse. Die Sophistik lehrt, dass Sprache und Darstellung nie neutral sind, sondern Macht strukturieren und Wahrnehmung formen. Dabei tritt eine bis heute gültige Einsicht zutage: Reden können und Bescheid wissen sind zwei Fähigkeiten, die notwendig miteinander verknüpft sein können, aber hinreichend voneinander unabhängig bleiben. In dieser Differenz liegt die bleibende Aktualität der Sophistik – und die anhaltende Versuchung der Politik.