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Was Ida sagt

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Ende der Achtzigerjahre lebt Louise in Berlin, aufgewachsen ist sie in der Normandie. Als sie unerwartet auf Ida trifft, eine ihr unbekannte Großcousine, erfährt sie, was ihr bislang verschwiegen wurde: Während die Deutschen Frankreich besetzten, verliebte sich ihre Mutter Paulette in Franz, einen Wehrmachtssoldaten – ein Skandal in Frankreich und für die Familie. Ida verschaffte Paulette ein Alibi für die heimlichen Treffen. Doch Idas Lebensgeschichte birgt noch weit mehr Geheimnisse. Ein Roman über eine außergewöhnliche Familie in der französischen Provinz, der in den Dreißigerjahren beginnt und eng mit den historischen Ereignissen verbunden ist.

320 pages, Paperback

First published October 1, 2011

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About the author

Odile Kennel

16 books3 followers

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Community Reviews

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Profile Image for Tabea.
39 reviews
May 6, 2023
Am Anfang fiel es mir wegen der vielen Namen und Verstrickungen schwer in die (Familien)Geschichte einzutauchen. Vor allem, weil die Geschichte was trauriges hatte. Als ich aber aufhörte mich dagegen zu wehren, legte sich eine unfassbare Melancholie über mich, die mich in ihren Bann zog. Sehr emotionale und lebhafte Erzählweise, die dazu einlud, die Antworten auf all die offenen Fragen der Geschichte zu ergründen.
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
June 8, 2013
"Die Sonne erhitzte ihre Haut, wie sie es nur am Meer vermag, wo die Salzkristalle in der Luft wie winzige Brenngläser wirken. Das Salz ist es, das die Luft am Meer kantiger, das Licht klarer, die Körper unmittelbarer erscheinen lässt, erbarmungslos den Blicken ausgesetzt, und erst gegen Abend werden Licht und Körper weich, wunschlos, wie sie es fern vom Meer nie sind, das Salz in der Luft schärft oder verwischt die Konturen, lässt keine Abstufung zu."

Louise ist zur Beerdigung ihrer Großtante Adrienne in die Normandie gekommen. Als die fremde Frau sie auf Deutsch anspricht und nach dem milimeterkurzen Haarputz der jüngeren Frau greift, entstand vor meinem inneren Auge das beklemmende Bild französischer Frauen, die von Landsleuten mit geschorenem Kopf als Deutschenliebchen durch die Straßen getrieben wurden. Für Louise sind Erinnerungen an die deutsche Besetzung vierzig Jahre nach Kriegsende zu diesem Zeitpunkt ein rein akademisches Thema. Ida verblüfft ihre entfernte Cousine damit, dass sie Deutsch spricht. Niemand hatte Louise erzählt, dass ihre Mutter Paulette und Ida Cousinen sind. Die junge Französin ging vor Jahren nach Deutschland und wird demnächst als Wissenschaftlerin auf der Halbinsel Cotentin über die deutsche Besetzung während des Zweiten Weltkriegs forschen. Der alte Pappkoffer mit Schnappverschluss, den Louise damals packte, stellt die Verbindung zu einer Familiengeschichte voller Geheimnisse und nie ausgesprochener Enttäuschungen dar.

Louise hatte nie verstanden, warum ihre Muter so entsetzt reagierte, als sie in der Schule Deutsch lernen wollte, schließlich würde sie damit ihre Berufschancen verbessern. Als Louise nach Deutschland ging, muss das für Adrienne ein kräftiger Affront gewesen sein. Louise ging nicht nur zum Studium, sie verlässt ihre Heimat ganz. Louise entdeckt, dass ihr privates Ich sehr viel tiefer in die Familiengeschichte eintauchen muss, als das ihrem beruflichen Ich möglich sein würde. Angelpunkte für Louises Spurensuche sind das Familienchalet, das Ferienhaus am Meer, in dem sich die ganze Familie Sommer für Sommer in den Ferien traf und Idas Aufzeichnungen, die bis 1927 zurückreichen.

Idas Mutter erfand über den nicht vorhandenen Vater ihrer Tochter das Märchen vom ertrunkenen Fischer und konnte Ida als Kind dennoch niemals das Gefühl vermitteln, geliebt zu sein. Ida wurde in der Familie hin und her geschoben, bis nach Jahren in den Wirren des Krieges niemand mehr nach ihrer Herkunft fragte. Idas Erzählungen und ihre Aufzeichnungen, die sie Louise zum Lesen überlässt, fügen sich schließlich wie ein Puzzle zu dem sorgsam gehüteten Familiengeheimnis, das nicht allein mit den Geschehnissen während der deutschen Besetzung zu erklären ist.

Idas Erinnerungen bilden eine Schnittstelle zwischen deutscher und französischer Kultur. Auf den ersten Seiten des Romans fragte ich mich, wer Übersetzer/in des Textes ist, bis mir klar wurde, dass Odile Kennel ja das deutsche Original verfasst hat. Die Autorin ist zweisprachig aufgewachsen und hat mir Louises Leben zwischen den beiden Sprachen durch Louises Annährung an Idas Leben nahegebracht. Die komplizierte Familiengeschichte von Paulette und Ida ähnelt streckenweise einem Krimi und fesselt mit ihrer sensiblen Sprache.
Profile Image for Wal.li.
2,562 reviews70 followers
May 6, 2013
Familiengeheimnisse
Jahrelang ist Louise nicht daheim gewesen. Nun führt sie der Beruf zurück in die Normandie und ein Todesfall bringt sie zu einer Beerdigung, allerdings nicht zurück in den Schoß der Familie. Völlig überraschend lernt sie ihre ältere "Cousine" Ida Kempf kennen. Kempf? - das war doch der Name auf dem Aufkleber, der an dem Koffer angebracht war, mit dem Louise sich vor 11 Jahren auf den Weg nach Berlin gemacht hat. Ida und Louise stehlen sich davon und gemeinsam unternehmen sie eine Reise in die Vergangenheit. Damals wuchsen Ida und Paulette (Louises Mutter) fast wie Schwestern auf. Doch wie kam es, dass die beiden sich so entfremdeten?
Louise, die sich nie groß für die Vergangenheit interessierte, wird durch Idas Geschichte doch an ihre eigene Familie herangeführt. Es ist nicht alles so wie gedacht. Auch die eigenen Eltern hatten ein Leben, von dem sie nichts wusste. In zarten Andeutungen wird Louise einiges klar, was sie bisher nicht verstehen konnte. Aus der Sicht der drei Frauen Louise, Ida und Paulette schildert die Autorin die Geschichte der Familie. Mit der Kindheit und Jugend der beiden Älteren von den späten 20er an bis nach dem zweiten Weltkrieg beginnend bis in die Gegenwart des Jahres 1989 kann der Leser die verschlungenen Pfade der drei Frauen verfolgen, kann in die melancholische und dennoch sommerliche Stimmung des Buches eintauchen. Nicht alles wird völlig geklärt, nicht jedes Geheimnis gelüftet. Doch gerade dies macht einen zusätzlichen Reiz des Buches aus. Nah am Leben beschreibt es das Beziehungsgeflecht zwischen Müttern und Töchtern, zwischen Cousinen und anderen Verwandten, nicht immer ist alles so wie man glaubt, nicht jeder möchte alles erzählen, nicht jeder kann alles erzählen, nicht jeder will alles wissen. Und aus den Bruchstücken entsteht doch ein fesselnder Roman.
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