Ein Roman über die Dezemberrevolution in Russland im Jahr 1825, geschrieben über 90 Jahre nach dem Ereignis. Seltsamerweise hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, dass es ein Buch der späten Moderne ist, von einer neuen Sachlichkeit ganz zu schweigen. Hier gibt es keine literarischen Experimente oder ein großes expressionistisches Gemälde von heroischen Kämpfern für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit. Im Gegenteil.
Diese Dekabristen, die diesen Aufstand in St. Petersburg anlässlich der Krönung des neuen Zaren Nikolaus anzetteln wollten, ist von Dilettantismus kaum zu überbieten. Man hat nie das Gefühl, dass sie selbst an einen Erfolg glaubten. Sollen wir den Zaren verhaften oder umbringen oder vielleicht sogar die kompletten Romanows eliminieren. Man vertagte sich am Vorabend darauf, dass man ja am Folgetag sehen könne, wie es läuft. Und standen die Möchtegern-Improviseure am 14.12. mit ihren Garden auf dem Platz, verweigerten den Eid auf den Zaren und warteten ab. Wird ja nichts schlimmes passieren. Bis die zargetreuen Regimenter die stehende Revolution in Stücke schoss und mehr als 1200 Menschen an diesem Tag ihr Leben ließen.
Eigentlich ein interessanter Stoff für einen Roman. Was der Autor daraus machte, langweilte mich aber über weite Strecken. Als dann am Ende die Hinrichtungen teilweise misslangen, weil die Hälse der Verurteilten aufgrund der Nässe durch die Schlingen rutschten, war dieser Dezemberposse echt die Zarenkrone aufgesetzt. Unter geschichtlichen Aspekten eine interessante Beschäftigung mit der Historie Russlands, unter literarischem Aspekten ziemlich enttäuschend in meinen Augen.