Sechs Menschen begeben sich auf eine gemeinsame Reise. Das kann schon unter normalen Umständen unangenehm werden. Bei dieser Reise treffen nicht nur unterschiedliche Charaktere und Sichtweisen aufeinander, sondern es gibt auch keine klare Rangwordnung. Der Eigner hat nicht genug Erfahrung, der Segler mit der meisten Erfahrung ist keine Füfhrungspersönlichkeit und die beiden Chartergäste haben zwar einige Erahrung, aber sie werden nicht erst genommen.
Röttich wirkt am Anfang der Reise sehr kompetent. Er kann nicht nur scheinbar alles reaprieren, sondern er ist auch der Einzige, der wirklich navigieren kann. Aber er ist auch sehr streng den anderen gegenüber. Seine Vorstellungen vom richtigen Verhalten an Bord kann niemand erfüllen. Dazu kommen noch sein oberlehrerhafter Ton und dass er schnell beleidigt ist. Das schafft eine immer größer werdende Lücke zwischen ihm, seiner Freunden und den anderen vier Seglern. Irgendwann wird deutlich, dass er mehr ein Theoretiker ist und nur wenig praktische Erfarung hat. Trotzdem ist er immer noch derjenige, der alle Entscheidungen trifft, die das Segeln betreffen.
Hätte das Drama verhindert werden können, wenn man früher klare Fronten geschaffen hätte? Vielleicht hätte es aufgeschoben werden können, aber die Situation wäre meiner Meinung nach trotzdem eskaliert. Rottich unternimmt die Reise mit einem ganz bestimmten Ziel und geht davon aus, dass er dabei von seinen Mitseglern unterstützt wird, ohne dass er mit ihnen darüber spricht. Diesem Ziel ordnet er alles unter. Aber wäre er überhaupt mitgenommen worden, wenn seine Pläne bekannt gewesen?
Dass er ausgerechnet in diesem einen Moment zur Waffe griff, fand ich ungewöhnlich. Für mich gab es andere Momente, die mehr Spannungspotential hatten. Was mir aufgefallen ist, war aber, dass er keine Reue über seine Taten gezeigt hat. Wie auch in allen anderen Situationen an Bord fühlte er sich absolut im Recht.
Es ist eine interessante Geschichte, die Klaus Hympendahl da erzählt.
Basierend auf einer wahren Geschichte beschreibt Klaus Hympendahl die katastrophale Atlantiküberfahrt der Yacht Apollonia, bei der zwei Menschen ums Leben kommen. Das Buch ist interessant für Menschen, die sich fürs Segeln interessieren, da viele Segelbegriffe verwendet werden. Aber auch psychologisch ist das Buch spannend. Es zeigt, was ungleiche Interessen, ungeklärte Hierarchien und daraus resultierende Konflikte an Bord auslösen können, wo keiner der spannungsgeladenen Situation entfliehen kann.
Wahre Geschichte, liest sich wie ein spannender Thriller, geschickt verwoben mit Auszügen aus Polizeiberichten, Zeitungsartikeln und dem effektiven Gerichtsurteil. Kernthema: Was passiert, wenn Menschen auf engstem Raum miteinander auskommen müssen, bei unklaren Hierarchien. Grossartig und auch für Nicht-Segler unbedingt lesenswert!