Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter ist Cynthia Aschenbrenner zusammen mit ihren Vater Thomas auf sich allein gestellt. Von Trauer überwältigt versuchen beide, ihr Leben so gut es geht zu gestalten und halten wie Pech und Schwefel zusammen, bis Stephanie Wolters in ihr Leben tritt. Die Frau wirkt auf Cynthia wie ein Fremdkörper und wird nur "diese Frau" genannt. Zu ihrem Pech hat Stephanie auch noch zwei Kinder in Cynthias Alter, die ihr das Leben schwer machen.
Als Thomas beschließt, mit Stephanie zusammenzuziehen, bricht für Cynthia eine Welt zusammen, was sie jedoch nicht nach außen hin zeigt.
Sie bekommt das kleinste Zimmer in der Wohnung und ist zum Großteil für den Haushalt verantwortlich, weil es sonst keiner macht. Da kann man sich schon mal wie Aschenputtel fühlen.
Durch ihre Liebe zur Kunst lernt Cynthia den 20-jährigen Studenten Daniel Petersen kennen, der sie jedoch nicht wirklich wahrnimmt. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn und versucht sein Herz zu erobern, was sich als schwieriger herausstellt, als zunächst befürchtet.
Kann Cynthia am Ende vllt. doch wie Aschenputtel mit ihrem Märchenprinzen zusammen kommen oder enden Märchen doch nicht immer mit meinem Happy End?
"Cinderella Undercover" ist bereits das dritte Märchen, dass von Gabriella Engelmann modernisiert wird. Nach Schneewittchen und Dornröschen bekommt nun Aschenputtel ihre ganz eigene, moderne Geschichte, die das Leben der 16-jährigen Cynthia Aschenbrenner erzählt.
Mit "Cinderella Undercover" nimmt die Autorin ihre Leser auf eine ereignisreiche Stadtrundfahrt durch Hamburg mit, die immer wieder interessant ist.
Neben bereits bekannten Schauplätzen aus anderen Märchenbüchern, wie z.B. dem Schloßhotel aus "Hundert Jahre ungeküsst", lernt man hier viele tolle neue Orte kennen, die Lust auf eine spontane Hamburgtour machen.
Der Schreibstil ist wie immer wunderbar. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Gabriella Engelmann hat ein tolles Gespür dafür, sich in die Gedanken und Gefühle von Teenagern zu versetzen, ohne das es zu aufgesetzt oder übertrieben wirkt.
Interessant ist auch, wie die Autorin auf das Thema Patchwork-Familie eingeht und nicht einfach nur die "Böse Stiefmutter und ihre Töchter" in eine Ecke drängt.
Es ist schön zu sehen, wie hier auch auf die Unsicherheit von Stephanie und ihren Töchtern eingegangen wird, an denen die Umstellung ebenfalls nicht spurlos vorübergeht.
Obwohl man ja im Normalfall weiß, wie ein Märchen endet, war der Weg dorthin doch voller Überraschungen und so manche Situation war für mich unvorhersehbar.
Das Personenregister direkt am Anfang ist toll zusammengefasst und bringt einem die Protagonisten direkt näher. So konnte ich direkt zu Anfang meine Lieblinge und "Hassobjekte" finden, deren Entwicklung ich im Laufe der Geschichte bestens beobachten konnte. Und die Entwicklung der Charaktere ist wirklich großartig!
Cynthia war mir sofort sympathisch. Ihre leicht schüchterne, aber dennoch direkte Art macht sie zu einer tollen Protagonistin, die man einfach gern haben muss. Ihre Liebe zur Kunst und Büchern wird gut dargestellt, ohne übertrieben zu wirken. Sie ist verantwortungsbewusst und sehr reif für ihr Alter.
Obwohl ihr Vater nicht gerade wenig Geld besitzt, möchte sie nicht von ihm abhängig sein und sucht sich einen Job in der Bar "Erste Liebe". Neben ihrer Arbeit in der Bar arbeitet sie gleichzeitig mit ihrem besten Freund Gernot, genannt GG, in seinem Atelier und hilft ihm dort bei seiner neuen Kollektion.
Ihre Verliebtheit bzgl. Daniel ist süß zu verfolgen. Sie schwärmt für ihn und möchte unbedingt bei ihm auffallen, ist aber gleichzeitig zu schüchtern, ihn anzusprechen. Trotzdem wirkt dies weder zu kindlich, noch zu naiv.
Ihr Verhältnis zu ihren neuen Schwestern ist schwierig, da sich beide abkapseln und weder im Haushalt beitragen, noch sonst respektvoll mit Cynthias persönlichen Sachen oder ihren Freunden umgehen.
GG ist mein absoluter Liebling in dem Buch. Er ist ein typischer Designer, der zu Gefühlsausbrüchen neigt und Cynthia gerne "Liebchen" nennt. Er legt großen Wert auf ihre Meinung und ihre Ideen und fördert ihre Kreativität. Aber auch Paulina und Louisa sind immer für Cynthia da und stehen ihr mit Rat und Tat zur Seite.
Ein Highlight in der Geschichte ist La Perla, ein Beo-Vogel, den ihr Vater aus Sri Lanka mitgebracht hat. Der Vogel lernt schnell und spricht in kurzer Zeit ganze Sätze, die Cynthia manchmal ganz schön in den Wahnsinn treiben, aber auch oft zum Lachen bringen.
Das Cover ist wunderschön und passt sehr gut zu Aschenputtel, ohne zu kitschig zu wirken. Die Chucks sind ein toller Gegensatz zum Glasschuh und die Kutsche passt perfekt zum ursprünglichen Märchen.
Insgesamt konnte mich Gabriella Engelmann" erneut von ihrem großen Talent überzeugen und die Geschichte hat mir ein paar tolle Lesestunden beschert. Ich freue mich schon auf viele weitere Märchen. :)