5. Mai 2011 Wo die Liebe sich in Luft auflöst, fängt Literatur "Luft und Liebe" ist eine mitreißende Liebes- und Verratsgeschichte, ein großes literarisches Vergnügen. Die große Liebe gibt es das? Anfang Vierzig und in Herzensdingen längst an das ganz normale Glück oder Unglück gewöhnt, begegnet sie in Paris einem nicht mehr ganz jungen Mann mit Bauchansatz, nach dem sich auf der Straße niemand umdrehen würde. Aber entgegen alle Erwartungen ist er der Mann, auf den die Heldin gewartet Er ist zärtlich, aufmerksam und charmant, Hals über Kopf verliebt und verspricht ihr den Himmel auf Erden. Und um die Idylle vollkommen zu machen, lebt dieser Märchenprinz auf einem Schloss in der französischen Provinz. Zu schön, um wahr zu sein? Als die Träume gemeinsames Leben, Hochzeit, Kind Realität werden sollen, zerplatzen sie wie Seifenblasen. Und die mit großer Leichtigkeit und funkelnder Ironie erzählte Geschichte nimmt ein Ende mit Schrecken ... Anne Webers sprachliche Brillanz, ihre Fähigkeit, "auf leichte Art ernst zu werden" (Jochen Jung, Die Zeit) machen aus einer unerhörten Begebenheit einen doppelbödigen Roman.
Anne Weber ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie schreibt in deutscher wie auch in französischer Sprache. Ihre Werke wurden mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis, dem 3sat-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis ausgezeichnet. 2020 wurde sie zur Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim ernannt und erhielt den Deutschen Buchpreis. Sie lebt seit 1983 in Paris.
Eine Autorin schreibt in verfremdeter Form eine Liebesgeschichte auf, die sie selbst erlebt hat, ist mit dem Ergebnis unzufrieden, weshalb sie sie ein weiteres Mal erzählt, dabei auf die Verfremdung verzichtet, aber die alte und neue Erzählung immer wieder miteinander verflicht. Auf diese Weise erzählt das Buch nicht nur eine Geschichte doppelt, sondern thematisiert – indem diese Geschichten erzählt werden – Möglichkeiten und Grenzen des autofiktionalen Schreibens. Die Ich-Erzählerin tritt abwechselnd, mitunter auch gleichzeitig, als handelnde und als schreibende Person auf.
Lange bleibt unklar, was genau passiert ist, da die beiden Erzählebenen und die permanente Verfremdung den Erzählfluß immer wieder ins Stocken bringen. Die Verwendung des Begriffs Ritter für den Liebhaber der Frau verweist ebenso wie das verwunschene Schloß ins Märchenhafte, düstere Vorausweisungen deuten auf Gefahr hin. Die komplette Rezension gibt es auf meinem Blog Notizhefte: http://notizhefte.com/2023/08/19/anne...
Wirklich, ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und wollte gleich nach weiteren Werken der Autorin suchen. Ihr Schreibstil ist komisch leicht und gerade nach trockeneren Lektüren wirklich erheiternd.
Die Autorin unternimmt hier das Projekt, über eine dramatisch gescheiterte Liebesbeziehung zu sprechen. Dazu erschafft die Ich-Erzählerin ein weibliches Alter Ego, um sich von den Ereignissen zu distanzieren. Das klingt vielversprechend, in der Ausführung bleibt es aber bemüht bis mühsam. Die "Märchenprinzessin" und ihr Prinz, der sich - welche Überraschung! - als verheiratet herausstellt, bleiben im ganzen Buch farb- und leblos. Fazit: Mehr Luft als Liebe in diesem Roman von Anne Weber, leider!