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Im Krieg verlieren auch die Sieger
«Der Traum vom ewigen Frieden darf keine Utopie bleiben» – Daniela DahnEs ist wieder Krieg in Europa. Und längst geht es nicht mehr um die Frage, ob wir involviert sind, sondern um das Wie. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist die westliche Friedensarchitektur zusammengebrochen. Aber gab es sie denn jemals? Politiker Deutschlands, der USA, der NATO und die Leitmedien erklären unisono, in der Ukraine werde unsere Freiheit verteidigt, deshalb müsse sie siegreich aus dem aufgezwungenen Krieg hervorgehen. Aber geht das überhaupt? Erfüllt unsere Antwort mit Wirtschaftskrieg und Waffenlieferungen den beabsichtigten Zweck? Sind Verhandlungen geeigneter, den Krieg zu beenden?Börne-Preisträgerin Daniela Dahn präsentiert neue Texte zum Krieg in der Ukraine und solche aus der unmittelbaren Zeit über seine Vorgeschichte, den Maidan, die russischen und die westlichen Positionen. Sie zeigt, dass der Westen Teil des Problems ist und die UNO gestärkt werden muss. Und sie wendet sich gegen «Wer den Opfern helfen will, sollte die Genesis von Krisen und Kriegen zur Kenntnis nehmen.»Daniela Dahn «ist eine Kritikerin der Verhältnisse par excellence, sie ist folglich unbequem. Scharfsinnig im Urteil und unabhängig in der Analyse gehört sie zu den mutigen Publizisten dieser Zeit.» Jorge Semprún«Eine radikale Selbstdenkerin.» Der Tagesspiegel
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Community Reviews
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
December 11, 2022
Wie das so ist, wenn man aktuell und eingreifend sein will, dabei aber auf die Behäbigkeit des Mediums angewiesen ist... Stilistisch liegt kein Meisterwerk vor, sondern eins, dem man das Bemühen ansieht, in jedem einzelnen Teil (das Buch besteht aus z.T. umgearbeiteten bzw. gekürzten und aktualisierten Beiträgen, die schon früher veröffentlicht waren) eine Streitschrift gewesen zu sein. Von Vorteil ist das insofern, als der Krieg in der Ukraine in die Konfliktgeschichte seit 1990 eingebettet erscheint, womit im Medienecho längst verloren gegangene Momente erneut vor das geistige Auge treten. Oder wo kann man heute nachlesen (das konnte man nicht einmal früher), warum die Ukraine dem russischen Angriff für alle (?) überraschend standhalten konnte? "Die Streitkräfte der Ukraine bestehen aus: Landstreitkräften, Seestreitkräften, Luftstreitkräften, sowie den strategische Spezialkräften {...] Die Ukraine hatte zu Beginn des Krieges 245 000 bis 340 000 Soldaten und 900 000 Reservisten. [...] Zudem gibt es 102 000 paramilitärische Kräfte. Seit 2014 bekam die Ukraine Waffenlieferungen im Wert von mindestens 51 Milliarden Dollar, die Streitkräfte wurden personell verstärkt, neu gegliedert." (S.30) 51 Milliarden? Das ist 'ne Menge Holz, denn man muss die Summe auf die im Vergleich zu westlichen Ländern deutlich niedrigeren Gestehungskosten im Land beziehen. Kurz: Die USA und GB waren lange vor dem Krieg in die Vorbereitung desselben involviert.
Daniela Dahn lässt keinen Zweifel an ihrer (gut begründeten) Auffassung, dass weder die USA noch die Nato jemals ein Interesse an einem friedlichen und gedeihlichen Zusammenleben in Europa gehabt haben- jedenfalls nicht mir Blick auf Russland: "Bereits seit dem Jahr 2008 wurden in der Ukraine NATO-Manöver wie »Rapid Trident« durchgeführt." (S.50) Stimmt. Ich hab' "die Jungs" seinerzeit beim Stadtgang in Lwiw beobachten und fotografieren können.
Fazit des ansonsten wenig originellen, meint, nichts wirklich Neues enthaltenden Bands, ist denn auch die Feststellung, dass der Westen "gelockt" habe, "ohne in die sicherheitspolitische Verantwortung zu gehen. Opfer dieser Doppelbödigkeit ist nun die Bevölkerung der Ukraine." (S.67-68).
Das mag mancher anders sehen. Insofern liegt der Vorteil einer Lektüre des vorliegenden Bandes darin, dass man sich mit Argumenten und Fakten auseinandersetzen muss, die es - bevor man sie anders interpretiert - erst einmal anzuerkennen gilt. Das ist in der gegenwärtigen Situation schon viel; Daniela Dahn umreißt sozusagen das Kampffeld, das man bei Strafe der Disqualifikation nicht verlassen sollte. Dabei stimme ich der Analyse, die auch ein Aufruf ist, zu, dass die "Initiative für einen Waffenstillstand in der Ukraine und für eine dauerhafte Friedensarchitektur vor allem von Deutschland und Frankreich ausgehen [muss]. Die Selbstbehauptung Europas ist die Voraussetzung für einen Frieden. Die USA haben kein Interesse an einem starken Europa mit Russland. Stattdessen soll es zu einer »globalen NATO« unter der Dominanz der USA kommen. Die Gefahr wächst, dass es zu einer neuen Militarisierung der Welt kommt." (S.85)
Nachdrücklich auf Letzteres hingewiesen und das gut begründet zu haben, ist das Verdienst von Daniela Dahn, deren Streitbarkeit das Buch wichtig und lesenswert macht. Abzug gibt es für die stilistisch uneinheitliche Gestaltung, ein paar unnötige Schnellschüsse und den Umstand, dass das Buch wohl dem eher historisch uninteressierten Beobachter, nicht aber dem osteuropahistorisch Interessierten Neues zu bieten hat. Nicht weniger also als gute Publizistik- allerdings auch nicht mehr.
Daniela Dahn lässt keinen Zweifel an ihrer (gut begründeten) Auffassung, dass weder die USA noch die Nato jemals ein Interesse an einem friedlichen und gedeihlichen Zusammenleben in Europa gehabt haben- jedenfalls nicht mir Blick auf Russland: "Bereits seit dem Jahr 2008 wurden in der Ukraine NATO-Manöver wie »Rapid Trident« durchgeführt." (S.50) Stimmt. Ich hab' "die Jungs" seinerzeit beim Stadtgang in Lwiw beobachten und fotografieren können.
Fazit des ansonsten wenig originellen, meint, nichts wirklich Neues enthaltenden Bands, ist denn auch die Feststellung, dass der Westen "gelockt" habe, "ohne in die sicherheitspolitische Verantwortung zu gehen. Opfer dieser Doppelbödigkeit ist nun die Bevölkerung der Ukraine." (S.67-68).
Das mag mancher anders sehen. Insofern liegt der Vorteil einer Lektüre des vorliegenden Bandes darin, dass man sich mit Argumenten und Fakten auseinandersetzen muss, die es - bevor man sie anders interpretiert - erst einmal anzuerkennen gilt. Das ist in der gegenwärtigen Situation schon viel; Daniela Dahn umreißt sozusagen das Kampffeld, das man bei Strafe der Disqualifikation nicht verlassen sollte. Dabei stimme ich der Analyse, die auch ein Aufruf ist, zu, dass die "Initiative für einen Waffenstillstand in der Ukraine und für eine dauerhafte Friedensarchitektur vor allem von Deutschland und Frankreich ausgehen [muss]. Die Selbstbehauptung Europas ist die Voraussetzung für einen Frieden. Die USA haben kein Interesse an einem starken Europa mit Russland. Stattdessen soll es zu einer »globalen NATO« unter der Dominanz der USA kommen. Die Gefahr wächst, dass es zu einer neuen Militarisierung der Welt kommt." (S.85)
Nachdrücklich auf Letzteres hingewiesen und das gut begründet zu haben, ist das Verdienst von Daniela Dahn, deren Streitbarkeit das Buch wichtig und lesenswert macht. Abzug gibt es für die stilistisch uneinheitliche Gestaltung, ein paar unnötige Schnellschüsse und den Umstand, dass das Buch wohl dem eher historisch uninteressierten Beobachter, nicht aber dem osteuropahistorisch Interessierten Neues zu bieten hat. Nicht weniger also als gute Publizistik- allerdings auch nicht mehr.
November 21, 2024
It is remarkable how this steaming pile of "alternative facts" found a renowned publisher outside Russia. Denying a well recorded genocide here, nearly inventing one there. Assad is painted as a heroic defender of constitutional democracy, Ukraine and the West are Nazis with "Wunderwaffen" - on the same page the "author" is lamenting about people using language that has forgotten WWII. Every page brims with counterfactual nonsense. Fun to get angry though.
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