,,Vielleicht bin ich es leid, immer nach den Spielregeln zu spielen!" S. 241
Ein großartiges Buch, dass mein Herz gewonnen hat. Ich bin von dem Auftakt der Sturmjahre-Saga begeistert und kann die Erscheinung des zweiten Bandes kaum erwarten.
Doch fangen wir von vorne an.
In dem Buch geht es um eine Liebesgeschichte. Doch nicht irgendeine. Lasst mich aufschlüsseln, warum dieses Buch mein Herz gewonnen hat.
Setting:
Die Geschichte spielt in Schottland in den Jahren zwischen 1917 und 1919, also in der Mitte und dem Ende des Ersten Weltkrieges. Die Highlands mit ihrer herrlichen Natur wie auch London und vor allem Edinburgh als Großstädte sind als Spielort vertreten. Lia Scott gelingt hierbei ein großartiger Einblick in die verschiedensten Lebensweisen zu der Zeit und nimmt den Leser mit auf eine wunderbare Reise durch Schottland.
Timeline:
Wie schon erwähnt, zieht sich die Geschichte über mehrere Jahre. Das hat Zeitsprünge zur Folge. Mir persönlich gefällt so eine Erzählweise normalerweise nicht, da ich mich schnell durch zu große Lücken verwirren lasse. Doch hier hat es der Geschichte keinen Abbruch getan, im Gegenteil, es hat wunderbar gepasst, ansonsten wäre die Geschichte doch etwas merkwürdig geworden, zu viel möchte ich hier aber nicht verraten ;-).
Charaktere:
Mit Bonnie Dennon hat Lia Scott einen unglaublich starken Hauptcharakter geschaffen, der seinesgleichen sucht. Eine sanftmütige junge Frau, die sich als Krankenschwester freiwillig gemeldet hat, arbeitet Bonnie hart, um ihre Brüder, die in den Krieg gezogen sind, und ihr Land, so gut es geht, zu unterstützen. Doch so sanftmütig Bonnie auf den ersten Blick auch wirken mag, sollte man sie nicht unterschätzen. Hinter der Fassade der rothaarigen Frau wartet eine durchsetzungsfähige Frau darauf, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sie lässt sich nicht alles gefallen und kann auch schon das ein oder andere Machtwort sprechen, ohne dabei herrschsüchtig zu erscheinen. Ich habe Bonnie auf jeden Fall in mein Herz geschlossen.
Doch auch der Love Interest hat es in sich. Connor Fletcher kommt von der Front gezeichnet zusammen mit einem von Bonnies Geschwistern als Patient in das Krankenhaus, in welchem Bonnie zurzeit arbeitet. Nicht nur seine Vergangenheit im Krieg belastet ihn, auch der Grund, weshalb er sich freiwillig gemeldet hat, droht, eine selbstbestimmte Zukunft für ihn unmöglich zu machen. Dabei möchte Connor nur eins: ein friedvolles Leben nach seinen Vorstellungen zu leben. Sich zu verlieben kommt für ihn eigentlich nicht in Frage - und schon gar nicht in die kleine Schwester eines Kameraden, an den er durch eine Schuld gebunden ist.
Das beste an dem Buch ist, dass nicht nur die Hauptcharaktere komplex aufgebaut sind, sondern auch die Nebencharaktere. So lernt man jeden Charakter von Grund auf kennen und lieben, mit all seinen liebenswürdigen Macken. Bonnies ganze Familie besteht aus liebenswürdigen, mutigen Menschen. Da jeder Band in sich abgeschlossen ist, freut man sich, für jedes der Dennon-Mitglieder ein eigenes Buch zu bekommen und ihn noch näher kennen zu lernen. Denn eins sei versichert - diese Charaktere sind nicht nullachtfünfzehn. Jeder bringt etwas Besonderes, Einzigartiges in die Geschichte und sorgt dafür, dass man mit ihnen mitfühlt und manchen von ihnen zeitweilen den Hals umdrehen will.
Und psst - Bonnies Bruder passt gut auf sie auf. Wer also gerne Protective Brothers mag, ist hier richtig, genau so wie ,,Forbidden love".
Erzählweise:
Lia Scott schreibt sehr abwechslungsreich. Gekonnt kombiniert sie Beschreibungen, Konversationen und Handlung, sodass einem nie langweilig wird, man sich alles sehr genau vorstellen kann und mitfiebert.
Handlung:
Ich gehe eigentlich davon aus, dass jeder, der diese Rezension liest, schon ungefähr weis, worum es in dem Buch geht und einfach noch wissen will, ob es für ihn/sie geeignet ist oder nicht. Trotzdem fasse ich die Handlung noch einmal kurz zusammen (ohne zu spoilern - hoffe ich).
Also, es geht um Bonnie, eine junge Schottin, die im Zuge des Ersten Weltkrieges als Freiwillige im Londoner Krankenhaus dient. Als ihr Bruder und ein Kamerad als Kriegsversehrte in eben diesem Krankenhaus eingeliefert werden, ändert sich ihr Leben. Nicht nur begleitet sie ihren Bruder zurück nach Hause, auch lässt sein Kamerad ihr Herz höher schlagen - dabei hatte sie sich geschworen, sich nie in einen Patienten zu verlieben. Und auch Connor ist von der willensstarken Rothaarigen wie verzaubert. Doch er weiß - eine Frau wie Bonnie ist nichts für ihn. Denn in seiner Vergangenheit lauern Dämonen, die er nicht loswird - und wegen denen er eigentlich gehofft hatte, nicht aus Flandern zurückzukehren...
Besonderheiten:
Das Buch spielt im Ersten Weltkrieg und Lia Scott schont den Leser nicht. Wer nicht gut mit Kriegsverletzungen, Traumata etc. umgehen kann, der sollte dieses Buch lieber nicht in die Hand nehmen, denn das ganze ist keine rosarote Zuckerwattewelt. Um dies zu demonstrieren, hier ein kurzes Zitat:
,,Das Gemisch aus getrocknetem Schlamm, geronnenem Blut und Wochen altem Schmutz abzubekommen, konnte eine belastende und zugleich übelriechende Angelegenheit sein." S. 15
Doch das Buch ist auch nicht super düster, wie man es von anderen Romanen, die in dieser Zeit spielen, kennt. Und eben dies fand ich so beeindruckend: Das Lia Scott es geschafft hat, historische Fakten, grausame Umstände und eine Liebesgeschichte zu einer perfekten Mischung zu vereinen, die nicht zu düster aber auch nicht zu sanft ist.
Das einzige, was man meiner Meinung nach anmerken könnte, wäre, dass es für den ein oder anderen so wirken kann, als wäre versucht worden, so viel wie möglich aus der Zeit in ein einziges Buch zu packen - also zu viele unterschiedliche Probleme und Ereignisse der Zeit zugleich. Allerdings war das meiner Meinung nach nicht der Fall und so wurde es auch nie langweilig.
Von mir kommt also eine klare Leseempfehlung für dieses Buch. Nicht nur war es kurzweilig und herzerwärmend, auch hatte es genug Drama in sich, über das man sich zwischendurch aufregen konnte und auch die Spannung und Handlung außerhalb der Romanze kamen nicht zu kurz. Ich kann also nichts anderes sagen als: lest es, es ist eure Zeit wert (und bestellt schon einmal den zweiten Band vor ;-))
Und noch kurzer Spoiler am Rande - wer sich für mafiaähnliche Organisationen interessiert, ist hier zumindest nicht ganz verkehrt...