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Die gespaltene Republik: Die Türkei von Atatürk bis Erdoğan

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Spannend und voller Empathie für das Land erzählt Çiğdem Akyol die Geschichte derTürkischen Republik, ausgerufen am 29. Oktober 1923 von Mustafa Kemal Atatürk. Er schuf auf den
Trümmern des Osmanischen Reiches seine Vision einer modernen Türkei. Die Schattenseiten der verordneten Modernisierung sind bis in die Gegenwart spü So erlebte das Land nach Atatürk mehrere Militärputsche und eine brutale Minderheitenpolitik. Doch die Entwicklung der Republik ist auch eine Die heutige Türkei ist ein aktiver außenpolitischer Gestalter in der Weltpolitik – und eine starke Volkswirtschaft.
Çiğdem Akyol beleuchtet die gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen hinter der Geschichte – das ideologisch geprägte Justizsystem, die Macht des Militärs, die Verfolgung von Schriftstellern und die Debatte um Religion und Säkularismus. Zu Wort kommen dabei auch Menschen aus der Türkei, die persönliche Eindrücke schildern, unter anderen die Journalisten Bülent Mumay und Can Dündar, die Feministin Büşra Cebeci und der ehemalige Außenminister Yaşar Yakış. Überdies kommen ehemalige AKP-Mitglieder und -Mitarbeiter mit ihrer Sicht auf die Entwicklungen zu Wort.
Eine umfassende, lebendige Geschichte der Republik, die uns auch die Gegenwart nahebringt und die jüngsten Entwicklungen nachvollziehbar macht.

349 pages, Kindle Edition

Published April 26, 2023

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Cigdem Akyol

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5 reviews
March 21, 2026
Çiğdem Akyols Buch verspricht eine Analyse der tiefen Risse in der türkischen Gesellschaft. Als Leserin mit einem fundierten Vorwissen zur Ära Atatürk hinterlässt das Werk bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck: Es glänzt dort, wo es Unbekanntes beleuchtet, verliert aber an Glaubwürdigkeit durch eine oft polemische Interpretation bekannter Fakten.

Was dieses Buch lesenswert macht, ist die Detailtiefe zu Themen, die in der klassischen Geschichtsschreibung oft übergangen werden. Akyol widmet den Minderheiten und insbesondere der kurdischen Thematik viel Raum. Da viele Standardwerke diese Aspekte nur am Rande behandeln, bietet das Buch hier wertvolle neue Einblicke. Für jemanden, der in diesen Bereichen weniger Vorwissen hat, ist die Darstellung der historischen Unterdrückung und der gesellschaftlichen Ausgrenzung sehr aufschlussreich und interessant aufbereitet.

Meine Kritik konzentriert sich vor allem auf das erste Kapitel und die Darstellung von Mustafa Kemal Atatürk. Da ich mich mit seiner Biografie intensiv befasst habe, fallen mir hier massive Brüche in der Objektivität auf:

- Der Widerspruch zu den eigenen Quellen: Es ist irritierend, dass Akyol sehr häufig den renommierten Historiker Klaus Kreiser als Quelle nutzt, dessen sachliche Analysen jedoch in ihr genaues Gegenteil verkehrt. Während Kreiser Reformen oft pragmatisch oder bildungspolitisch begründet, unterstellt Akyol Atatürk fast durchgehend niedere Motive wie persönlichen Hass auf Kurden, Araber oder den Islam.

- Beispiel Alphabet-Reform: Akyol suggeriert, das Weglassen bestimmter Buchstaben (q, w, x) sei primär ein Akt des Hasses gegen Kurden gewesen. Historisch seriöse Quellen ordnen dies jedoch eher als phonetische Vereinfachung für das Türkische ein, die politische Unterdrückung war eher eine Folge des Nationalismus, nicht der primäre technische Grund für das Alphabet.

- Beispiel Frauenrechte: Hier zeigt sich die subjektive Umschreibung am deutlichsten. Akyol stellt die Einführung der Frauenrechte so dar, als habe Atatürk die Frauen lediglich als "Aushängeschild" oder Propagandawerkzeug benutzt, um den religiösen Einfluss zu brechen. Dass Frauen durch diese Reformen echte rechtliche Fortschritte machten, wird von ihr so negativ umgedeutet, dass der emanzipatorische Kern fast verschwindet.

Das Buch ist eine spannende Ergänzung, wenn man sich für die Geschichte derer interessiert, die in der offiziellen türkischen Historie oft keine Stimme haben. Da ich jedoch bei dem Thema, in dem ich mich gut auskenne (Atatürk), so viele weit hergeholte Behauptungen und subjektive Einfärbungen gefunden habe, stellt sich mir die Frage: Inwieweit kann ich den restlichen Kapiteln trauen, in denen ich weniger Vorwissen habe? Akyol schreibt keine neutrale Historie, sondern eine subjektive Streitschrift. Wer das Buch liest, sollte die gelieferten "Fakten" stets mit anderen Quellen abgleichen, da die Grenze zwischen historischem Beleg und persönlicher Meinung der Autorin oft verschwimmt.
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