Wie viele Hamster lassen sich mit einem handelsüblichen Staubsauger einsaugen? Gibt es ein wichtigeres Lebensmittel als Pommes? Was, wenn der eigene Körper ein Zuhause ist, in dem man eigentlich keine Sekunde zu viel verbringen möchte?
Von einer Berliner Clubtoilette, in der er sturzbetrunken versucht, seinen Namen in die Rinne zu pinkeln, blickt Johann zurück und erzählt uns seine Geschichte. Eine Geschichte, die bei einem tiefen Unbehagen beginnt, das er, damals »sie«, mit sich herumträgt wie den Schneeanzug, die unzähligen Schichten Kleidung, unter denen er seinen Körper verschwinden lässt.
Die Fassungslosigkeit und Ablehnung, mit denen er sich selbst und die Welt wahrnimmt, entspricht so ziemlich dem Unverständnis, mit dem ihm seine Mitmenschen begegnen. Und die »Zukunft«, die vor ihm liegt, bedeutet erstmal nichts anderes als die Herausforderung, diese irgendwie hinter sich zu bringen. Der Versuch, das anzugehen, führt ihn über eine Schauspielschule in der bayrischen Provinz und eine skurrile Hipster-Wurstbude in Berlin-Neukölln zu einer wichtigen Erkenntnis. Und schließlich in die Mühlen der Bürokratie – bevor er sich, nach einer Angleichung und unzähligen heiklen Gesprächen, zum ersten Mal seit vielen Jahren bewusst vor einen Spiegel stellen kann.
Pride month just started, and we already had the first severe physical attack against a transperson during a CSD parade in Hannover (https://www.ndr.de/nachrichten/nieder...) - what the actual fuck. There is no doubt that stories like the one we hear in Jakobs' debut novel urgently need to be told, so let's just skip the "this is an important book" yadayadayada, because it's painfully obvious that it is. What about the literary quality though?
Jakobs tells the story of Johann, whom we meet as a severely depressed and unhappy person struggling with the female gender he was assigned at birth. Johann realizes that he is trans*, and readers accompany him as he navigates personal relationships, the medical labyrinth and the state bureaucracy while trying to find a way to live his truth as a man. The author, also a transman, does a terrific job conveying the immense pain, anger and feelings of helplessness Johann goes through, only because he wants to live as himself, which, see above, is somehow perceived as provocative by, well, idiots. The overall feeling of claustrophobia is intense, and it's emotionally difficult to read some passages.
And there's another interesting quality about Johann, which might be due to a very subjective reading, but it heightens the complexity: Johann is not a sympathetic character - which is not at all an argument against the book, because LGBTQIA+ people do not owe society to be particularly nice or pleasant people, they do not have to be free from flaws to be granted rights, they deserve them because they are human beings. Now Johann lives in a state of constant resentment, probably also due to his self-hatred, but his tendency to look down upon almost everyone around him (apparently, getting accepted into a private acting school is as hard as drinking water, and everyone working in a bureaucracy is out to get him, and Berlin is an ugly hellhole full of complete assholes (although he moves there), and the start-up scene is comprised of coke-snorting ignorants (although he works there), etc.pp.) is hard to stomach, especially as Johann frequently reveals himself not to be the brightest candle on the birthday cake (apparently, it's a total scandal that his name change is approved by the senate of the interior and for sports, which begs the question who gifted Johann his high school diploma although he obviously never attended social studies and who he thinks should be responsible instead: The president? The Easter bunny? Günther Jauch?).
And then there's the language: The impulse is clearly to juxtapose this heavy topic with some light remarks, just as Johann tries to make light of his plight in order to survive, alas, it does not work. There is a lot of terrible wordplay and unnatural conversations, and the running gag with people eating fries becomes a real annoyance. Also: A person repeatedly killing hamsters is not funny either. Some scenes are heavy-handed and clumsy (does Johann REALLY come out on top when he yells at his idiot boss? I doubt it), and the abrupt ending really threw me off.
All in all, I want to hear more stories from transpeople about transpeople, and while this one is not especially well-written, it certainly does work on some levels.
Ich finde es unglaublich wichtig, dass es mehr Bücher über Trans-Identität gibt. Und dementsprechend wollte ich das Buch wirklich mögen. Und auch wenn ich das nicht konnte, finde ich es gut, dass es dieses Buch gibt!
Mit diesem Disclaimer out of the way, hier sind meine hauptsächlichen Kritikpunkte:
Ich mag Charaktere die nicht „nett“ sind, ich mag es wenn Charaktere Wut in sich tragen und wenn sie keine idealen Menschen sind. Ich verstehe auch aus eigener Erfahrung wie sehr starker Selbsthass sich auf alles und jeden im Umfeld auswirkt, aber hier ist es einfach viel zu überspitzt. Ich verstehe, dass jeder diesen Schmerz anders empfindet und das dieser immens ist (meine Kredenzen: ich habe wegen Dysphorie auf Dates die Nacht über in meinem Binder geschlafen und habe immer noch chronische Rückenschmerzen), aber auch in der schlimmsten Zeit hatte ich sonstige Eigenschaften und Interessen, die mich als Person ausmachten.
Ich verstehe, dass das Buch in den 2010ern spielt und es damals noch um einiges schwieriger war, die Transition zu durchleben und Kontakte zu finden, aber ich finde es etwas unrealistisch dass Johann sich nie online Community gesucht hat, oder zumindest recherchiert hat wie man sicher bindet — er trägt das ganze Buch über bis zur Mastek Mullbinden über den gesamten Brustkorb gewickelt (bitte tut das nicht!!! holt euch Binder oder Kinesio-Tape). Und diese Mastek ist dann auch das Ende aller Probleme, anscheinend können Trans-Personen nicht kleinere Freuden auf der Reise erleben und der antrainierte Selbsthass kann mit einer OP besiegt werden. Für ein Buch dessen Hauptthema die Psyche des Protagonisten ist, wird diese sehr eintönig beschrieben.
Und zuallerletzt muss ich sagen, dass ich persönlich den Schreibstil einfach nicht mochte. Es fühlte sich für mich auf Zwang quirky und voll von schwächelnden Metaphern an, hier ein paar Beispiele: „Manchmal frage ich mich, ob Louise eine reinkarnierte Eiche ist. Sie ist solide und rustikal, nichts an ihr flattert.“; “Der Kaffee schmeckt mittlerweile wie die Unterseite einer Tischplatte. Denke ich. Was weiß ich schon von Tischplatten und ihren Unterseiten?”
Alles in allem eine wichtige Geschichte, die für mich leider zu eindimensional war und mit deren Schreibstil ich mich nicht anfreunden konnte.
Ein Buch über eine Transistion, ganz von Beginn an - Protagonist Johann ist komplett fernab jeglicher queerer Communityzugehörigkeit und daher auch absolut ahnungslos, was eigentlich mit ihm los ist. Interessanter neuer Blickwinkel, der zeigt, zu welch langwieriger Selbstfindung mangelnde Sichtbarkeit führen kann.
Mehr zum Buch in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: Folge 261: Okay. Nein.
Ich fühle und erinnere die beschriebenen Unzulänglichkeiten und Hass, der auf sich selbst und den Rest der Welt gerichtet ist. Es zieht mich runter diesen Text zu lesen. Ich bin vielleicht nicht zu weit weg, nicht in absoluter Sicherheit und das triggert mich. Der Countdown läuft auch für meine Entscheidung, wie lange ich das noch mitlesen möchte. Ich schaffe es dann doch bis zum Ende. Erzählt wird die zumindest autofiktionale Suche nach nicht weniger als sich selbst, ohne sich zu kennen. Woher kommt der Selbsthass? Was hat das mit Körperlichkeit und Identität zu tun? Viel bis alles. Um nicht weniger geht es, um zu überleben.
Manchmal ein wenig bemüht in Sprache und Witz, manchmal sehr schön und berührend, ich mag, dass wir das hart erkämpfte Happy End bekommen. 3,5*
Es war mir etwas zu sehr für den Cis Blick geschrieben, manches hat mich dann aber doch berührt (nicht die zu ausschweifenden Metaphern). Dass sich ein junger trans Mann in den 2010er Jahren in Berlin (!) aber in keiner Form (ftm Portal halloooo) Community Anschluss sucht und mal in Diskussion und Austausch mit seiner internalisierte. Transfeindlichkeit geht, halte ich dann doch irgendwie für unwahrscheinlich. Trotzdem eine gute Geschichte.
Ich denke, das einzige Buch, das wir im Buchclub gelesen haben, von dem wirklich jeder extrem begeistert war und ist.
Das Cover und der Klappentext sind etwas irreführend, was den eigentlichen Inhalt des Romans betrifft. Der Leser wird von Kapitel zu Kapitel von einem Countdown begleitet. 6 Jahre. Der Countdown einer Transition. Verschiedene Phasen und innere Gefühlszuständen eines Menschen, der sich einfach nie in seinem eigenen Körper wohlgefühlt hat, werden beschrieben. Ich fand es sehr authentisch, traurig und phasenweise wirklich witzig. Große Empfehlung.
Könnte meiner Meinung nach auch als aufklärendes Exemplar im Schulunterricht Verwendung finden.
4.5 ⭐ ein tolles und unglaublich wichtiges Buch! Stilistisch bzw. erzählerisch gab es ein paar Sachen, die nicht perfekt waren, aber ansonsten möchte ich dieses Buch allen in die Hand drücken und sie zum Lesen bringen!
Paradiesische Zustände - Ein Roman über eine Transition
»Ich werfe meinen geballten Frust auf Louise. Sie ist schlau genug, ihn nicht aufzufangen. Hebt ihre Hände nicht, lässt ihn vor sich auf den Boden fallen, wo er dumpf aufschlägt. »An mir musst du deinen Frust nicht auslassen. Ich bin nicht dafür verantwortlich, o.k.?«« (S.99)
Das Debüt »Paradiesische Zustände« von Henri Maximilian Jakobs ist ein Coming-Of-Age oder vielleicht auch Coming-Of-Gender Roman, in dem der Autor über Transition, dem Finden von sich selbst und Freundschaft erzählt.
Wir lernen den Protagonisten Johann als depressiven und unglücklichen Menschen kennen, der mit dem bei Geburt zugewiesenen weiblichen Geschlecht kämpft. Vom Urlaub nach dem Abi mit seiner besten Freundin Louise (, die im Übrigen eine ganz schön coole beste Freundin ist 🥹), Schauspielschule im tiefsten Bayern, Umzug bis zum Leben in Berlin begleiten Leser*innen Johann knapp 6 Jahre, 8 Monate und 20 Tage literarisch vom Wolpertinger und dem medizinischen sowie bürokratischen Hürdenlauf bis zu seiner zweiten Geburt als Mann.
Ich habe Johanns Schmerzen nachfühlen können, und eine Ahnung davon bekommen, wie es sich anfühlen muss, im falschen Körper zu leben. Es ist ein eindringliches, emphatisches, witziges, ironisches, schmerzhaftes, ehrliches und grandioses Debüt ❤️🔥 Ich konnte teilweise nicht zwischen Lachtränen und Mitgefühlstränen 😭 unterscheiden.
»»Genau, Louise, so ist das mit dem Unglücklich-verliebt-Sein. Man entscheidet einfach, dass man keine Lust mehr drauf hat, und zack, ist alles wieder geil. Guter Tipp. Danke!«« (S.245)
Es ist kein biografisches Buch, sondern ein Roman — auch wenn sicherlich einige der Perspektiven und Schilderungen nicht möglich wären, ohne den Background des transmännlichen Musiker, Schauspieler und Autor Henri M. Jakobs. Die Welt braucht definitiv mehr solcher Geschichten und Perspektiven ❤️🔥🤝🏼
Ich habe mir »All die brennenden Fragen« selbstgekauft und kann beide Bücher des Autors Euch nur wärmstens ans Herz legen 🍟❤️🔥
Bin letzte Woche fertig geworden. Ich hab mich richtig auf das Buch gefreut und wollte unbedingt ein Buch lesen das sich mit dem Trans-Identität beschäftigt. Der Schreibstil ist absolut nicht meins gewesen, teilweise hat mich die Wortwahl wütend gemacht. Auch die Geschichte war bis auf das Thema Trans nicht besonders Erzählenswert und die Nebencharaktere waren auch nicht besonders vielfältig.Ich hätte es sicher nicht fertig gehört (Hörbuch), wenn es nicht um Trans-Identität gegangen wäre.
Das einzige was mich gestört hat war 1. Der übermäßige Alkoholkonsum zu egal welcher Gefühlslage und 2. Ging es mir manchmal so dass ich dachte: also so metaphorisch spricht doch in echt wirklich keiner. Aber Geschmäcker sind ja verschieden. Ansonsten sehr eindrückliches Buch, der erste Roman den ich kenne, der den Weg eines Transmannes bis zur Mastek als Geschichte erzählt, aber nicht als Biographie oder Fantasy oder whatever.
Ja die metaphern sind bisschen gewollt und die sprache allgemein manchmal verhaspelt aber passt mmn inhaltlich gut zusammen. Das countdown format hat mich dranbleibenlassen. Bin dankbar für eine weitere perspektive zum thema
Ein berührender Roman über einen trans Mann in seinen Zwanzigern und die emotionalen wie bürokratischen Herausforderungen, die mit der Herausformung einer neuen Geschlechtsidentität einhergehen. Die bildhafte Sprache des Autors ist gleichermaßen seine größte Stärke und Schwäche. In manchen Momenten macht sie für Nichtbetroffene den Schmerz des Protagonisten und das Unbehagen mit seinem Körper besonders deutlich (“Der Schreck schnürt mich enger zusammen als die Mullbinden um meine Brust.”), an anderen Stellen wirken die Vergleiche wahllos und redundant (“Menschlichkeit in sterilen Räumen wirkt immer wahnsinnig fehl am Platz. Ein Burger, der sich auf ein veganes Buffet veirrt hat.”) - hier wäre weniger mehr gewesen. Ungeachtet dieser stilistischen Schnitzer insgesamt empfehlenswert, zumal das Buch leichtgängig geschrieben ist.
Das Thema Transidentität ist (inzwischen) in den sozialen Medien (in meiner Bubble) ein Thema und es gibt Creator*innen, die ihr Sein & ihren Weg dorthin präsentieren. Doch diese Menschen gehen häufig sehr selbstbewusst mit dem eigenen Ich um, sind die ersten Schritte schon gegangen und präsentieren (so wie alles auf social Media) zumeist vor allem die positiven Seiten. Dieses Buch thematisiert die Zerrissenheit, die Unsicherheit & Verzwieflung. Der lange Weg zum Ich, bei dem Innen & Außen zusammen passen, wird beschrieben. Dieser wird neben den eigenen Selbstzweifel auch durch die Gesellschaft & Normen weiter erschwert. Die Bürokratie & Seelenstriptease, die dafür nötig sind, tun den Rest. Man fühlt mit & schmunzelt zwischen durch dank des mit Humor zersetzen Schreibststils. Die Sprache ist durchzogen mit humoristischen Vergleichen, was das Buch ausmacht. Es war mir aber teilweise etwas zu viel. Ein wichtiges Buch!
Ein unglaublich wichtiges, aktuelles Buch über Transidentität 🏳️⚧️, Selbstfindung und Männlichkeit.
Es ist erschreckend zu lesen, wie schwer es Menschen gemacht werden, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie der Protagonist Johann, wie viel Bürokratie sich ihnen in den Weg stellt und wie viel Ablehnung diese Menschen erfahren. Und trotzdem ist es wunderschön beschrieben, wie Johann dennoch seinen Weg findet, seinen Mut letzten Endes nicht verliert und Menschen wie Micha um sich hat, die ihn unterstützen.
Auch sprachlich ist das Buch wundervoll, es hat mich emotional total gepackt und nicht mehr losgelassen..! 😍
Neben dem bissigen Humor und liebenswerten Charakteren ist die Erzählweise mMn top! Das Buch klärt über so zwanghaft über das Thema von Trans Identitäten auf, dass man sich nicht belehrt fühlt, sondern eher das Gefühl hat mit Johann selbst hineinzuwachsen.
Berührend, herzzereißend und bitte können wir das als Schullektüre etablieren? Dieses Buch spiegelt die Realität und der lange steinige Weg von Transmenschen und dem eigenen und äußerlichen Anerkennen ihrer Lebensrealität wider was sehr wohl seinen Platz auf allen Kanonslisten verdient.
Ich hab mich so schnell in dieses Buch verliebt. Stellenweise fast lyrische Prosa, so viel Humor, das Thema so gut verpackt. Ich will es allen in die Hand drücken.
Das erste was auffällt ist dass ich das Buch wirklich unerwartet witzig fand. Achja und kurze Sätze. Sehr kurze. Muss man mögen. Was ich tue. Mein Hauptgrund weshalb ich das Buch mag ist wie Witz und Persönlichkeit in der Geschichte einer transition verwoben werden. Auch wenn es plotmässig um den transitionspozess geht, wird viel Fokus auf Weltsicht und selbstwahrnehmung gelegt, die indirekt was von der Transition erzählt aber auch noch viel mehr von Menschen. Daher fühlt sich alles sehr real an und außerdem wirkt das wie ein auffächern des Themas weg von Storys die nur um Schmerz durchs trans sein und die Gesellschaft drehen.
Bis auf ein paar Klischees (teilweise nicht ohne Grund Klischee natürlich, aber zum Beispiel hätte ein Binder vorkommen können, um vielleicht mehr und schneller mit der zeit zu gehen) war für mich die thematik trans sehr angebracht dargestellt. Besonders, dass es nicht so sehr um Kindheit und Familie ging war auch erfrischend für das Gefühl der Story, die vor allem ums jetzt und das Individuum geht.
Ich hatte sehr schnell das Gefühl den Protagonisten zu verstehen und das Lebensgefühl mitzubekommen. Auch die weltsicht und den Witz mit der die Geschichte erzählt wird, weshalb ich auch den Protagonisten nicht in sympathisch oder unsympathisch eingeordnet habe. Es hat mich ein klitzekleines bisschen genervt, dass doch mit seeeehrr vielen Metaphern im Inneren Monolog um sich geworfen wird. Ich liebe das, aber das war schon bei mir an der Grenze zu zu viel. Auch wenn jede einzelne an sich immer ziemlich toll war. Aber vielleicht hätte sich der Autor welche davon für ein zweites Buch aufheben können? Manchmal wird das auch genutzt um die schwere der anderen Themen zu erleichtern. An sich mochte ich das auch, aber auch hier würde ich sagen, hätte -manchmal - weniger gereicht und Schwere zugelassen werden können.
Ich mag mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ja, dies könnte mein liebstes Buch 2023 werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es das auf jeden Fall.
Die einfühlsame und witzige Art, wie Johann uns seine Welt beschreibt, ist beispiellos und zu 100% gelungen. Das Buch bringt eine Wortgewandtheit hervor, wie ich sie noch nie gelesen habe. Nur Liebe für diesen Roman und natürlich fünf ⭐️!
Henri Maximilian Jakobs Paradiesische Zustände ist ohne Frage ein wichtiges Buch. Es thematisiert die Transition des Protagonisten Johann und bietet einen Einblick in die innere Zerrissenheit und die äußeren Herausforderungen, mit denen Trans-Personen konfrontiert sind. Der Roman beleuchtet dabei eine Lebensrealität, die noch viel zu selten in der Literatur dargestellt wird und trägt einen wertvollen Beitrag zur Sichtbarkeit bei.
Allerdings war meine persönliche Leseerfahrung von einigen selbstverschuldeten Missverständnissen und falschen Erwartungen geprägt. Ich bin mit der Annahme in die Geschichte eingestiegen, es handle sich um eine autobiografische Erzählung, was sich jedoch als falsch herausstellte. Zudem war mir vor dem Lesen nicht klar, dass die Transition von Johann den zentralen Fokus der Geschichte bildet. Diese falschen Erwartungen haben meine Wahrnehmung des Buches stark beeinflusst – das ist natürlich mein Fehler, aber es hat meine Lese-/Hörerfahrung nun mal negativ beeinflusst...
Unabhängig von diesem Missverständnis fand ich den Schreibstil leider sehr anstrengend. Die bildhafte Sprache wirkte auf mich oft erzwungen und wenig authentisch, was meine Verbindung zur Geschichte beeinträchtigt hat. Nicht jede Geschichte braucht eine solche sprachliche Verspieltheit und hier hat sie für mich mehr gestört als bereichert.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, was die Schwächen des Schreibstils zusätzlich verstärkt hat. Jakobs hat das Buch selbst gesprochen und vielleicht dachte ich auch deshalb es sei autobiographisch. Insgesamt hat er mich leider auch als Sprecher nicht überzeugt.
6 Jahre, 8 Monate und 21 Tage - über diesen Zeitraum verfolgen wir Johanns Weg in die Freiheit: Nach der Schule geht es zunächst für ein Schauspielstudium in die bayrische Provinz, dem folgt der Umzug nach Berlin inklusive Job in einem skurrilen Wurstbuden Startup und dem ersten Verliebtsein. Doch bei all dem ist Johann ein depressiver, von Selbsthass bestimmter Mensch, der unter dem ihm der Geburt zugewiesenen weiblichen Geschlecht leidet. Nach und nach begleiten wir Johann auf seiner Transition und seinem Countdown in die Freiheit und Selbstbestimmung.
„Paradiesische Zustände“ hat viele Elemente eines klassischen Coming-of-Age Romans und ist dennoch etwas ganz Besonderes. Henri Maximilian Jakobs gelingt das große Kunststück zwischen tieftraurigen, schmerzhaften Szenen und sarkastischen, schwarzen Humor fließend zu wechseln und mich dabei als Leser*in dennoch immer mitzunehmen. Von der Ablehnung anderer Menschen, Selbsthass und Selbstverletzungen zu entwürdigenden bürokratischen Prozessen und Untersuchungen sowie sich verändernden Freundschaften – der Autor spart nicht mit schweren Themen und auch Johann ist keine leichte Hauptfigur. Dennoch verliert der Roman durchs Jakobs‘ tollen Stil nie seinen Humor.
Paradiesische Zustände ist ein tolles, ehrliches Romandebüt, das mich mitgerissen und berührt sowie das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht hat – ich hoffe möglichst viele Menschen lesen diese Geschichte!
Das war sehr unterhaltsam zu lesen! Viele nette kleine Details, ein sehr eigener Stil mit vielen Schnörkeln und Blumigkeiten, kluge Dinge, lustige Dinge... mich persönlich hätte noch interessiert, wie viel an dem ganzen autobiographisch und wie viel fiktional war, und im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass außer dem Ich-Erzähler niemand in dem Buch Gefühle hat oder haben darf... also gerade die beste Freundin von ihm, sie ist immer für ihn da und supportet ihn bis zu diesem Bruch, und dann wieder, nachdem der Bruch gekittet ist. Aber schlecht geht es ihr nie. Der Erzähler kommt mit seinen Problemen zu ihr, aber was ist in ihrem Leben eigentlich los? Scheint egal zu sein. Hm. (Trotzdem hab ich das Buch gern gelesen und würde es weiterempfehlen.)
Fand den Schreibstil eher anstrengend und hab auch sonst irgendwie nicht so wirklich Zugang zu dem Buch gefunden. Die Nebencharaktere blieben alle irgendwie sehr flach und haben sich zwischenzeitlich doch sehr gleich gelesen. Warum sich der Hauptcharakter so darüber aufregt wenn ihm eine Therapeutin sagt das er Liebe verdient hat und das jemandem hinterhertrauern der nur seinen Selbsthass bezeugt hat nicht sinnvoll ist hab ich auch nicht wirklich verstanden. Finde es auch immer wieder erstaunlich wie unbedarft manche Leute sind wenn es um das Thema LGBTQ+ geht, also wie man wirklich 0 Berührungspunkte jemals damit haben kann finde ich schon einfach unglaubwürdig ehrlich gesagt, besonders wenn man schon so am hadern mit sich selber ist.
(Hörbuch-Version) Ich habe mir im Vorhinein nicht durchgelesen, um was es in diesem Buch geht und wurde direkt am Anfang von viel Witz und Humor überrascht. An manchen Stellen ist dieser vielleicht zu jugendlich dafür, dass die Charaktere nicht mehr Schülerinnen sind, allerdings sind das nur einige Ausnahmen. Abgesehen davon bringt es einem den Leidensdruck nahe, der mit einem nicht erkannten Wunsch nach einer Transition einhergeht, wie auch die Hürden, die einem in Deutschland damit bevor stehen. Trotz der schweren Themen unterhält das Buch stets auf humorvolle Weise.
Ich bin mir sicher, dass das ein sehr ehrliches, verletzliches Buch ist (an vielen Stellen fand ich es auch ziemlich relatable). Vielleicht ist die Story für eine andere Person genau das, was sie gerade lesen muss und deshalb bin ich es froh, dass es den Roman gibt. Mir war es aber einfach echt zu monoton in der Heaviness (und ich fand die Metapher-Dichte in Romanlänge bisschen anstrengend zu lesen). Als Kurzgeschichten konzipiert hätten mich einige Kapitel vermutlich mehr überzeugt, weil es gab auf jeden Fall auch sehr starke Parts.
Hab die letzten 40 Seiten nicht gelesen, weil fand es wirklich leider so schlecht geschrieben. Geht um einen trans* Mann und Seine Transition von Anfang an, wollte es deshalb auch weiterlesen, hatte gehofft, dass es noch besser wird. War leider gar nicht der Fall. Wünsche mir obvi mehr Bücher zu dem Thema, aber das war sprachlich echt komisch, hat mir gar nicht gefallen. Auch die takes zu trans sind nicht gut rüber gekommen fand ich, so wie er das beschrieben hat, schadi