Es gibt keine Grenzen Das glaubt man jedenfalls am Beginn der Neunzigerjahre. Die Berliner Mauer fällt, die Welt rückt zusammen, und sie vernetzt sich. Die ersten Knoten des World Wide Web werden geknüpft, die ersten Suchmaschinen programmiert. In Berlin wird Techno zum Soundtrack der Wiedervereinigung, Neonfarben beherrschen das Bild, Piercings und Tätowierungen erobern den Mainstream, das Arschgeweih gerät zum stilistischen Symbol der Dekade. Aber unter der heiteren Oberfläche brechen alte Konflikte auf, Gespenster aus der Vergangenheit kehren zurück. Im Osten Deutschlands, aber nicht nur dort, entsteht eine rechte Jugendkultur bislang ungekannten Ausmaßes. Im zerfallenden Jugoslawien geschieht das der erste Krieg in Europa seit 1945. Der politische Islam wird zur globalen Bedrohung, und das lange Jahrzehnt endet am 11. September 2001 mit dem Anschlag auf das World Trade Center, das auch ein Symbol der spielerischen, globalisierten Postmoderne gewesen ist.
In einem großen, farbigen Panorama erzählt Jens Balzer von einem Jahrzehnt, in dem man an die Zukunft glaubte und ans «anything goes» – und in dem doch auch ein neues Zeitalter der Grenzen, der Identitäten und der Kämpfe beginnt.
Jens Balzer (Alemania, 1969) es escritor y periodista. Doctorado en la Universidad de Hamburgo, ahora enseña crítica pop en la Universidad de las Artes de Berlín. Ha trabajado como columnista y redactor en distintos medios de comunicación, entre los que se encuentran Die Zeit, Berliner Zeitung, Rolling Stone y radioeins. Además, codirige el Popsalon del Deutsches Theatre y es asesor artístico del Donaufestival Krems. Es autor de una extensa bibliografía sobre crítica pop.
Jens Balzer ist für mich der derzeit beste Journalist im Bereich Popkultur. Seine Berichte über Konzerte, seine Bücher zu Themen wie kultureller Aneignung oder rechter Musik oder seine Beiträge als Gastkritiker im musikalischen Quartett "Soundcheck" sind immer interessant. Er hat unter anderem ein Buch über die 70er ("Das entfesselte Jahrzehnt") und ein Buch über die 80er ("High Energy") geschrieben. In "No Limit" widmet er sich den 90ern. In all diesen Büchern verbindet Jens Balzer Geschichtsschreibung und Popkultur.
Diesmal benötigt er ein wenig Anlauf. Die recht gewöhnlichen Beschreibungen von Mauerfall und Wiedervereinigung zu Beginn des Buches sind etwas zu ausführlich. Diese Aspekte hat man schon zu oft gelesen. Mit dem dritten Kapitel, in dem es um Techno/Tekkno als Soundtrack der Wiedervereinigung geht, läuft Balzer zu seiner üblichen Hochform auf.
Fast alle großen Themen der 90er werden beleuchtet: Temporäre Autonome Zonen, Angriffe auf Ausländer, Lichterketten, Rechtsrock (Störkraft), Polit-Rap (Advanced Chemistry), Political Correctness, Body Modification (Tattoos, Piercings, Schönheitschirurgie), Grunge, Baywatch, Emergency Room, Privatisierung, Hans Meiser, die ersten Mobiltelefone, Hypertext, World Wide Web, die Simpsons, Pulp Fiction, Spice Girls, Salman Rushdies Satanische Verse, Jugoslawienkrieg, Laibach, Jurassic Park, Klimawandel, der Aufstieg der SUVs, Faserland, Starbucks, Fight Club, Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Napster, New Economy, Matrix, Google. "Die Neunzigerjahre enden am 11. September 2001. An ihrem Beginn fällt die Berliner Mauer, an ihrem Ende fallen zwei Türme in New York City."
Trotz der Themenvielfalt geht die Stringenz nicht verloren. Jens Balzer ist mit "No Limit" sein drittes lesenswertes und lehrreiches Dekaden-Buch gelungen. Hyper Hyper 🪩
Guter, kompakter Rückblick mit nicht revolutionären aber einleuchtenden Thesen, der mir ein neues Licht auf die Zeit meiner Kindheit und Jugend geworfen hat.
Gehört als relativ schlechtes Audiobuch (über Libby) mit einem Vorleser (Sebastian Dunkelstein), der ungefähr jeden zweiten Namen falsch ausspricht.
Habe schon die beiden Vorgängerbücher über die 70er und 80er-Jahre sehr gerne gelesen. Auch in "No Limit" nimmt uns Autor Jens Balzer mit auf einen wilden und fundierten sowie abwechslungsreichen Ritt durch vorrangig popkulturelle Phänomene der 90er.
Gelesen, für gut befunden und meinen Kumpels weitergegeben resp. empfohlen. Unterhaltsam und informativ. Zusammenhänge, die ich so nicht kannte, aufgezeigt.
Eine gute Mischung aus diversen Themengebieten. Habe auch noch einiges dazugelernt. Die Bücher zu den 70ern und 80ern werde ich mir auf jeden Fall auch noch zulegen.