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Prägung: Nachdenken über Männlichkeit

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Was macht uns zu den Menschen, die wir sind? Und wie können wir uns verändern? Christian Dittloff verbindet eigene Erfahrungen, Reflexionen über persönliche Vorbilder und Popkultur sowie philosophische Betrachtungen zu einem literarischen Spiel der Selbsterkundung. In einer inneren Archäologie untersucht er seine Kindheit und Jugend auf patriarchale Bruchstücke und versucht, diese aufzulösen. Der Text ist ein innerer Denkmalsturz gewaltvoller Vorbilder – vom Klassenbully über den Rockstar bis zum genialen Künstler – und zugleich ein kraftvolles Manifest, sich ein Leben lang verändern zu wollen.

240 pages, Kindle Edition

Published February 23, 2023

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About the author

Christian Dittloff

4 books4 followers

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Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews42 followers
March 20, 2023
In seinem auto-fiktionalen Roman »Prägung. Nachdenken über Männlichkeit« schreibt der Autor Christian Dittloff aus seiner männlichen, weißen und cis-Personensicht zum zeitgenössischen Diskurs über (toxische) Männlichkeit und Feminismus. In diesem Kontext analysiert er seine Kindheit, Jugend, Familie und Prägung und nimmt Lesende somit auf seine literarische Selbsterkundung mit.

»All dies muss als etwas betrachtet werden, was von einer ROMAN Figur gesagt wird.« (S.5) Dies wurde um den Buchhinweis »ROMAN« ergänzt und impliziert, dass der Inhalt des Buches nicht ausschließlich auto-biografisch ist und stellt sicherlich auch einen gewissen Schutz für alle Personen dar. Bei einigen Stellen (z. B. beim Quälen von Tieren oder anderen Menschen) hoffe ich sehr, dass dies zur Reflexion über toxische Männlichkeit fiktionalisiert und überzogen worden ist. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr persönliches, mutiges und intimes Buch, das Christian Dittloff hier geschrieben hat und dessen lyrisches ICH sehr stark mit dem Autor übereinstimmt (bspw. anhand von recherchierbaren und im Roman genannten Fakten). Die einzelnen Kapitel beginnen mit Buchstaben-Spielen des Wortes ‚STEINBRUCH’s, da der Autor wie im Steinbruch seine patricharle Prägung aufspalten will (vgl. bspw. S.204).

Ausgiebig analysiert und reflektiert er literarisch sein Aufwachsen und Erwachsen werden, mit dem Ziel Männlichkeit im zeitgenössischen Kontext zu hinterfragen und die Prägungen aufzuzeigen. Er reflektiert den erlebten und gelebten Sexismus der 90er und 2000er Jahre und für mich liest es sich oftmals wie eben auch eine Rechtfertigung. Es werden Zitate aus anderen Büchern eingebettet und deren Einflüsse beschrieben, hier hätte ich mir zum einen direkte Fußnoten zu den Zitaten gewünscht (und zudem ein sinnvoll strukturiertes Quellverzeichnis! #ehrewemehregebührt und bin überzeugt, dass die Roman-Form mensch nicht von Zitierrichtlinien befreit …) und zum anderen mehr Reflexion und Zusammenführung der Rückblicke mit diesen Literaturquellen in einem Kontext mit einer zeitgenössischen Erweiterung der Gedanken. Die literarischen Einschübe von bspw. bell hooks oder Nicole Seifert finde ich sehr wichtig und relevant, aber die Einbettung finde ich absolut nicht gelungen. Die Kritik von Seifert zum Literaturkanon wird zwar aufgezeigt, aber danach direkt gerechtfertigt, warum die ‚klassischen‘ AutorEN wie Frisch, Hesse, Mann, etc. ihre Berechtigung haben. Für mich scheitert spätestens damit das Kritische in diesem Buch.

Der Autor schreibt zudem über Feedback, dass er im Rahmen seines Schreibprozesses erhalten hat, aber dieses wird nicht genutzt mit der Rechtfertigung, dass er eben nur seine Sicht auf die Dinge habe. So viel also als Ergänzung zur Einordnung als ‚Roman‘ und zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeit, wie das nachfolgende Beispiel veranschaulicht:
»Ich gebe diesen Text zwei befreundeten feministischen Aktivist:innen zu lesen. Sie weisen mich darauf hin, dass an dieser Stelle die weibliche Perspektive fehlt. Wie hat sich die von dieser Form der Gewalt getroffene Person gefühlt, fragen sie mich, was sagt sie heute zu diesem Erlebnis? Ich erkläre die ausgesparte Perspektive mit der Begrenztheit der erzähltechnischen Mittel, die mit meiner Entscheidung zusammenhängt, aus der Ich-Perspektive zu schreiben.« (S.72)

Ich persönlich hatte große Erwartungen an dieses Buch. Der Diskurs, der es hätte sein können, ist für mich nicht gegeben. Ja, Christian Dittloff denkt über SEINE Männlichkeit nach, die extrem stark auf einer (aus meiner Sicht längst überholten,) binären Einteilung von Geschlechtern basiert. Von mir gibt es keine Leseempfehlung, auch wenn ich es grundsätzlich sehr begrüße, wenn sich cis-Männer mit Männlichkeit und Feminismus auseinandersetzen.
Profile Image for Estrelas.
942 reviews
March 21, 2023
Nach seinen Reflexionen über die Trauer legt Christian Dittloff ein weiteres persönliches Buch nach, diesmal zum Thema Männlichkeit. Es ist ein autobiografisches Werk, das Rechercheergebnisse einfließen lässt.
„Um aus dem Material einen greifbaren Text zu bauen, der einen klassischen Erzählbogen umgeht, brauche ich ein Ordnungsprinzip.“ So verwendet er das Wort „Steinbruch“ und darin enthaltene Wörter als Startpunkt für Assoziationen zum Mannsein, die schließlich zu Kapiteln werden. Wir haben teil am Schreibprozess und bekommen auch Anmerkungen aus dem Lektorat zu sehen, die Aussagen hinterfragen oder ergänzen.
Der Autor gräbt tief in seinen Erinnerungen und stülpt sein Inneres nach außen. Es entsteht eine Mischung aus Vergangenheitsbewältigung und Gesellschaftskritik, die nachdenklich macht, aufrüttelt und mitfühlen lässt. Für mich stellte „Prägung“ eine gute Ergänzung zu „Niemehrzeit“ dar, den gewählten Stil empfinde ich als erfrischend und angenehm zu lesen.
Profile Image for Cläre.
12 reviews
May 8, 2023
Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Christian Dittloff anscheinend auch nicht. Zu Ende des Buches fragt er selbst, was er eigentlich bewirken will. Was genau will das Buch mir eigentlich sagen, außer, dass Männer in der Lage sind zu reflektieren und sich auf feministischer Seite zu positionieren? Ich hab mir stark den nächsten Schritt gewünscht. Wo waren die Kapitel darüber, wie das Patriarchat ihn selbst negativ beeinflusst und wie leiden Männer darunter? Das kam mir deutlich zu kurz. Darüberhinaus geht es mir nicht weit genug. Es endet damit, sich selber in die Verantwortung zu ziehen, was wichtig ist, aber wie sieht das aus? Wie können wir, vor allem Männer aus den Zwängen unserer Gesellschaft befreien? Ich hatte beständig das Gefühl, das mir der Schritt in die Zukunft, in die Veränderung oder sogar ein Part 2 fehlt. Ich hatte mir etwas anderes erhofft, eine neue Perspektive, ein männlicher Aufschrei. Stattdessen wirkt dies wie ein gut recherchiertes und durchaus reflektiertes Werk über Dittloff selbst, als Mann.
Profile Image for Alina_liest07.
132 reviews6 followers
February 24, 2023
Wichtiger Beitrag zum Nach-und Umdenken
„Prägung“ ist ein schwer zu beschreibendes Buch - weder klassischer Essay, noch Sachbuch oder Erfahrungsbericht - nimmt uns Christian Dittloff mit auf seine ganz persönliche Selbsterkundung von Prägung und Männlichkeit.

Nach dem großartigen „Niemehrzeit“, zu dem sich auch in „Prägung“ einige Referenzen wiederfinden, war ich sehr gespannt auf das neue Werk des Autors.
Wie der Untertitel sehr treffend beschreibt, geht es in diesem Buch um ein Nachdenken über „Männlichkeit“. Dittloff erzählt dabei von jugendlichen Vorbildern, von gesellschaftlicher und kultureller Prägung und von kontinuierlichen Lernprozessen und teils schmerzhafter Selbstreflektion.

Besonders spannend und teilweise höchst amüsant finde ich die eingeflochtenen Anmerkungen der Lektoren und „Testleser“. Christian Dittloff nimmt uns dabei mit auf seinen Gedanken- und Schreibprozess - und an der Kritik daran. Und tatsächlich konnte ich den meisten lektorischen Anmerkungen schmunzelnd zustimmen.
In seiner Mischung aus popkulturellen und literarischen Referenzen, inneren Gedankengänge und (Kindheits-)Erinnerungen fühlt man sich dem Autor und seinem Schreibprozess sehr nah und eventuell entdeckt man auch die ein oder andere gemeinsame Lieblingsband. „Prägung" ist voller kluger Beobachtungen, die auch voller Zweifel und Widersprüche sind - immer unter dem Überbegriff des Steinbruchs.
Durch die immer gleiche Überschrift fehlte mir teils die klare Struktur, was herausfordernd war, aber auch zu einem Buch voller Ambivalenz passt.

Braucht es dieses Buch, eine Frage die sich der Autor immer wieder selbst stellt? Meiner Meinung nach ja! Denn neben den selbstkritischen Beobachtungen und dem einzigartigen Schreibstils von Christian Dittloff, der immer wieder ins Herz trifft, ist es ein wichtiger und mutiger Beitrag, der hoffentlich weiteres Nach- und Umdenken über „Männlichkeit“ anregen wird.
Profile Image for Tasha.
Author 8 books18 followers
July 25, 2023
ungen, die nach dem Sportunterricht die Mädchenumkleide stürmen, um sich dort zu entblößen. Ein Ethik-Lehrer, der betont, dass eine Frau sich nicht über sexuelle Übergriffe wundern müsse, wenn sie sich körperbetont kleidet und dafür eine Schülerin als Beispiel nimmt.

Ausgehend von seiner eigenen Biografie spürt Christian Dittloff jenen Erlebnissen nach, die die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft deutlich machen, die weißen cis hetero Männern enorme Vorteile gegenüber anderen Gruppen verschaffen. Hunderte dieser kleinen Einstiche gibt es und sie zeigen sich in unendlich vielen Erscheinungsformen. Inwiefern entsteht dadurch, dass Männer und Frauen diesen Manifestierungen täglich ausgesetzt sind, die titelgebende „Prägung“?

Es gelingt dem Autor, über eine bloße Selbstbetrachtung hinauszuwachsen, denn Dittloff beweist großes Fingerspitzengefühl in der Aufbereitung seiner Erlebnisse. Er wird nie herablassend, indem er sich über jene Männer stellt, die ein althergebrachtes Bild von Männlichkeit verkörpern. Zwar reflektiert er das Geschehen immer wieder, stellt sich dabei jedoch nicht selbst in den Mittelpunkt, sondern stattdessen die Suche nach den Hintergründen sowohl der Geschehnisse als auch der eigenen Position darin. Er geht weiter als nur die Problematik von Gewaltausübung, die als Zeichen von Virilität genommen wird oder von Täter-Opfer-Umkehr aufzuzeigen. Letztlich stellt er infrage, inwieweit ein eher „sanfter“ Mann, wie er selbst wiederum von den patriarchalischen Strukturen profitiert, in der Abgrenzung von der eher üblichen Gewaltbereitschaft. Oder er weist auf scheinbar selbstverständliche Privilegien hin, wie das für Männer gefahrlose Entblößen des eigenen Oberkörpers.
„Es ist klar, Jungs und Männer profitieren vom Patriarchat, denn das Patriarchat erfüllt ihnen viele Bedürfnisse, die es erschafft. Und doch habe ich das Gefühl, mir wurde etwas genommen, die unterstützende Möglichkeit, mich in meinem ganzen Menschsein zu erleben und weibliche Aspekte meines Wesens positiv zu bewerten.“ (S. 206f)
Anmerkungen von Lektorinnen, Freundinnen und seiner Partnerin sind als solche gekennzeichnet, eröffnen oft noch einen anderen Blickwinkel, sowohl auf die Geschehnisse als auch den Schreibprozess. Generell fand ich die Auseinandersetzung mit dem Schreibprozess innerhalb des Buches extrem spannend. Immer wieder fließen auch Eindrücke aus anderen Schriften, zum Beispiel von Roland Barthes, Simone de Beauvoir oder Nicole Seifert in den Text ein, die weitere Perspektiven eröffnen und anhand derer der Autor seine eigenen Erlebnisse überprüft.
Ich habe in „Prägung“ Aspekte aus meiner eigenen Jugend wiedergefunden, die mir bisher nur zum Teil wirklich bewusst waren und die mich noch im Nachhinein erschüttert haben. Und genau deswegen ist diese Art der Auseinandersetzung und Reflexion wichtig, wenn sich etwas ändern soll. Denn viele Mechanismen der Unterdrückung funktionieren unterschwellig, durch Konventionen oder Strukturen, die in Schule, Sportvereinen oder Kirche völlig selbstverständlich existieren und sich dadurch automatisch verbreiten. Ich denke, dass wir noch viel mehr von dieser Art der Reflexion brauchen, beispielsweise über das Ungleichgewicht, in das Beziehungen oft geraten, sobald ein Kinderwunsch ins Spiel kommt. Und ich finde es wichtig, dass Männer sich auch schreibend in diesen Prozess einbringen, denn eine Veränderung kann nur durch echtes Umdenken passieren, zu dem Dittloff hier einen wichtigen Beitrag leistet.
166 reviews1 follower
March 19, 2023
Ein Mann, der selbstkritisch und, ja ich sage es einfach, feministisch über Männlichkeit und Patriarchat nachdenkt, geht das überhaupt? Für „Prägung“ von Christian Dittloff lautet mein Antwort: Jein.

Vorausschickend muss ich sagen, dass ich das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen habe und mich mit vielen tollen Frauen austauschen durfte, die mir ganz neue Denkansätze geboten und mich kritischer haben werden lassen.

Dittloff steigt zurück in die Vergangenheit. Als studierter Autor macht er das rein fachlich gut, aber ich hadere noch mit der Gattung dieses Werks. Es ist kein Sachbuch und auf der dem Text vorgesetzten Seite steht eingerahmt „Roman“, aber das ist es auch nicht, denn ich als Leserin identifiziere den Autor direkt mit dem lyrisch Ich. Vielleicht eine zusammenhängende Essaysammlung?

Jedenfalls kehrt er zurück in Kindheit und Jugend, die meiner nicht unähnlich war, aufgewachsen in den 90 und 2000 kann ich mich noch gut an den vorherrschende Sexismus erinnern, der mir heute die Galle die Speiseröhre hinauftreibt. Er beschreibt, wie er dazugehören wollte, aber dann auch wieder nicht. Er versucht zu reflektieren, was aber oft in einer Rechtfertigung endet, die er eigentlich vermeiden wollte. Er legt eine Pick-Me-Mentalität an den Tag, die wir von Frauen (leider) gewohnt sind und muss sich eingestehen, dass er gleich doppelt vom Patriarchat profitiert, einerseits direkt, andererseits, weil er sich davon abgrenzt.

Brauchen wir tatsächlich eine männliche Sicht auf „Smash the Patriarchy“, die eigentlich nur reproduziert, was viele intelligente Frauen predigen? Anscheinend schon, denn es besteht die Möglichkeit, dass Dittloff allein aufgrund seines Geschlechts gerade die erreicht, die sich singend und feixend die Ohren zuhalten, wenn Frauen davon sprechen. Vielleicht werden diese Männer dann mal selbst nachdenken und etwas verändern.
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