Ich muss zugeben, dass ich schon vom ersten Band der Jessica Niemi Reihe nicht wirkich begeistert war, aber ich mochte die Protagonistin, ihr Leben und das Team um sie herum, sodass ich sehr gerne wissen wollte, wie es mit ihnen weitergeht.
Aber Max Seeck hat es wirklich geschafft, absolut ALLES, was ich im ersten Band noch gern hatte, rauszuschreiben.
So tritt Jessica Niemi etwas mehr in den Hintergrund und man lernt die Kollegen besser kennen. Das war stellenweise völlig okay, wenn das Team nicht die Leichtigkeit und den Zusammenhalt verloren hätte, die noch im ersten Band da waren. Dass es Streitigkeiten innerhalb der Gruppe gibt, war okay, das beruhte ja auf Dingen aus Geschehnissen im ersten Band. Dass Jessica als neue Vorgesetzte aber nun eine Frau hat, die man zweifellos als Gegenspielerin bezeichnen kann, ist mir wirklich sauer aufgestoßen. Der Fall an sich und Jessicas Umstände sind für mein Empfinden Probleme genug.
Dass dann auch noch der Love Interest Fubu rausgeschrieben wurde, damit Jessica fröhlich mit einem anderen ins Bett gehen konnte, war dann zu viel des Guten.
Nun aber zum Fall: Der war eigentlich richtig gut. Zwei verschwundene Influencer und eine Tote, die in japanischer Schulmädchenkleidung an den Strand gespült werden – und beides hängt irgendwie zusammen, die Ermittler müssen nur rausfinden wie.
Tatsächlich hat Max Seeck hier wirklich interessante Ansätze gehabt – aber wie schon in Hexenjäger schafft er es einfach nicht, den Fall plastisch und dynamisch wirken zu lassen. Es existiert im ganzen Buch eigentlich keinerlei Spannung und noch mehr als im Ersten Band finde ich, dass diese Geschichte die Bezeichnung Thriller nicht verdient hat und höchstens ein Krimi ist. Als Krimi funktioniert das Ganze auch sehr gut. Wir folgen den Ermittlern, sind bei ihren Fortschritten dabei, aber es wird niemals zu spannend, zu blutig oder zu skandalös.
Mir persönlich fehlte aber einfach der Nervenkitzel, den ich bei solch einem brisanten Thema erwarte. Ich möchte gerne mehr im Fall sein. Direkt dabei, anstatt immer nur vor Ort zu sein, wenn die Ermittler einen Toten finden. Vielleicht hätte die Sicht des Killers mehr zur Spannung beigetragen.
Die kurzen Kapitel tragen nicht unbedingt zum Lesefluss bei, wobei ich finde, dass es hier an vielen Stellen mehr Sinn ergab, so oft die Perspektive zu wechseln als im ersten Band.
Fazit: Ich wollte dieses Buch so gerne mögen. Aber Max Seeck ist einfach kein Autor nach meinem Geschmack. Dass er sich mit dem zweiten Band so von der Team-Harmonie des ersten Bandes entfernt hat, hat mir einfach das letzte bisschen Lesespaß genommen, den ich mit seinen Geschichten hatte. Ein dritter Band wird bereits angeteasert, ich denke aber nicht, dass ich den noch lesen möchte, dafür bin ich einfach zu enttäuscht.